Verwöhnprogramm nach der Zwangspause: Franziska (4) weiß, was den Lamas schmeckt.
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Verwöhnprogramm nach der Zwangspause: Franziska (4) weiß, was den Lamas schmeckt.

Ein Besuch nach der langen Zwangspause

Bergtierpark Blindham: Die Wiederkäuer käuen wieder

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Endlich wieder Ziegen streicheln, Hirsche beobachten und Trampolin springen. Der Bergtierpark in Blindham ist wieder geöffnet. Der große Besucherandrang bleibt aber noch aus. Ein Besuch.

Aying – In zotteligen Fransen hängt die Wolle am Körper der braunen Bergschafe herunter. Ihre weichen, schmalen Mäuler versuchen die Tiere durch die Pfosten des verwitterten Holzzauns zu quetschen. Die Augen immer auf die brühwürfelgroßen Leckerlis gerichtet, die die Besucher des Bergtierparks Blindham durch die brusthohen Pfähle schieben. Das Streichelgehege, das Zuhause der Bergschafe, ist noch geschlossen. Trotzdem genießen die Tiere die Naschereien der Besucher sichtlich – nach acht Wochen auf Leckerli-Diät.

Seit gut zwei Wochen sind die Zoos und Tierparks in Bayern wieder geöffnet. „Uns hat das Wetter noch eine weitere Woche Zwangspause drangehängt“, sagt der Inhaber des Familienbetriebs Josef Sedlmair (44). Besucher hätten zwar wieder durch den Bergtierpark schlendern können, doch wegen des Regens und der kalten Temperaturen war nicht viel los, erklärt Sedlmair. Außerdem ist das Schild zum Spielstadl mit rotweißem Flatterband umwickelt. Der 2000 Quadratmeter große Indoorspielplatz, in den Familien bei schlechtem Wetter flüchten, ist bis auf weiteres geschlossen. Sedlmair ist trotz allem optimistisch. „Wir sind froh, dass der Betrieb langsam anläuft“, sagt er. Somit hat die Familie und das Team ausreichend Zeit, um sich auf die neuen Situation einzustellen.

Mindestabstand? - Kein Problem, Platz ist genug da

Auf der Parkfläche von 23 Hektar, mehr als halb so groß wie der Tierpark Hellabrunn, haben die Besucher zwar genügend Platz, um den Mindestabstand einzuhalten. An manchen Stellen kann es trotzdem eng werden. „Am Eingangsbereich und auf den Toiletten herrscht Maskenpflicht“, sagt der Inhaber. Er holt seine linke Hand aus der Tasche seiner roten Kapuzenjacke, drückt das Tor zur Gehegeschleuse auf und lässt es hinter sich zufallen. „Im Park gilt schon immer das Einbahnstraßen-Prinzip“, sagt der 44-Jährige. Besucher durchlaufen die Anlage nur in eine Richtung. „Das hilft bei der Einhaltung des Mindestabstands.“

Blick auf den Bergtierpark 

Eine Gruppe Damhirsche grast auf der Wiese. Als Sedlmair das Wildgehege betritt, heben sie ihre Köpfe. Tief im Revier wippen die geschwungenen Hörner der Mufflons durch die Blätter, während sie mit ihren Jungen durch den Wald galoppieren. Vor der Futterkrippe übertönt ein kleines Mädchen mit ihrem Gebrüll die Waldgeräusche. Die Ruhe der vergangen Wochen ist endgültig vorbei. Sie will das mitgebrachte Tierfutter in die Raufe legen, ihre Mutter möchte dem Rundweg folgen. Schnell nimmt die Frau ihre Tochter am Handgelenk und wirft Sedlmair einen entschuldigenden Blick zu. Der zweifache Vater lächelt ihr zu. „Ich denke nicht, dass die Tiere die Besucher in den letzten Wochen arg vermisst haben“, sagt er. „Wenn dann die Schafe und Ziegen im Streichelzoo, die haben anfangs immer auf ihre Leckerlis gewartet.“

Die Tiere haben die besucherfreie Zeit auch ein bisschen genossen

Die Tiere haben die besucherfreie Zeit zwar genossen, für Sedlmair und seine Familie waren die letzten Wochen eine Geduldsprobe. „Die Beschränkungen wurden ja gefühlt jede Woche verlängert“, sagt der Parkinhaber. Der Betrieb war zu, die Einnahmen blieben aus. „Trotzdem haben wir täglich Futter gebraucht“, sagt Sedlmair. Rund 240 Tiere leben im Park. Vom Kaninchen über das Wildschwein bis zum schottischen Hochlandrind. Drei Festangestellte und vier Aushilfen kümmern sich zusammen mit Sedlmairs Familie um die Tiere. In Kurzarbeit hat er nur einen Mitarbeiter geschickt. „Wir sind einfach nur froh, dass jetzt wieder offen ist“, sagt Josef Sedlmair. „Bis der Besucherandrang so groß ist wie früher, wird es aber noch dauern.“ Die durchschnittliche Zahl von 900 Menschen pro Tag ist auf 300 gesunken. „Viele sind noch vorsichtig und machen keine Ausflüge“, mutmaßt der 44-Jährige.

Vor allem die Kinder freuen sich

An der Grillstelle im Wald lässt er seinen Blick über das gute halbe Dutzend Bierbänke schweifen. „Grillen ist derzeit verboten“, sagt Sedlmair. Trotzdem verschnaufen einige junge Familien an den Holztischen. Gelächter hallt durch den Wald. „Vor allem die Kinder freuen sich, dass sie wieder im Park spielen können“, sagt der Inhaber.

Josef Sedlmair ist der Chef des Familienbetriebs.

Die Bäume lichten sich, Sonnenstrahlen fallen auf den Weg. Josef Sedlmair pflückt ein Büschel Gras und hält es den drei Lamas, die ihre saftig grüne Koppel am Ende des Rundwegs haben, hin. Neugierig trotten die Tiere in seine Nähe, rümpfen die Nase und drehen sich weg. Veralbern lassen sie sich nicht. Die vierjährige Franziska aus Grasbrunn weiß, was den Wiederkäuer schmeckt und streckt ein Leckerli in Richtung Lamamaul. Genüsslich kaut das Tier. Das Mädchen lacht. „Es ist einfach nur toll“, sagt ihre Mutter Petra Straßmaier. „Endlich wieder Freiheit.“

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