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Kompaktes Ensemble: Eine alte Ansicht zeigt die Kirche St. Nikolaus mitten im Ort und direkt an der Straße. Dass hier Händler und Kaufleute gerne gehalten haben, ist gut vorstellbar.

Kirche St. Nikolaus belegt große Bedeutung von Peiss

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Aying - Peiß kann stolz sein auf sein Gotteshaus. Das wurde beim Vortrag über die Filialkirche Sankt Nikolaus deutlich. Elisabeth Hinterstocker, Kunsthistorikerin und Leiterin des Tölzer Stadtmuseums, sprang für den erkrankten Pfarrer Martin Kurlitsch ein.

 Sie stellte im Sixthofstadel eigene Theorien und Gedanken zu der Kirche vor, die laut urkundlichen Erwähnungen auf 650 Jahre Bestehen zurückblicken kann. Hinterstocker erklärte, dass für 1366 eine Kapelle nachgewiesen sei. Da auf deren Grundriss dann aber später die heutige Kirche gebaut worden sei, müsse dieser aber auch „schon sehr stattlich“ gewesen sein. Ein so großes Gotteshaus in einem damals sehr kleinen Ort und in unmittelbarer Nähe zu einer großen Taverne: diese Tatsachen veranlassen Hinterstocker zu der Vermutung, dass Peiß einst wohl einen höheren Stellenwert als Aying hatte. 

Peiß lag – und liegt – an der Verbindung zwischen München, Bad Aibling und Rosenheim, war mit der Taverne ein wichtiger Haltepunkt zum Übernachten und für den Pferdewechsel. Fahrendes und handelndes Volk war hier unterwegs, deswegen vielleicht auch das Namensfest der Kirche. Denn der Heilige Nikolaus, so die Kunsthistorikerin und Theologin, sei auch Patron der Händler und Kaufleute: „Das könnte ein Zusammenhang sein.“ 

Die heutige Wandpfeilerkirche zeigt sich im spätbarocken Kleid. Gebaut und ausgestaltet haben sie Schlierseer und Miesbacher Handwerker. Drei Altaraufbauten wurden um 1700 geliefert, wobei einer der Seitenaltäre kurz danach vermutlich ersetzt wurde. Zentraler Mittelpunkt im Hochaltar ist eine 1,37 Meter hohe Sitzfigur des Heiligen Nikolaus, die aufgrund ihrer Gestaltung und ihres Alters (um 1500) Ähnlichkeiten mit Werken von Erasmus Grasser oder seiner Schule vermuten lässt. Hinterstocker: „Damit haben wir eine Parallele zu einer nicht weit entfernten Kirche, die auch an der Verbindungsstrecke liegt: Kleinhelfendorf.“ Auch dort gibt es im Hochaltar eine Sitzfigur; in diesem Fall die des heiligen Emmeram. Bisher werden die Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar als die früheren Seitenheiligen am Hochaltar vermutet. Das findet keine Zustimmung bei Hinterstocker. 

Es sei durchaus Programm gewesen, den Heiligen Erhard und den Heiligen Florian am Seitenaltar zu platzieren. Doch halt: warum Florian? „Jetzt muss ich ihnen einen Heiligen madig machen“, sagt sie. Denn sie geht eher davon aus, dass irgendwann einmal dieser Heilige den Wasserscheffel und das zu löschende, unschöne Haus als Attribute bekommen habe. Aufgrund des Königs- oder Kurhutes, in Zusammenhang mit Rüstung und Fahne, könnte es nach ihrer Ansicht eher der Heilige König Wenzeslaus sein. Dann würde das Miteinander auch stimmen, da sich beide Heilige für die Verbreitung des Christentums eingesetzt haben. Die Figur des Heiligen Sebastians, die derzeit in der Ausstellung zu bewundern ist, habe aufgrund des fürstlichen, eher ungewöhnlichen Hutes Ähnlichkeit mit dem bekannten Sebastians-Kopfreliquiar in Ebersberg. „Vielleicht gab es eine Wallfahrt zwischen Peiß und Ebersberg“, mutmaßte Hinterstocker. 

Sicher ist sie sich, dass in den leeren Nischen am Kanzelkorb und leeren Feldern an der Emporenbrüstung Figuren waren, nämlich die vier Evangelisten an der Kanzel und die zwölf Apostel an der Empore: „Wo sind die?“ Diese Frage stehe im Raum. Erstaunlich sei auch die Pflanze, die am Schalldeckel der Kanzel hochwachse. Hier sei ein Bezug zur Bibel herzustellen. „Alles hier ist nicht zufällig entstanden, sondern stets mit Bezug auf die Bibel, auf den jeweiligen Zeitgeist und mit religiösem Hintergedanken.“

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