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Frank Squarra aus Dürrnhaar ist 17 Jahre alt und Mitorganisator der „Fridays For Future“-Demonstrationen in München. Aktuell hat er ein Praktikum in de Redaktion des Münchner Merkur absolviert. 

Kolumne zur Klimabewegung „Fridays For Future“

Ayinger (17) sagt: „Ich streike,weil wir etwas verändern können“

Frank Squarra aus Dürrnhaar ist 17 Jahre alt und Mitorganisator der „Fridays For Future“-Demonstrationen in München. Der große Klimastreik heute in München ist für ein ein ganz besonderes Ereignis. Im Münchner Merkur erklärt er, warum er streikt und was die Bewegung bereits erreicht hat. 

Es war ein ziemlich komisches Gefühl, das erste Mal einfach vor Unterrichtsende aufzustehen und zu sagen: „Ich gehe jetzt streiken.“ Es ist eine Mischung aus Aufregung und Interesse gewesen, als meine Freunde und ich im Januar erstmals einen Klimastreik besucht haben. Damals war die Bewegung noch in ihren Anfängen. Doch der Anlass hat sich seit dem ersten Streik nicht verändert. Nach wie vor geht es um eine gewissenhafte und soziale Klimapolitik weltweit. Schulisch hat sich trotz meines Aktivismus wenig geändert. Ich hatte letztes Schuljahr freitags in der dritten und vierten Stunde sowieso Freistunde, habe also pro Woche nur zwei Unterrichtsstunden verpasst.

Es ist der globale Aspekt der Bewegung, der mich motiviert, mehr zu tun, als nur zu demonstrieren. Deshalb bin ich im März das erste Mal zu einem Plenum des Organisationsteams in München gegangen. Nach wenigen Wochen war ich voll in der Thematik und der Gruppe drin. Von da an organisierte ich die Streiks mit und habe mitgeholfen, die Forderungen an die Stadt München zu formulieren.

Deutschland kann zum internationalen Vorbild werden

Ich streike, weil ich glaube, dass wir als Bewegung sowohl international als auch national etwas verändern können. Obwohl Deutschland weltweit nicht der größte Produzent von Treibhausgasen ist, kann die Bundesrepublik dennoch zum internationalen Vorbild werden. So kann der Weg für eine weltweite Lösung des Klimaproblems geebnet werden. Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, den Diskurs in der Politik von der emotionalen auf die fachlich-inhaltliche Ebene zu verschieben. Weg von plumpen Wahlsprüchen hin zu sachlichen Forderungen und Maßnahmen. Fridays-For-Future München hat dazu mit dem am 25. Juni veröffentlichten Positionspapier zum Klimaschutz in der Stadt München einen tollen Beitrag geleistet.

Klimafrage in den Fokus der Gesellschaft gerückt

Ich werde sehr oft von meinem Umfeld gefragt: „Was habt ihr denn schon erreicht, das bringt doch gar nichts.“ Oft antworte ich darauf: Doch auch wenn unsere Forderungen in der Politik auf Widerstand stoßen, so haben wir die Klimafrage in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Ich erinnere mich noch sehr genau, als ich am Tag der Europawahl ferngesehen habe und das Klima als wichtigstes Thema dieser Wahl genannt wurde. So etwas löst bei mir immer einen gewissen Stolz aus, zu sehen, wie wir als Bewegung die Bürger tatsächlich bewegen können. Da die Folgen des Klimawandels bereits spürbar sind, muss die Menschheit handeln.

Es ist wichtig, jetzt sofort erste Schritte hin zu einer Welt mit weniger Emissionen zu machen. Denn je früher wir anfangen, Lösungsmöglichkeiten durchzusetzen, desto sozialverträglicher und unkomplizierter wird sich die Klimapolitik gestalten.

Es ärgert mich, wie die Ratschläge von Wissenschaftlern konsequent ignoriert werden

Es ist an der Zeit, endlich Gesetze zu verabschieden, die den wissenschaftlichen Maßstäben zur Einhaltung des 1,5-Grad-Zieles entsprechen. Denn das ist tatsächlich der Punkt, der mich am meisten ärgert, wie die Ratschläge von Wissenschaftlern konsequent ignoriert werden.

Auch würde ich mir wünschen, dass die Klimakrise endlich als gesamtgesellschaftliches Problem angesehen wird und nicht vorrangig junge Menschen und Umweltorganisationen auf das Problem aufmerksam machen müssen.

Besonders freue ich mich deshalb auf den globalen Streik am heutigen Freitag. Der 20. September ist nicht irgendein Freitag. Denn die Bundesregierung entscheidet über die nächsten Schritte in der Klimapolitik. Parallel wird in New York einer der wichtigsten UN-Gipfel des Jahres vorbereitet. Das macht diesen Tag für mich zu einem Tag der Entscheidung, an dem alle Menschen weltweit friedlich auf der Straße ein Zeichen setzen sollten.

Frank Squarra

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