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Bernhard Senft von der Satirepartei Die Partei in Ottobrunn ist mit seiner Kandidatur über die Liste der „Parteipiraten“ gescheitert.

So lief die Unterstützer-Sammlung im Landkreis München

Scheitern vor der Wahl: Kleinparteien und der schwierige Sprung auf den Stimmzettel

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Die schwierigste Hürde müssen kleine Parteien wie ÖDP, Piraten oder unabhängige Listen schon vor der Kommunalwahl meistern: Nicht alle schaffen es auf den Stimmzettel.

Landkreis -Am Montag war Stichtag für die kleinen Parteien in Landkreis München. Viele bangten, ob sich die monatelange Vorbereitung, die aufwendigen Wahlveranstaltungen, die haufenweise Flyer und das ganze Herzblut gelohnt haben. Um 12 Uhr endete die Frist zur Eintragung in die Unterstützerlisten im Rathaus. Wer genügend Stimme hat, darf nun zur Kommunalwahl antreten. Der Ernstfall schon vor der großen Wahl sozusagen.

Die Siegreichen

Michael Dirl, Vorsitzender der Jungen Union Kirchheim-Heimstetten, kann schon einmal aufatmen. Seine Partei hat bereits vor Fristende die benötigten 180 Unterschriften geknackt. Auf der Liste stehen nämlich nicht nur Mitglieder der Jungen Union, auch viele Parteifreie haben sich aufstellen lassen. Eins haben aber alle gemeinsam: ihr junges Alter. „Uns ist wichtig, dass junge Menschen die Chance bekommen, die Gemeinde mitzugestalten“, sagt der 23-jährige Dirl. Interessant sei, dass auch viele ältere Kirchheimer für die Liste mit dem Namen „Generation Zukunft“ unterschrieben haben. Dirls Begründung: „Wir haben super viele abwechslungsreiche Charaktere.“

Michael Dirl, Vorsitzender der Jungen Union Kirchheim-Heimstetten.

Doch Sympathie alleine reicht nicht aus. Die „Generation Zukunft“ versuchte außerdem, mit Aktionen, Infoständen oder auch einem Kürbisschnitzen zu überzeugen. Mit Erfolg. Mehr als 260 Bürger unterstützen die jungen Kirchheimer. Michael Dirl ist der Meinung, dass die kleineren Parteien durch solche Aktionen Kontakte knüpfen können. Das sei wichtig, vor allem für die Kommunalwahl. „Damit bekommt man schon einmal einen kleinen Eindruck vom späteren politschen Leben“, sagt Dirl. Außerdem habe man somit bestenfalls schon eine gewisse Basis an Wählerstimmen.

Die Verstoßenen

Ursula Esau ist Ortsvorsitzende der ÖPD Ottobrunn.

Auch Ursula Esau ist in Feierstimmung. Die Ortsvorsitzende der ÖDP Ottobrunn verkündet stolz: „Wir hatten vor ungefähr einer Woche schon 230 Stimmen zusammen.“ Benötigt wurden 190 Unterschriften. Nachdem die Grünen die ÖDP von der gemeinsamen Liste gestrichen hatten (wir berichteten), musste die Kleinpartei schauen, wo sie bleibt. „Damals war ich sehr im Zweifel, das ist ja auch eine große Hürde“, räumt Esau ein. Am Ende zahlten sich die vielen Flugblätter, Briefe und Stunden vor dem Rathaus für die Partei aus. Esau: „Die ÖDP hat in Ottobrunn einfach ein gutes Fundament.“

Die Außenseiter

Bernhard Senft von der Satirepartei Die Partei in Ottobrunn ist mit seiner Kandidatur über die Liste der „Parteipiraten“ gescheitert.

Ganz so leicht fiel es Bernhard Senft und seinen Kollegen von der Sartire-Partei Die Partei nicht. Zusammen mit der Piratenpartei sammelte der Ottobrunner in der Gemeinde Unterstützerunterschriften. Trotz der Bemühungen schafften sie die Marke von 190 Stimmen nicht. „Die genaue Zahl weiß ich gar nicht, so um die 40 Unterschriften sind zusammengekommen“, sagt Senft. Ein Grund für das Scheitern: „In Ottobrunn läuft keiner rum“, scherzt Senft, der als Bürgermeister kandidieren wollte. Da würde Wahlkampf auf der Straße wenig nützen. Ob er es trotz der Niederlage noch einmal versuchen würde? „ Auf jeden Fall!“

Die Stehaufmännchen

Ulrich Jünger von der Wählergruppe PLUS aus Unterföhring.

Neben Senft kam auch für die Unterföhringer Wählergruppe PLUS am Montag die bittere Enttäuschung. Sie erreichten nur 107 von 180 benötigten Unterschriften. Schon vor sechs Jahren sammelte die Partei erfolglos Stimmen für die Teilnahme an der Kommunalwahl. Das erneute Ergebnis: „Enttäuschend“, sagt Vorsitzender Ulrich Jünger.

Die Einzelkämpferin

Carla Spindler möchte Ayings Bürgermeisterin werden.

Carla Spindler hätte fast bis zum Ende zittern müssen. Sie möchte als unabhängige Bürgermeisterkandidatin in die Kommunalwahl starten. Dafür benötigte die Großhelfendorferin 120 Unterstützerunterschriften. „Das war emotional ein hin und her“, sagt sie. Vor allem in einer so kleinen Gemeinde wie Aying auf die geforderte Zahl zu kommen sei schwierig. Durch die Mund-zu-Mund-Propaganda im Dorf hat es Spindler am Ende doch noch auf 149 Unterschriften geschafft.

Die Spontanen

Korbinian Burlefinger ist Sprecher JOHA Oberhaching.

So viele Stimmen sind es bei der Wählergruppe Junges Oberhaching nicht geworden. 124 Bürger unterschrieben für den Polit-Nachwuchs. Gereicht hat das nicht. Trotzdem: „Wir sind vollkommen zufrieden“, sagt Sprecher Korbinian Burlefinger. Die JOHA hatte sich erst eine Woche vor dem Stichtag gegründet. Der Wunsch: „Mehr frischer Wind in der Politik.“

In einem Punkt sich aber alle einig. An der derzeitigen Gesetzeslage muss sich etwas ändern. „Ich finde es Schade, dass man die Unterschrift im Rathaus setzten muss“, sagt Senft. Für ihn ist die Regelung „ein typisches CSU-Wahlrecht“. Auch die anderen Kandidaten sind der Meinung, dass der Gang ins Rathaus die größte Hürde für die Kleinparteien ist.

Kommunalwahl 2020 im Landkreis München

Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis München haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis München.

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