„Das Hausrecht bleibt beim Hotelier“, sagt Brauerei-Gasthof-Chefin und DEHOGA-Präsidentin Angela Inselkammer.
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„Das Hausrecht bleibt beim Hotelier“, sagt Brauerei-Gasthof-Chefin und DEHOGA-Präsidentin Angela Inselkammer.

„Hausrecht bleibt beim Hotelier“

2G-Regel für Hotels? Hoteliers und Gastronomen wütend: „Dagegen verwehre ich mich“

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Die Corona-Regel könnte Ungeimpften den Eintritt in Hotels verweigern. Die Chefs des Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA sind sauer.

Landkreis München – Negativer Corona-Test oder Impf- und Genesenen-Nachweis, Abstandsregeln, Maskenpflicht: Ein Hotelbesuch ist im zweiten Coronavirus-Sommer mit vielen Einschränkungen verbunden. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA und Hoteliers aus dem Landkreis München fordern Lockerungen. Die Regierung könnte den Zugang zu Hotels jedoch erschweren – mit 2G.

2G, das ist die Eintrittsgarantie etwa zu Hotels nur für Geimpfte und Genese. Aktuell gilt für Hotelgäste 3G: Geimpfte und Genese, aber auch Getestete dürfen Hotels betreten. Nach den Corona-Beschlüssen von Bund und Ländern vergangene Woche soll das zunächst so bleiben. Bayerns Ministerpräsident reichen die Beschlüsse aber nicht aus. Er fordert 2G.

Wirtin aus Aying: „Ich bin kein Freund der 2G-Regelung“

„Ich bin kein Freund der 2G-Regelung“, sagt Angela Inselkammer. Sie ist die bekannte Wirtin, Hotelière und Brauereibesitzerin aus Aying, und Präsidentin des DEHOGA in Bayern. „Ich kenne viele Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können“, sagt sie. Mit einem Test müssten auch Ungeimpfte weiterhin Eintritt in Hotels bekommen. Außerdem: „Das Hausrecht bleibt beim Hotelier“, sagt Inselkammer. Er dürfe entscheiden, wer Zutritt hat und wer nicht.

Das denkt auch Inselkammers Kollege Thomas Geppert. Er ist Landesgeschäftsführer des DEHOGA. „Ich halte 2G für Hotels für rechtlich schlecht umsetzbar“, fügt er hinzu. Geppert fordert viel mehr Erleichterungen: „Wenn 3G, dann ohne Personenbegrenzung, Abstandsgebot und Maskenpflicht am Platz.“ Bei den Tagungen in Hotels müssten Gäste den Mund-Nasenschutz auch am Platz tragen.

Am Freitagabend spielte die Chieminger Band LaBrassBanda in Aying. Mit dabei waren Gäste der besonderen Art: ein Impfteam der Johanniter. Dabei gab es Freibier für jede Impfung.

„Wenn 2G kommt, dann kommt es“

Theresia Mair vom Hachinger Hof in Oberhaching macht sich keine Illusionen: „Wenn 2G kommt, dann kommt es.“ Der Zutritt zu Hotels nur für Geimpfte und Genese wäre eine Impfpflicht durch die Hintertür, sagt die Geschäftsführerin. Wenn die Regelung käme, würde ihr 74-Zimmer-Haus nicht viele Kunden verlieren, glaubt Mair. „Die allermeisten, die bei uns einchecken, sind geimpft“, sagt sie.

Stefan Erber vom gleichnamigen Hotel in Ismaning sieht gar keinen Grund für eine Verschärfung der Regeln. Mit seinem Abstands- und Hygienekonzept seien Gäste gut geschützt, sagt der Hotelier und Gastronom. Er mache sich selbst nichts vor: „Es geht kein Weg daran vorbei, dass man sich impft“, sagt Erber.

Ein Bürger im Landkreis München, der sich vehement gegen 2G wehrt, ist der Ismaninger Fried Saacke – obwohl er selbst gegen Covid-19 geimpft ist. „Impfen oder die Krankheit durchmachen, das ist meine freie Entscheidung“, sagt er. Das gehe den Staat nichts an. Saacke geht sogar weiter: „Hotels, die freiwillig nur 2G anbieten, würde ich nicht buchen.“

Mit „dem ganzen Firlefanz“ des Staats könnte er sich in Hotels nicht entspannen. Zumindest auf eine Verschärfung der Regeln in Hotels müssen sich Gäste nach den Bund-Länder-Beschlüssen einstellen: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz über 35, müssen von Montag an Hotelgäste zweimal wöchentlich einen negativen Corona-Test nachweisen.

Dieses Hotel in Kirchheim wurde Opfer eines Raubüberfalls. Mitarbeiter des Hotels konnten den Täter aber in die Flucht schlagen.

Homeoffice-Pflicht für ungeimpfte Arbeitnehmer?

Wenn später 2G für Hotels käme, sagt DEHOGA-Chef Thomas Geppert, müsste es folglich auch eine Homeoffice-Pflicht für ungeimpfte Arbeitnehmer geben, oder Homeschooling für ungeimpfte Lehrkräfte. „Die Gastronomie und Hotellerie hat lange genug ein Sonderopfer gebracht“, sagt Präsidentin Angela Inselkammer. Dass der Druck auf die Bevölkerung wieder auf dem Rücken der Gastronomie ausgeübt werde, „dagegen verwehre ich mich“, sagt die Unternehmerin. Auch mit 3G seien Hotels „vollkommen sichere Bereiche“. „Was soll denn da passieren?“, sagt sie.

Politiker bräuchten nun intelligentere Lösungen als Einschränkungen, sagt Inselkammer. Abzuwarten bleibe nun die Verordnung der Bayerischen Staatsregierung, sagte Thomas Geppert am Freitag. Die Infos der Staatsregierung liegt den Hoteliers und Gastronomen kurz vor Umsetzung der Verordnung am Montag nicht vor. Wieder einmal.

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