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Mülltourismus im Gebiet des Zweckverbands Südost: Hier ist ein Transporter aus Ungarn unterwegs. Die zwei Fahrer suchen in Höhenkirchen nach Verwend- oder Verwertbarem.

Beschwerden bei der Polizei

Sperrmüllsammler aus dem Ausland beunruhigen Anwohner

  • Marc Schreib
    vonMarc Schreib
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Im Landkreis floriert der Sperrmüll-Tourismus. Betroffen sind die Gemeinden, die als Service Sperrmüll vor den Grundstücken der Bürger abholen. Die nicht mehr gebrauchten Dinge rufen professionelle Sperrmüllsammler auf den Plan, die meist aus dem Ausland mit Transportern anreisen. Bei der Polizei gehen deswegen oft Beschwerden von besorgten Anwohnern ein.

Landkreis– Im Schritttempo zuckelt ein weißer Kleintransporter durchs Wohngebiet. Die Insassen haben Adleraugen, wenn es um verwertbaren Sperrmüll geht, der in der Siedlung vor dem Abholtag bereit gelegt wird. Das ist nicht unbedingt gesetzeswidrig, es kommt ganz auf den Einzelfall an.

Im Landkreis München ist dieser Sammeltourimus ausschließlich in den Südost-Gemeinden Neubiberg, Brunnthal, Putzbrunn, Hohenbrunn, Höhenkirchen-Siegertsbrunn und Aying zu beobachten, denn nur hier wird der Sperrmüll von zu Hause abgeholt. Ein Service, der acht Mal im Jahr im Verbreitungsgebiet stattfindet. Der Turnus ist gerade zu Ende gegangen. Im August ist Sommerpause, ab September geht es wieder los.

Anwohnerin fühlt sich von Sperrmüllsammlern belästigt

Sofas, Lattenrost, Geschirrspüler, Mikrowellen, Fernseher oder Gartenmöbel ziehen die Wertstoffsammler an, die laut Polizei häufig aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa, anreisen. Ruth Stubenvoll hatte sich schon im vergangenen Herbst auf der Brunnthaler Bürgerversammlung über das Sammel-Treiben im Wohngebiet beschwert. Sie hat schon des Öfteren mit den Fahrern der einschlägigen Kastenwagen einen kurzen Disput geführt.

Die Abholtermine sind in der Umgebung von Ruth Stubenvoll meistens dienstags. Ab Sonntagnachmittag kreisen dann „uralte Diesel in der Größe von Sprintern“ in der 30er-Zone. Die Brunnthalerin kann von ihrem Büro aus die Fahrbewegungen sehen. „Sie fahren dann montags in der Stunde mehr als zehn Mal herum. Es scheint sich zu rentieren.“

Kurzum, Ruth Stubenvoll fühlt sich von den Fahrzeugen im Wohngebiet belästigt. Sie weiß, dass sie sich das Kennzeichen notieren könnte. Das sei aber mehr oder weniger zwecklos und führe zu nichts. Zwar gibt es einen Paragrafen (§ 30) der Straßenverkehrsordnung, der ein unnützes Hin- und Herfahren innerhalb geschlossener Ortschaften verbietet, „wenn dadurch andere belästigt werden“. Aber trifft hier das Adjektiv nutzlos zu?

Polizeichef: Bekommen die Fahrzeuge nicht von der Straße weg

Der Leiter der Polizeiinspektion Ottobrunn, Armin Ganserer, bestätigt, dass es Beschwerden aus der Bevölkerung über den sogenannten Sperrmüll-Tourismus gibt. „Wir zählen die Fahrzeuge nicht, hören aber regelmäßig davon.“ Dabei muss er zugeben, dass die Polizei beim Kontrollieren selten Erfolg habe. „Es lässt sich nicht einwandfrei feststellen, von wo die Gegenstände genau her sind. Es handelt sich ja um reisende Händler, die sich hier verdingen.“ Zwar gebe es einen geschützten Wertstoff, den dritte nicht einfach wegnehmen dürfen. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Aber eine einwandfreie Zuschreibung des Sammelgutes sei kaum möglich. „Wir haben in den vergangenen Jahren mehrere Aktionen unternommen gemeinsam mit dem Zweckverband Südost. Das Problem: Die Fahrzeuge bekommen wir nicht von der Straße weg.“

Die Bürger stören sich laut Ganserer in der Regel nicht daran, dass die fahrenden Händler den Sperrmüll mitnehmen. „Sie wollen ja, dass der Krempel entsorgt wird.“ Als störend wird die Fahrerei empfunden. Das aber sei nicht verboten, auch wenn die Bürger das nicht einsehen mögen. Die Fahrer seien ja nicht ohne Ziel und Zweck unterwegs. Ein Nachweis, dass hier eine Ordnungswidrigkeit begangen wird, lasse sich daher so gut wie nie erbringen. Die Klientel sei übrigens auch im Wertstoffcafé Trödel und Tratsch zugegen und kaufe dort ein.

Angst, dass Sammler Grundstücke für Einbrüche ausspähen

Das Thema ist regelmäßig auf Bürgerversammlungen präsent. Ganserer verspricht, dass die Polizei in die betroffenen Gebiete fährt, wenn die Bürger bei der Dienststelle anrufen. „Wir gehen den Hinweisen auf eventuelle Diebstähle natürlich nach.“ Es werde oft vermutet, dass „diese Herrschaften etwas ausspähen. Wir bekommen da die wildesten Geschichten serviert, dass die Fahrten im Zusammenhang mit Einbrüchen stehen könnten. Das hat sich als nicht haltbar herausgestellt.“

Dabei ließe sich das wilde Sammeln leicht unterbinden: In der Satzung des Zweckverbandes steht ausdrücklich, dass der Sperrmüll erst am Abholtag um 7 Uhr auf den Gehweg gestellt werden darf. Praxis ist, wie Armin Ganserer es in den Jahren miterlebt hat: Einige Anwohner stellen die Sachen am Samstag hinaus, wenn am Donnerstag abgeholt wird.

Das wäre eigentlich auch eine Ordnungswidrigkeit, die von den Beamten geahndet werden könnte. Ganserer selbst wohnt in Unterhaching. Hier gibt es einen Bringservice: „Ich muss meine Sachen selbst zum Wertstoffhof fahren.“ Insofern genießen die Bürger in den Südostgemeinden einen besonderen Luxus. Eine Mitarbeiterin des Zweckverbandes: „Letztlich hat es jeder Bürger selbst in der Hand, den Zustand zu optimieren.“

Neue Strategie

Beschwerden wegen Ruhestörung durch illegale Sperrmüllsammler will der Zweckverband München-Südost mit einer neuen Strategie eindämmen. Mitarbeiter des Zweckverbandes werden bei Hinweisen auf illegale Sammler das Sammelgebiet auch im Hinblick auf vorzeitig bereitgestellten Sperrmüll und Wertstoffe unter die Lupe nehmen. Wer seinen Sperrmüll schon zu früh draußen stehen hat, findet in Zukunft Post im Briefkasten mit dem Hinweis, dass die Abfälle erst am Abfuhrtag bis 7 Uhr vor das Grundstück gestellt werden sollen.

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