+
Das große Auszählen beginnt.

Bürgerentscheid im Ticker

Nach Stimmzettel-Verwirrung: Bürgermeister hält das Ergebnis für „ganz tragisch“

  • schließen
  • Marcel Görmann
    Marcel Görmann
    schließen

Zum ersten Mal in der Geschichte der Gemeinde kam es am Sonntag zu einem Bürgerentscheid. Rund 4100 Wahlberechtigte waren aufgerufen, über einen Acker am Ortsausgang von Großhelfendorf abzustimmen.

Das Wichtigste im Überblick: 

  • Über 4106 Wahlberechtigte waren aufgerufen beim Bürgerentscheid abzustimmen.
  • Viele nutzen die Möglichkeit über Briefwahl teilzunehmen. Allein auf diesem Weg gingen 1753 Stimmen ein. Zur Urne ging jedoch kaum jemand, so lag die die Wahlbeteiligung nur bei 49,2%.
  • Die Auszählung am Abend verzögerte sich, weil eine Stimme zu viel gezählt wurde. Der Bürgermeister sprach von einer „wundersamen Stimmzettel-Vermehrung“.
  • Nach der Verwirrung kam dann kurz nach 21 Uhr das Ergebnis: Die Bürger lehnen die Bebauung mehrheitlich ab.
  • 1036 Personen entschieden sich gegen die Bebauung, 977 waren dafür. Auch bei der Stichfrage lag Contra 1034 zu 975 vorne.  

Der Ticker zum Bürgerentscheid:

21.40 Uhr: Hiermit schließen wir die Ticker-Berichterstattung aus Aying. Es war ein unerwartet langer, aber auch spannender Wahlabend. Weitere Hintergrundberichte und Stimmen zum Bürgerentscheid lesen Sie am Montag im Münchner Merkur. 

21.36 Uhr: Nun sind auch die genauen Zahlen da. Letztlich machten 59 Stimmen (bzw. 57 bei der Stichwahl-Frage) den Unterschied. Knapp setzt sich das Contra-Lager durch. All jene, die sich ein anderes Ergebnis gewünscht hätten, aber nicht zur Wahl gingen, dürften sich nun ärgern. Nicht mal jeder zweite Wahlberechtigte machte sein Kreuzchen. 

21.33 Uhr: Helfendorfs Feuerwehr-Kommandant Hans-Peter Huber, um dessen Fläche es bei dem Bürgerentscheid ging, ist enttäuscht: "Das ist ganz tragisch. Sehr, sehr schade, dass sich die Mehrheit gegen das Projekt entschieden hat. Man steckt ja auch Zeit und Nerven hinein." 

Bürgermeister Johann Eichler, der sich klar für eine Bebauung ausgesprochen hatte, klingt auch ernüchtert: "Wir haben das zu respektieren." Er findet die geringe Wahlbeteiligung von knapp 50 Prozent "richtig schlimm." Er hätte sich rund 65 Prozent erhofft. 

Anders die Stimmungslage bei Bürgerinitiativen-Mitglied Carla Spindler. Sie ist hellauf begeistert und "beeindruckt. Wahnsinn, einfach toll. Klasse, dass die Ayinger so basisdemokratisch entschieden haben. Das war eine David-gegen-Goliath-Entscheidung. Dass David mal gewonnen hat, ist klasse und gibt es selten."

21.07 Uhr: Die Entscheidung ist endlich da! Die Bürger haben sich gegen die Bebauung entschieden. Sie lehnen die Projekte auf dem Acker ab. 

20.24 Uhr: Da liegen die fast gleich hohen Stimmzettel-Haufen. Die Auszählung geht weiter und weil es so eng ist, muss ganz besonders sorgfältig gezählt werden. „Es geht um wenige Stimmen“, sagt die Wahlleiterin Christine Squarra.

Pro und Contra 

20.15 Uhr: Die Anzahl der Wähler und die Anzahl der Stimmzettel passen immer noch nicht zusammen. Trotz neuer Auszählung gibt es eine Stimme zu viel für „Pro Bebauung“. Und nun? Jetzt wird die Stichfrage ausgezählt. Mal sehen, was für ein Ergebnis dabei herauskommt.

20.12 Uhr: Bürgermeister Johann Eichler nimmt die Verzögerung der Auszählung mit Humor: Es sei "eine wundersame Stimmzettel-Vermehrung".

20.01 Uhr: Die Spannung steigt, die Bürger werden sich aber noch gedulden müssen! Bei der Auszählung der Briefwähler gibt es nämlich plötzlich eine Stimme zu viel beim Bürgerentscheid 2 „Pro Bebauung“. Es wird also nachgezählt... 

19.43 Uhr: Bürgerinitiative-Vertreterin Carla Spindler verfolgt die Auszählung gespannt. "Das ist schon emotional. Ich bin aufgeregt." Für sie ist klar: "Wir werden das Ergebnis am Ende des Abends akzeptieren. Ich bin dann auch froh, wenn die intensive Zeit vorbei ist." Dennoch sagt sie: "Ich bin froh, dass wir das gemacht und gekämpft haben." 

Die Auszählung der Briefwähler-Stimmen dauert weiter an. Ein Zwischenergebnis wird es nicht geben. Alle warten also auf das Endergebnis! 

19.03 Uhr: Bei der Urnenwahl machten lediglich 267 Bürger mit. Die große Mehrheit gab schon vorab die Stimmen über Briefwahl ab. Deswegen verzögert sich die Auszählung auch. Das Ergebnis der Urnenwahl ist keineswegs als Vorentscheidung zu wertem, sowieso fällt es sehr gespalten aus: 141 stimmten gegen, 124 für die Bebauung. Ungültig waren drei Stimmen. Es bleibt also spannend! 

