Eine große Blumenliebhaberin war Hildegard Oblegor-Anzinger
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Eine große Blumenliebhaberin war Hildegard Oblegor-Anzinger. Im Brauereigasthof in Aying war sie bekannt für ihre besondere Hingabe und Aufmerksamkeit.

Nachruf

Aying trauert um Hildegard Oblegor-Anzinger: Herzensmensch plötzlich aus dem Leben gerissen

  • Wolfgang Rotzsche
    vonWolfgang Rotzsche
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Schicksalsschläge kommen selten allein. Das musste nun auch das Team des Ayinger Brauereigasthofes erleben. Nach Helmut Fischer (86) ist ein weiteres verdientes Personalmitglied verstorben: Hildegard Oblegor-Anzinger.

Aying – Besonders tragisch ist, dass sich die 63-Jährige stets um Fischer gekümmert und dessen Beisetzung noch vorbereitet hat. Bei der Besprechung der Predigt mit dem evangelischen Vikar hat sie eine Gehirnblutung erlitten. Diese hat letztendlich auch zu dem frühen Tod der beliebten Kollegin geführt.

Bewundert für ihre Herzlichkeit

„Wir sind alle sehr mitgenommen“, sagt Angela Inselkammer wissen, die erneut mit Familien- und Betriebsangehörigen am offenen Grab einer Wegbegleiterin stehen musste. Dreieinhalb Jahrzehnte wirkte Hildegard Oblegor-Anzinger als Servicekraft im Braueigasthof Hotel Aying. Ein ehemaliger Kollege, Damian Kokoschka, bewunderte „ihre Professionalität, Herzlichkeit und ihren Stolz, diesen Beruf ausüben zu dürfen.“ In den „Ayinger G’schichtn 3“ sind ihr und ihrem Mann Fritz Anzinger sogar mehrere Seiten gewidmet. Sie unterstreichen die Herzlichkeit, mit der die Oberbayerin viele Menschen ins Herz schließen konnte.

Ein Vorbild für die Kollegen

Die Verstorbene sei, so Kokoschka, eine Art Kapitän in einem Fußballspiel gewesen, stets das Ganze im Blick, aber unaufgeregt und kameradschaftlich: „Kein Gast wurde übersehen. Namentlich und mit einem Lächeln, begrüßt und verabschiedet. Hildegard war für uns ein Vorbild im Umgang mit den Gästen.“ Und in einem Familienbetrieb stand auch der Begriff Familie hoch im Kurs, weil in einem Unternehmen wie diesem nicht nur zusammen gearbeitet, sondern auch zusammen gelebt wird. Umso mehr haben alle gebangt, als sie von der Hirnblutung gehört haben. Kokoschka: „Für alle Hinterbliebenen ist es nur unfassbar, warum ein so gesunder und fitter Mensch, wie es unsere Hildegard war, plötzlich und so schnell aus dem Leben gerissen wurde.“

Der Gast an erster Stelle

In den Ayinger G’schichtn wird berichtet, dass Hildegard und Fritz jeden Abend nach Ende der Serviceschicht Anmerkungen auf einen weißen Zettel geschrieben haben: „Fein säuberlich notierten sie hinter dem jeweiligen Gastnamen die kulinarischen Vorlieben oder Gesprächsinhalte.“ Sobald ein Gast ein weiteres oder drittes Mal im Brauereigasthof war und von einem der beiden bedient worden ist, wurde er in diese interne Gastkartei aufgenommen. Das hielten beide bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2012 durch.

Gemeinsame Leidenschaft

Fritz Anzinger blickte auf 43 Jahre Zugehörigkeit zurück, seine Frau Hildegard auf 35 Jahre. Sie haben sich nicht weit weg vom Gasthof am Wagnerberg ein kleines Refugium geschaffen und nahmen weiterhin am Geschehen in Aying teil. Sie gingen einer gemeinsamen Leidenschaft nach, die in unseren Gefilden gar nicht mehr so häufig vorkommt: sie gingen zum Pilzsammeln in den Wald. Und waren da sehr erfolgreich. Sie machten viel zu zweit, doch nun ist der Weg von Hildegard wesentlich früher zu Ende gegangen, als alle erwartet haben.

Blumenmeer am Grab

Damian Kokoschka versicherte am Grab in Arget dem Witwer, dass ihn die Kollegen nicht allein lassen werden. Sie hätten es auch für Hildegard Oblegor-Anzinger getan. Das Grab war mit einem Meer von Blumen geschmückt; eine letzte große Ehre für die weithin bekannte Blumenliebhaberin.  

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