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Diese sogenannte „Hitlermühle“ ist äußerst selten: Die Ayinger Volker Schranne r (l.) und Max Schöps haben sie in einem Waldstück ausgegraben. 

Ayinger machen spektakulären Fund

Sie haben die „Hitlermühle“ ausgegraben

  • vonIlsabe Weinfurtner
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Es ist ein Fund, den Hobby-Schatzsucher wie Volker Schranner und Max Schöps aus Aying vielleicht nur einmal im Leben machen. In einem Waldstück bei Aying sind die beiden, auf eine äußerst seltene Chiffrier-Maschine aus dem Zweiten Weltkrieg gestoßen. Das Schlüsselgerät 41, wegen der Kurbel an der Seite auch „Hitlermühle“ genannt, war der Nachfolger der bekannten Enigma. Über den Moment, der sein Herz deutlich schneller schlagen ließ, erzählt Max Schöps (23)

-Wie war das damals, an diesem Abend im Mai?

Wir hatten Feierabend und noch etwas Zeit. In dem Wald waren wir schon öfter, aber irgendwie wollten wir nochmal hin. Dann schlägt das Gerät aus, das Signal weist auf einen Fund aus Eisen hin. Da waren wir erst enttäuscht. Eisen findet man oft. Nur, es war ein großes Teil, das haben wir schon gemerkt. Wir haben dann abwechselnd gegraben mit unserem Klappspaten. So 40 Zentimeter tief. Das war spannend, da geht das Adrenalin schon hoch.

-Auf den ersten Blick sieht das Gerät ja aus wie eine stinknormale Schreibmaschine.

Ja, wir dachten auch erst, es ist eine Feldschreibmaschine der Wehrmacht. Das ist nicht so besonders, das war auch ziemlich ernüchternd. Aber wir haben das Ding trotzdem mitgenommen.

-Eine gute Entscheidung.

Ich habe im Internet recherchiert. Und dann war unsere Freude sehr groß, als klar war, was wir da gefunden haben.

-Haben Sie gedacht: „Jetzt haben wir ausgesorgt“?

Nein, das nicht. Es ging uns nicht ums Geld. Es war eher der Aspekt: Da schmeißt einer so ein Ding weg vor 70 Jahren und wir finden es. Und so etwas Großes hatten wir ja auch noch nie ausgegraben.

-Sie haben dann nach Experten geforscht und am Ende ist die „Hitlermühle“ im Deutschen Museum gelandet. Warum dort?

Ich hatte den einzigen Chiffrier-Experten in Deutschland ausfindig gemacht. Nach einigen Telefonaten und Mails sagte er, er will versuchen, das Gerät im Ausland zu verkaufen. Und es gab tatsächlich Anfragen aus New York und England. Aber da hat der Preis nicht gestimmt. Das wollten wir dann auch nicht. Und wir dachten, es soll im Lande bleiben, nicht bei irgendeinem Ami in der Privatsammlung stehen.

-Hat das Deutsche Museum gut gezahlt?

Na ja, darüber möchte ich nicht so gerne reden. Aber die Summe, die wir bekommen haben, liegt im höheren vierstelligen Bereich. Immerhin ist genau unser Fundstück das Gerät, das in der entsprechenden Sammlung im Deutschen Museum noch gefehlt hat. Und dann hat uns auch noch der Waldbesitzer seinen Anteil am Finderlohn geschenkt. Denn eigentlich gilt bei solchen Funden die Heroische Teilung. Die Hälfte des Finderlohns geht an den oder die Finder, die andere Hälfte an den Eigentümer des Grundes, auf dem man etwas gefunden hat.

-Konnte denn der Waldbesitzer irgendwas über die Geschichte seines Waldes erzählen?

Wir haben mit zwei älteren Menschen aus Aying geredet. Die haben erzählt, dass da zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin Spezialtrupps der Waffen-SS unterwegs waren. Sie sollten den Vorstoß der Amis aufhalten und helfen, dass die Nazis aus Berchtesgaden abrücken konnten.

-Es könnte also sein, dass in diesem Wald noch mehr zu finden ist.

Wir waren auf jeden Fall nicht das letzte Mal dort. Wir gehen weiter auf Schatzsuche. Immer dann, wenn wir Zeit haben, nach Feierabend.

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