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Prost mit dem Siegerbier: Franz Inselkammer junior (2.v.r.), Chef der Ayinger Brauerei, und Brauereidirektor Helmut Erdmann (r.) feiern mit Braumeister Hans-Jürgen Iwan (2.v.l.) das erfolgreiche Abschneiden beim European Beer Star.

Auszeichnung beim Bier-Wettbewerb

Europas bestes Brauhaus steht in Aying

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Aying - Vier Medaillen hat die Ayinger Brauerei beim European Beer Star abgeräumt - und ist damit erfolgreichste Privatbrauerei Europas. Aber auch andere Biere haben den Verkostern gut geschmeckt.

Ein fruchtiges Aroma aus Banane und Orange, die Farbe typisch hefetrüb, eine schöne Schaumkrone obendrauf. So muss es sein, das ideale bernsteinfarbene Hefeweizen. Und genau so ist sie auch, die Urweiße der Ayinger Privatbrauerei von Franz Inselkammer junior. „Ein ausbalanciertes Bier, von dem man gerne auch mal die eine oder andere Halbe mehr trinkt“, sagt der Brauereichef.

Nicht nur er ist dieser Meinung. Auch die 105 Bierexperten in der Jury des European Beer Star – einem internationalen Bierwettbewerb, den der Verband der Privaten Brauereien vor zehn Jahren ins Leben gerufen hat – sind zu diesem Urteil gekommen. Deshalb haben sie die Ayinger Urweiße in der Kategorie „Hefeweizen bernsteinfarben“ mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Zudem durften sich die Ayinger Brauer über jeweils einmal Silber bei den hellen Hefeweizen und den Kellerbieren sowie über Bronze in der Kategorie European-Style Dunkel freuen. Damit sind sie Europas erfolgreichstes Brauhaus. Gestern nahmen Inselkammer und Braumeister Hans-Jürgen Iwan die Medaillen bei der Siegerehrung auf der Nürnberger Getränkemesse BrauBeviale in Empfang.

„Ich bin stolz, dass unser Bier geschmacklich so gut ankommt“, sagt Inselkammer (31). Noch dazu bei einem Wettbewerb, wo es nur einen Sieger pro Kategorie gebe. Das Geheimnis des Erfolgs? „Es gibt keinen Trick“, sagt der Brauereichef und lacht. Die Medaillen seien einfach die Folge der handwerklich hochwertigen Braukunst seiner langjährigen Mitarbeiter. „Und wir kaufen unsere Rohstoffe bei den Bauern in der Region ein.“ Wie es sich für eine bayerische Mittelstandsbrauerei gehört, findet Inselkammer.

Trotzdem: Die Konkurrenz für die Ayinger Biermacher war groß. 1613 Flaschen Gerstensaft aus 42 Ländern haben Braumeister, Bier-Sommeliers und Fachjournalisten an der Doemens Genussakademie in Gräfelfing verkostet. Bis zu 100 Biere pro Tester und Tag. Ein sportliches Pensum. Wer jetzt aber an Oktoberfest-Stimmung und feucht-fröhliche Trinkgelage denkt, liegt falsch. Wolfgang Stempfl (59), Bier-Sommelier und Leiter der Akademie, klärt auf: „Wir trinken immer nur ein paar Schluck.“ Einen Rausch brächte da kein Jury-Mitglied zusammen.

Das wäre auch nicht zielführend, denn bei der Verkostung geht es im wahrsten Sinne des Wortes bierernst zu. In jeder der 52 Kategorien treten zehn bis zwölf Biere gegeneinander an. Die Geschmacksbreite reicht vom European-Style Dunkel über das English-Style Golden Ale bis hin zum Belgian-Style Tripel. Die Biere, die bei Aroma, Farbe, Körper, Vollmundigkeit und Spritzigkeit möglichst nah am Idealtyp ihrer Kategorie liegen, bekommen die meisten Punkte. Damit die Ergebnisse nicht durch das Markenwissen verfälscht werden, klebt statt dem Etikett ein Zahlencode auf den Flaschen.

Gut geschmeckt haben den Bierexperten nicht nur der Ayinger Gerstensaft, sondern die deutschen Biere insgesamt. 59 Medaillen gingen nach Deutschland, die USA folgen abgeschlagen mit 39. Nicht überraschend auch die Tatsache, dass hierzulande die bayerischen Brauereien die Nase vorn haben. 42 Medaillen heimsten diese ein, darunter acht mal Gold. So holte sich die Flötzinger Brauerei aus Rosenheim den Sieg beim Festbier, Müllerbräu aus Neuötting (Kreis Altötting) Gold beim Doppelbock Hell. Je eine Silbermedaille ging an die Klosterbrauerei Reutberg (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) beim Hellen Bock und Müllerbräu aus Pfaffenhofen an der Ilm beim Pilsner.

Die Auszeichnung sei von großer Bedeutung für die Brauereien, betont Werner Gloßner, Hauptgeschäftsführer der Privaten Brauereien: „Sie ist wie ein Ritterschlag und hat beim Verbraucher einen hohen Stellenwert.“ Generell erleben die kleinen Brauhäuser derzeit einen Aufschwung. Nicht zuletzt wegen der „Craft“-(engl. Handwerk)Biere, wie die kunstfertig gebrauten und geschmacklich neuartigen Biere genannt werden. Stempfl selbst durfte die Ayinger Urweiße übrigens nicht verkosten. Er war für andere Kategorien eingeteilt. „Dafür trinke ich aber privat gerne mal eine Halbe“, sagt er. Da schmeckt sie ihm mindestens genauso gut.

Sebastian Grauvogl

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