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Verhaltene Freude: Die Gewinner des Bürgerentscheids am Abstimmungsabend.

Aying: Katerstimmung nach Bürgerentscheid

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Die Idee für ein Mischgebiet in Großhelfendorf ist erst einmal gestorben. Was bleibt, ist Frust bei den Befürwortern der Bebauung. Aber auch bei den Gegnern, die eigentlich die Gewinner der Entscheidung sind, kommt nicht so recht Freude auf.

Aying – Es herrscht Katerstimmung in Aying. Drei Tage nach Abschluss des Bürgerentscheids gibt es wenig Freude auf beiden Seiten: Die Befürworter des geplanten Mischgebiets im Ortsteil Großhelfendorf sind frustriert. Sie haben die Abstimmung verloren. Aber auch bei der Bürgerinitiative, die mit ihrer Kritik den Bürgerentscheid auf den Weg gebracht hatte, kommt keine Euphorie auf. Obwohl die Bebauung des 9300 Quadratmeter großen Areals erst einmal vom Tisch ist.

Vielleicht ist es Bürgermeister Johann Eichler (PWH), der die Gemütslage in seiner Kommune, am besten beschreibt: „Ob dieser Bürgerentscheid Auswirkungen auf die Gesamtheit hat, kann man jetzt noch nicht sagen. Aber er hinterlässt Spuren in der Gemeinschaft, bei den Betroffenen.“ Eichler spricht von einer „Zäsur“ – wohl auch, weil es der erste Bürgerentscheid in der Kommune gewesen ist.

Aufs Gemüt beider Seiten schlägt, dass die Entscheidung am Sonntagabend knapp ausgegangen ist: Von 4106 Berechtigten hatten 2020 gewählt. 1036 Ayinger sprachen sich gegen die Bebauung aus. 977 stimmten dafür. Die Wahlbeteiligung lag bei 48 Prozent, enttäuschend für beide Seiten. Schuld für das Ergebnis suchen beide Gruppen beim jeweils anderen: So moniert die Bürgerinitiative, von Anfang an habe es zu wenig Informationen geben, habe die Gesprächsbereitschaft aller Befürworter mehr und mehr nachgelassen. Die Initiative habe mit unwahren Argumenten um Stimmen geworben, kritisiert dagegen Hans-Peter Huber. Der Kommandant der Feuerwehr Helfendorf und Eigentümer des Ackers, hatte einst den Stein ins Rollen gebracht, als er einen Teil der Fläche an das Grasbrunner Ehepaar Tobias Brunner und Christiane Heyer verkaufte, und bekannt gab, den anderen Teil selbst mit einer Halle und Wohnungen bebauen zu wollen. Auch Brunner und Heyer, schreiben in einer Stellungnahme, viele Menschen hätten vermutlich anders abgestimmt, „wenn ihnen zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung alle Informationen und nicht nur die teils unwahren Behauptungen der Projektgegner vorgelegen hätten“. Dass sie nun ihr Solarprojekt „Solar Hay“ in Großhelfendorf nicht realisieren können, sei zu akzeptieren, heißt es in der Stellungnahme. Zwar wollen Brunner und Heyer das Eigentumsvorrecht am Grundstück behalten, die Planungen aber „einstellen“.

Eine Entscheidung, die vermutlich im Sinne von Bürgermeister Eichler ist. Er sagte gestern, die Verwaltung werde dem Gemeinderat vorschlagen, das Verfahren einzustellen. Nicht zuletzt, weil es im Ort keinen anderen Standort dafür gebe. Grundsätzlich gilt: Das Votum eines Bürgerentscheids ist für ein Jahr bindend. Danach kann neu entschieden werden. Doch in der Regel machen Kommunen davon keinen Gebrauch. Auch Eichler sagte, er sei dafür, das Verfahren nicht wieder aufzunehmen. Er bevorzuge einen sauberen Schnitt.

An den Plänen für das Grundstück festzuhalten, davon hält auch Johann Springer, Gemeinderat der FWGA, nichts. Springer hatte als einziger im Ayinger Gemeinderat gegen die Planungen gestimmt und sagt jetzt: „Wenn wir das noch einmal aufnehmen würden, gäbe es einen riesen Aufschrei im Ort. Ich denke, das ist in dieser Form gestorben.“ Seine Aussage will Springer ausdrücklich für beide Projekte verstanden wissen: für „Solar Hay“ ebenso wie für die Lagerhalle samt Wohnungen, die FeuerwehrKommandant Huber bauen wollte.

Fakt ist aber: Das Grundstück ist im Entwurf des neuen Flächennutzungsplans der Gemeinde als landwirtschaftliche Fläche eingezeichnet. Es könnte also sein, dass Hans-Peter Huber doch noch zu seiner Halle kommt – wenn er denn einen Antrag auf privilegiertes Bauen stellen und dieser genehmigt werden würde.

Huber selbst will dazu nichts sagen. Zu enttäuscht ist er über den Ausgang des Bürgerentscheids. Nicht nur wegen seiner Pläne. Er hatte sich stets für „Solar Hay“ eingesetzt, von einem „zukunftsweisenden Projekt“ gesprochen, das dem Ort nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Bauaufträge hätte bringen können. „Das hätte der Kommune gutgetan, schade“, sagt er jetzt. Gleichzeitig beklagt Huber, dass sich im Ort Gräben zwischen den Menschen gebildet haben. „Da sind Narben geblieben.“

Auch bei Carla Spindler, der Sprecherin der Bürgerinitiative, mag in den Tagen nach der Entscheidung nicht so recht Freude über den Sieg ihrer Gruppe aufkommen. Letztlich auch, weil es zu viel Missstimmung im Ort gegeben habe. „Manchmal dachte ich, die Leute schauen mich an, wenn ich vorbei radle. Aber vielleicht achte ich auch zu sehr darauf“, hatte sie schon am Entscheidungsabend gesagt. Das politische Geschehen im Ort will sie in Zukunft im Auge behalten.

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