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Entspannte Stimmung in lange vermisster Umgebung bei lässiger Musik und weniger Betrieb: die Wawi am Vatertag.

Großer Andrang in Biergärten: 

Ein Ausflugstag, wie ihn keiner kennt

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Vatertag im Landkreis: auch heuer ein klassischer Ausflugstag. Bei bestem Wetter mit weiß getupftem blauem Himmel schnappten sich viele Leute ihre Räder und erkundeten die nähere und ein wenig entferntere Umgebung. 

Pullach – Jenny, Olaf, Alexandra und Sönke waren die Ersten. Hatten sich um dreiviertel zehn vor den Toren der Waldwirtschaft getroffen. Um zehn saßen sie dann am Tisch bei der Bühne, mit ihren drei Hunden und den drei kleinen Eichhörnchen und waren bester Dinge. Packten die mitgebrachten Speisen aus und richteten sich ein auf einen Tag im Biergarten.

Im Waldgasthof Buchenhain war der Wirtsgarten zwischen 10 und 20 Uhr durchweg voll besetzt, auch im Wildpark in Straßlach freute sich Wirt Toni Roiderer über einen „sehr sehr guten Tag“. Die Gäste seien „sehr diszipliniert“ gewesen. Jetzt könne man nur drauf hoffen, dass auch draußen (wie ab Montag drinnen) bald der Zapfenstreich von acht auf zehn Uhr abends hinausgeschoben werde. Im Brauereigasthof in Aying war ebenfalls alles bestens, man habe den Besuchern, meinte gestern Angela Inselkammer, richtig angemerkt, wie glücklich sie hier seien. Darüber, dass man nun wieder frische Brezn und ein frisch gezapftes Bier in Gesellschaft genießen könne. „Wir erfahren jetzt genau die Wertschätzung, die wir als Gastgeber manchmal fast ein bisschen vermisst haben.“

Nur ein Bruchteil bekommt Platz

Wobei freilich klar ist: dass voll besetzte Wirtsgärten in Corona-Zeiten nur einem Bruchteil des Publikums Platz bieten, das es sich unter normalen Umständen gemütlich macht unter Kastanien. In Aying ist an den auseinander gerückten Tischen gerade ein Drittel der sonst üblichen Belegung möglich, und Erhard Schneider, Geschäftsführer der Waldwirtschaft, hat in den ersten Tagen seit der Wiedereröffnung zusätzlich beobachtet, dass „die Leute oft nicht wollen, dass sich noch jemand zu ihnen setzt“. Aus Angst eben vor möglicher Ansteckung.

Geschäft eher mau

Entsprechend haben sich in einem der bekanntesten Biergärten Münchens, der Wawi, am Wochenanfang nur 200 bis 400 Besucher gleichzeitig Bier und Steckerlfisch schmecken lassen, während andere, die das auch gern getan hätten, draußen Schlange standen. „Das Geschäft blieb weit hinter den Erwartungen zurück.“ Am Donnerstag klang Geschäftsführer Erhard Schneider ein wenig zufriedener, auch wenn feststand, dass er nur „ein Drittel des sonst am Vatertag üblichen Umsatzes“ würde machen können.

40 Zentimeter Privatsphäre

Derweil genoss, wer sesshaft geworden war zwischen Spielplatz und Bühne, die entspannte Atmosphäre. Hörte der Musik zu, knüpfte vielleicht auch das ein oder andere Gespräch mit Tischnachbarn an – auch wenn man dabei auf den nötigen Abstand achten musste. Manchmal, sagte ein Herr um die 60, der Thomas heißt, habe das früher doch auch genervt, wenn die Bank eh schon voll war, und dann „quetschte sich noch einer dazu, da hatte ich manchmal schon einen Hals“. Zustimmung am Tisch, das jüngere Pärchen, das hier noch sitzt, meint, jeder Mensch brauche einfach 40 Zentimeter Privatsphäre um sich herum, das sei jetzt locker gegeben.

Näher an der Musik dran saß Manfred Schauer mit Freundin und Freunden, sie alle waren am Montag schon hier gewesen. Komisch sei die Stimmung schon, es fehle der übliche Rummel, sagten sie, trotzdem: „Es ist einfach schön, wenn man wieder andere Leute sieht!“ Manfred Schauer, der bekanntlich seit 35 Jahren den Schichtl auf der Wiesn betreibt und heuer nicht betreiben kann: „Ein Rausch allein ist sehr einsam.“

Brotzeit mit Mundschutz holen

Mit Mundschutz holten sich die Leute die Brotzeit und das Bier von Theke und Schenke, trotz Einwegverpackungen ging vor allem der Obazde bestens weg, außerdem freilich die Wawi-Klassiker Steckerlfisch und Spareribs. Die Schlange vor dem Biergarten: teils recht lang, zwischenzeitlich musste, wer rein wollte, eine halbe Stunde anstehen. Um sich erst registrieren zu lassen, um dann signalisiert zu bekommen, dass ein Tisch frei geworden sei.

Eichhörnchen im Gepäck

Der von Jenny, Olaf, Alexandra und Sönke war nicht darunter. Um fünf Uhr nachmittags saßen die vier mit ihren vielen Tieren noch immer im Zentrum des Geschehens. Hatten sich im Wechsel mit Radler und Hellem über Wasser gehalten, zwischendurch auch mal einen Kakao oder Kaffee eingeschoben. Alexandra zeigte dem, der sich dafür interessierte, die drei kleinen Eichhörnchen, die sie als Tierärztin, die grade Notdienst hat bei der Eichhörnchenhilfe München, momentan aufpäppelt. Fünf Wochen sind die Kleinen alt, werden mit Katzenmilch gefüttert, sie dämmerten zufrieden in einem weißen Täschchen vor sich hin. Ansonsten: „Es ist so schön, hier draußen wieder unter Menschen zu sein.“ Man treffe jede Menge Bekannte, und wie früher gelte auch jetzt: „Die Waldwirtschaft ist unser zweites Wohnzimmer.“

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