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Ein Prosit auf das Bier, das ausschließlich aus Produkten aus der Region besteht: (v.l.) die Wirte des „Zinners“ in Taufkirchen, Ferdinand und Sebastian Zinner, sowie der Taufkirchner Landwirt Florian Büchlmeir und der Ayinger Brauereidirektor Helmut Erdmann.

Trotz schlechter Ernte bei der Braugerste 

Eine Mass Heimat

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Ernte, Verarbeitung und Bierbrauen: Die Brauerei Aying verwendet für die Herstellung des Gerstensaftes ausschließlich Produkte aus der Region: ein Alleinstellungsmerkmal. Auch wenn es die Ernte verhagelt, wie in diesem Jahr, muss nichts von außen zugeführt werden.

Landkreis– Die Ernte war für den Taufkirchner Landwirt Florian Büchlmeir eine mittlere Katastrophe. Rund 15 Prozent weniger Braugerste hat er geerntet, wie er beim Pressegespräch im Taufkirchner Ritter-Hilprand-Hof einräumt. Von Taufkirchen geht die Braugerste nach dem Reifeprozess nächstes Jahr zur Mälzerei Hausladen von Albert Ostler und Florian Meier nach Heimstetten, und schließlich wird der raffinierte Rohstoff nach Aying zum Bierbrauen geliefert.

Das regionale Konzept funktioniert und bringt allen Beteiligten Vorteile. Denn auch wenn ein Landwirt weniger einfährt als erhofft, können die restlichen zehn Vertragspartner der Brauerei in den Landkreise München und Fürstenfeldbruck den Verlust gut ausgleichen. Seit sechs Jahren kommen hundert Prozent des in Aying benötigten Malzes von hier, das sind 1500 Tonnen – Tendenz steigend. Auf den freien Markt muss Familie Inselkammer, Eigentümerin der Brauerei, nicht mehr zurückgreifen.

Bauer Büchlmeir kennt kein Patentrezept, wie man sich in der Branche aufstellen muss, um die künftigen Herausforderungen in der Landwirtschaft zu meistern, aber mit der Brauerei Aying hat er einen soliden und verlässlichen Abnehmer seiner Braugerste in den nächsten Jahren gefunden. Und das kann nicht schaden. Denn kaum ein anderer Beruf ist so wetterabhängig wie der des Landwirts. Büchlmeir hat jetzt im vierten Jahr zehn Hektar Braugerste der Marke „Marthe“ speziell für die Brauerei angebaut, der Vertrag ist über 70 Tonnen abgeschlossen. Würde die Gerste ohne Einbußen verarbeitet, könnten daraus 700 000 Halbe Bier produziert werden. Die Marthe-Pflanze ist robust auf dem Feld, lässt sich in der Mälzerei gut bearbeiten und bringt einen feinen Geschmack ins Bier. Brauereidirektor Helmut Erdmann: „Im Sudhaus läuft die wunderbar durch.“

Die vergangenen drei Jahre liefen auf dem Feld gut, erst heuer gab es einen herben Einschnitt im Landkreis München, der Witterungsverlauf war in jeder Hinsicht ungünstig. Im März fiel der Regen aus, der nach der Aussaat für das Wachstum enorm wichtig gewesen wäre. Im April kam der Schnee dazu, und Mitte Mai hatte es aufgehört zu regnen. Dann kam die Hitze. „Wären Mitte Juni einmal 20 bis 25 Liter Regen gefallen, hätte das Getreide durchgehalten“, erklärt Büchlmeir. Der Bauer musste die Gerste mit dem Mähdrescher frühzeitig ernten, reinigen und ins Silo bringen, das ein Fassungsvermögen von rund 100 Tonnen besitzt. Die Temperatur sollte hier nicht zu hoch sein, damit sich der schädliche Getreidekäfer nicht ausbreitet.

Büchlmeir muss Einbußen von rund 15 Prozent hinnehmen. Damit hat er noch Glück, wie Mälzer Albert Ostler aus Garching einwirft. Er baut selbst Braugerste an, auf seinen Feldern ist gar nichts brauchbar, „alles Schweinefutter“. Der Kiesgrund der Münchner Schotterebene machte ihm den Strich durch die Rechnung. Für gewöhnlich verspricht der Untergrund eine gute Ernte, nur nicht bei extremer Trockenheit. Der grüne Halm knickt um, die Nahrungszufuhr fürs Korn ist unterbunden.

Nächste Station Heimstetten: Als selbstständige Handelsmälzerei ist die Firma Hausladen die einzige im Landkreis München, ja sogar im südlichen Oberbayern. Einzugsbereich ist die Münchner Schotterebene mit unterschiedlichen Bodenarten von Kies bis moorig und humusreich, um bei schwankenden Niederschlägen gut ausgleichen zu können. Viele Landwirte aus dem Landkreis, unter anderem Florian Büchlmeir, liefern ihre Ernte im nächsten März nach Heimstetten. Hier wird sie gereinigt, gekühlt und vermälzt.

Das Ergebnis wird der Brauerei auf Abruf bedarfsgerecht zugestellt, wie Florian Meier von der Firma Hausladen erklärt. „Wir schmeißen die nicht in eine Halle und holen sie nach einem halben Jahr wieder raus“, ergänzt Mälzer Albert Ostler. Das Korn braucht eine gute Kühlung und Belüftung. „Wenn wir Murks machen, sagt die Brauerei: ,Was fällt euch denn ein?‘ Also wir müssen einen guten Rohstoff liefern.“

Dazu gehört, die Keimfähigkeit vorzubereiten, die nach sechs bis acht Wochen einsetzt. „Von 100 Kerndl müssen 95 schön wachsen“, sagt Albert Ostler. Durch das Malz kann die Brauerei den Biergeschmack fein variieren.

Ein Alkoholfreies gibt es übrigens noch nicht im Sortiment. Brauereidirektor Helmut Erdmann erklärt, warum: „Das ist kein Bier.“

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