Kämmerer Thomas Winklmann
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Ayings Kämmerer Thomas Winklmann

Kämmerer will Rücklagen auf dem Sparbuch lassen

Einbruch bei Steuereinnahmen - kein schönes Haushalten in Aying

  • Wolfgang Rotzsche
    vonWolfgang Rotzsche
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Der Gemeinderat Aying hat den Haushalt verabschiedet - doch es ist kein schöner. Erwartungsgemäß brechen Einnahmen aus der Gewerbesteuer und der Einkommenssteuerbeteiligung ein.

Aying – „Es ist kein schöner Haushalt“, stellt Ayings Kämmerer Thomas Winklmann fest. Und auch wenn der Gemeinderat einhellig dem Zahlenwerk seinen Segen erteilte, so hat der Finanzfachmann doch die Hoffnungen, „dass sich in diesem Jahr noch das Blatt wieder wendet.“ Damit meint Winklmann insbesondere die Einnahmen aus der Gewerbesteuer und der Einkommenssteuerbeteiligung. Denn diese brechen heuer erwartungsgemäß ein.

Allein bei der Gewerbesteuer rechnet Winklmann im Vergleich zum Vorjahr mit 460 000 Euro weniger. „Und da habe ich zwar konservativ gerechnet, aber mit einem Funken Optimismus“, gesteht der Kämmerer. Er nimmt dabei auch die Unternehmen im Gemeindegebiet ins Gebet. Sollten sich deren Zahlen wider Erwarten doch verbessern, hofft er, dass sie auch die Messbeträge hochsetzen lassen. Es dürfe, bitte, die Gemeinde nicht vergessen werden.

Wir haben ja sowieso noch nie auf großem Fuß gelebt.

Kämmerer Thomas Winklmann

In Gesprächen im Rathaus und mit dem Rechnungsprüfungsausschuss hat Thomas Winklmann bereits das Ayinger Zahlenwerk auf den Prüfstand gestellt. Luft zum Streichen sehe er eigentlich keine mehr. Verschiebbare Investitionen müssen vertagt werden. „Wir haben ja sowieso noch nie auf großem Fuß gelebt. Unsere freiwilligen Leistungen waren und sind eher gering.“ Bei den Ausgaben werde das gemacht, was notwendig sei, beispielsweise der notwendige Unterhaltsaufwand bei den Liegenschaften. Und dann steigen jährlich die Mehrausgaben im Bereich der Kindertagesstätten und der Schulen. Auch der geplante Realschulneubau in Hohenbrunn und die Erweiterung des Gymnasiums in Höhenkirchen-Siegertsbrunn schlagen zu Buche. Allein die Kreisumlage belastet den Verwaltungshaushalt mit 30 Prozent des Gesamtvolumens.

Was dem Kämmerer überhaupt nicht gefällt ist die Tatsache, dass Aying heuer keine Zuführung vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt schafft. 2020 waren das noch 115 000 Euro. Heute steht vor dem Betrag 929 000 Euro sogar ein Minus. Das heißt: Der Verwaltungshaushalt ist in diesem Jahr nur durch eine Zuführung vom Vermögenshaushalt zu decken. „Diese Situation muss auf Dauer unbedingt vermieden werden“, so die klare Aussage Winklmanns.

Der Haushalt in Zahlen

Verwaltungshaushalt 2021: 11 143 550 Euro

Vermögenshaushalt 2021: 4 047 000 Euro

Gesamtvolumen: 15 190 550 Euro

Gewerbesteuereinnahme: 2 290 000 Euro

Einkommenssteuerbeteiligung: 4 258 000 Euro

Kreisumlage: 3 367 000 Euro

Steuerkraft: 1294,15 Euro pro Einwohner (Rang 28 von 29)

Prokopfverschuldung: 762 Euro pro Einwohner zum Jahresende

Die Rücklagen der Kommune sollen heuer gar nicht angegriffen werden. „Das Geld möchte ich vorerst auf dem Sparbuch lassen, für besondere Fälle“, argumentiert Winklmann. Am Ziel soll weiterhin festgehalten werden, den Schuldenstand zu reduzieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Und so wagt Thomas Winklmann auch einen Blick auf die kommenden Jahre und setzt auf das Licht am Tunnelende. Dass er auf Sicht fahren muss, ist dem Finanzexperten klar. Dabei sieht er aber auch die Kommune und den Gemeinderat in der Pflicht. „Ich bin heuer der Überbringer der schlechten Nachrichten, aber ich möchte auch appellieren, dass wir nicht nur die Ausgabenseite betrachten dürfen.“ Sprich, auch die Einnahmeseite bedarf einer ständigen Überprüfung, gerade, wenn es darum geht, neues Gewerbe anzusiedeln. Es muss Geld in die Kasse kommen. Aber dafür müssten alle Beteiligten erst wieder aus der Pandemie herauskommen.

Aying trauert um seinen ehemaligen Zweiten Bürgermeister Josef Karg. Im Alter von 90 Jahren ist der engagierte Kommunal-Politiker und begeisterte Sportfreund und Feuerwehrmann gestorben.

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