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Lange hat Georg Kirner recherchiert, um den Mordfall, von dem dieses Marterl in Aying erzählt, aufzuklären.

Jahrhunderte altes Rätsel in Aying

Hobby-Detektiv aus Baldham löst mysteriösen Mordfall - Bleibt der Name des Mörders für immer unbekannt?

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Fast 200 Jahre war das Marterl in Aying ein Ort der Spekulationen um einen brutalen Mord. Hobby-Detektiv und Autor Georg Kirner (82) hat das Rätsel wohl nun gelöst.

Aying – Die Sache mit dem Marterl hat ihm einfach keine Ruhe gelassen. Seit einer Ewigkeit, genauer seit 1824, steht es da am Rand des Mühlenwegs, Ecke Peißer Straße. Schon als Kind ist Georg Kirner oft davor gestanden. Gleich um die Ecke hat er seine ersten neun Lebensjahre verbracht. Mittlerweile wohnt er in Baldham, doch vergessen hat er das Marterl nie. „Viele im Ort haben immer so getan, als wüssten sie, was damals passiert ist“, sagt Georg Kirner.

Gruselige Inschrift am Ayinger Marterl

Ans Licht aber war es bis heute nicht gekommen, was genau sich da am 17. Mai 1824 an der Wegeskreuzung zugetragen hat. „Hier gab seinen Geist der ehrbare Georg Schneider Berndlbauer allhier, er wurde an diesem Orte aus Rache seines Feindes erschlagen“, besagt die Schrift unter dem Bild, das den Bauer am Boden liegend zeigt, in einer Blutlache um den Kopf.

Es war eher Zufall, dass Georg Kirner den Hintergründen auf die Spur kam – durch einen Nachlass von Josef Beyer. „Der war in den 50er-Jahren Dorfpolizist in Aying, interessierte sich schon von Berufswegen für alles, was ihm nicht ganz korrekt vorkam“, erzählt Kirner. Auch von dem Marterl und seiner Geschichte erzählte er damals dem jungen Schorschi. Beyer hatte unter anderem in alten Polizei-Unterlagen geforscht. Damals konnte Georg Kirner wenig damit anfangen. Doch mit Beyers Unterlagen begann er die Geschichte zu rekonstruieren.

Der Mord am Berndlbauer - ein Racheakt?

Demnach soll der damalige Berndlbauer Georg Schneider am 16. Mai 1824 drei Ochsen zum Viehmarkt nach Holzkirchen getrieben haben. Mit ihm kamen noch der Knecht vom Ayinger Kainzenhof mit zwei Ochsen und weitere Knechte mit Ochsen. Über die Kreuzstraße und Föching zog die Gruppe nach Holzkirchen zum Markt. Es wurde gehandelt, gerauft und betrogen, auch schon mal eine Ziege mit Wasserbauch als trächtig verkauft.

Zudem war der Markt ein Tummelplatz für Kriminelle, die genau hinschauten, wer das meiste Geld einsteckte. Viel Geld hatte auch Georg Schneider wohl am Ende in der Tasche. Weil er der Geschickteste im Verhandeln war, verkaufte er alle sieben Ochsen und behielt den gesamten Erlös, um ihn den Bauern selbst zu übergeben. Auf dem Rückweg, kurz vor dem Ortseingang von Aying – offenbar hatten sich die Knechte schon verabschiedet und Georg Schneider war allein –, wurde der Bauer überfallen, erschlagen und seines Geldes beraubt. „Es gab damals Hinweise darauf, dass der Berndlbauer beim Handel einmal betrogen hatte“, sagt Kirner. Einige der Bauern hätten sich daran erinnert, dass bei einer Streiterei im Wirtshaus einer der Kontrahenten zum Berndlbauern gesagte hatte: „Di dawisch i scho no amoi, dann daschlog i di – du woast scho warum“. Dafür spräche auch die Inschrift des Marterls, wo von einem Racheakt die Rede ist.

Bleibt der Mörder für immer unbekannt?

Von dem ehemaligen Postboten Joseph Strauß, der in Aying und Umgebung viele Jahre unterwegs war, erfuhr Kirner vor dessen Tod aber andere interessante Details: Demnach ereignete sich 1829 ein Überfall auf ein Fuhrwerk an der heute noch existierenden Kreuzung Aying/Hofolding. Dort gab es eine tiefe Grube, versteckt hinter Büschen. Sie war wohl entstanden, als man für den Bau der Straße dort Kies entnahm. Diese Grube nutzen immer wieder Wegelagerer für einen Überfall auf die Fuhrleute. Jener Überfall 1829 ging jedoch schief. Einer der Räuber stürzte und brach sich ein Bein, die anderen flohen.

Der Verletzte kam ins Gefängnis, wo er unter anderem – aufgrund der damals nicht sehr sanften Verhörmethoden – ein interessantes Geständnis ablieferte: Er habe im Mai 1824 mit zwei Komplizen den Berndlbauern von Aying wegen des Geldes überfallen. Der Mord sei nicht geplant gewesen, jedoch habe sich der Bauer so heftig gewehrt, dass ihm einer schließlich den tödlichen Schlag auf den Kopf verpasste. Den Namen seiner Komplizen gab er nicht preis. Damit wird auch der Mörder des Berndlbauers für immer unbekannt bleiben.

Georg Kirner ist trotzdem zufrieden – und viele andere vielleicht auch, die sich schon lange gefragt hatten, was es auf sich hat mit dem Marterl am Mühlenweg.

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