18.29 Uhr: Carla Spindler, Vertreterin der Bürgerinitiative, sagt: "Ich weiß wirklich nicht, wie es ausgeht. Das ist ganz schwer abzuschätzen." Aber sie ist sich sicher: "Die Zusendung der Briefwahlunterlagen durch die Gemeinde hat uns sehr geholfen. Sonst würden wir das Quorum wohl nicht erreichen." Sie freut sich, dass es möglich war, vorab "so gut mit den Ayingern ins Gespräch zu kommen".

18.15 Uhr: Gelebte Demokratie: Unter den Wahlhelfern sind auch drei Mitglieder der Bürgerinitiative contra Bebauung.

18.06 Uhr: Jetzt geht das große Auszählen los! Die Brieföffner liegen bereit, die Wahlhelfer befinden sich im Bürgerhaus. Nun beginnt die Auszählung. Allerdings verzögert erst um 18.05 Uhr, weil noch vier Umschläge von der Briefwahl aus Helfendorf ins Bürgerhaus gebracht werden mussten. Genau 1753 Briefwahlunterlagen sind gültig.

17.59 Uhr: Ein Wähler aus Aying, der die letzten Minuten vor der Schließung der Wahllokale noch nutzte, meint: "Fünfzig Prozent Wahlbeteiligung finde ich sehr gut. Aber die Fragestellungen fand ich maximal kompliziert. "

17.40 Uhr: Es gab rund 1800 Briefwähler. "Die Briefwahlbeteiligung war toll", sagt der Geschäftsleitende Beamter Klaus Friedrich. Er schätzt, dass die Wahlbeteiligung insgesamt bei rund 50 Prozent liegen wird. Und das ist "relativ gut für ein sehr örtliches Thema, das unmittelbar nur die Großhelfendorfer betrifft".

Sehr mau läuft es dagegen in den beiden Wahllokalen im Bürgerhaus Aying und in der Turnhalle Großhelfendorf: Rund 80 bis 90 Wähler kamen bis kurz vor der Schließung der Wahllokale ins Bürgerhaus Aying, etwas mehr waren es in Großhelfendorf, dem Schauplatz des Bürgerentscheids. Dort gaben bis zum Nachmittag rund 130 Bürger ihre Stimme ab.

Es ist der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Gemeinde - eine besondere Herausforderung. "Bundes- und Landtagswahlen werden nicht in Aying entschieden", erklärt Friedrich augenzwinkernd. "Kommunalwahlen und so ein Bürgerentscheid dagegen schon. Das ist deutlich emotionaler und man will, dass alles glatt und ordentlich über die Bühne geht".

Die große Herausforderung nach der Abstimmung sieht Friedrich darin, "die Nachbarn, die jetzt gegeneinander kämpfen, wieder an einen Tisch zu bringen". Schon deshalb wünscht er sich "ein klares Votum".

Vorbericht

Aying - Es geht um eine mögliche Bebauung der etwa 1,5 Hektar großen Fläche westlich der Gruber Straße. Hier sollen auf Bestreben des Unternehmers Hans-Peter Huber eine Lagerhalle für Möbel sowie Wohnungen entstehen. Die beiden Grasbrunner Tobias Brunner und Chriatiane Heyer wollen ihr Pilotprojekt „SolarHay“ verwirklichen, eine Solarhaussiedlung.  

Die große Mehrheit der Gemeinderäte zeigte sich gegenüber diesem Vorhaben für ein Mischgebiet aufgeschlossen. Doch es bildete sich auch eine kritische Bürgerinitiative. Sie fürchtet unter anderem, das Ortsbild könne Schaden nehmen und warnt vor mehr Verkehrsbelastung. Rasch kamen 649 Unterschriften zusammen, so das ein Bürgerentscheid erzwungen wurde. 

Zur Abstimmung standen am Sonntag zum einen der Bürgerentscheid 1 „Contra Bebauung“ sowie der Bürgerentscheid 2 mit dem Titel „Pro Bebbauung“. Mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten müssen an der Wahl teilnehmen und mehrheitlich mit Ja stimmen. Wird dieses Quorum nicht erfüllt, ist der Bürgerentscheid unzulässig. Sollte es eine klare Entscheidung für oder gegen das Mischgebiet geben, kommt das einem Gemeinderatsbeschluss gleich, der für ein Jahr bindend ist.  Sollte das Mischgebiet durchfallen, bedeutet das jedoch wohl das endgültige Ende aller Bauvorhaben.

Mehr zu den Pro- und Contra-Argumenten lesen Sie in diesem Artikel auf merkur.de. Alles zur Vorgeschichte des Streits lesen Sie auch in diesem Bericht aus dem Februar.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Wenn ich konsumiere, dann...“ - E-Scooter-Fahrer redet sich vor Polizist um Kopf und Kragen
Mit der völlig falschen Aussage zum völlig falschen Zeitpunkt hat sich ein E-Scooter-Fahrer bei einer Polizeikontrolle in Feldkirchen richtig Ärger eingehandelt.
„Wenn ich konsumiere, dann...“ - E-Scooter-Fahrer redet sich vor Polizist um Kopf und Kragen
Helmut Schleich: Nach einem Satz bleibt es totenstill
Bevor Helmut Schleich auf Tour ging, ist er gefragt worden. Bist du sicher, mit „Kauf du Sau“ als Titel? Eine elegante Alternative hätte doch sein können: „Wären Sie …
Helmut Schleich: Nach einem Satz bleibt es totenstill
Pizza-Bote (19) überschlägt sich auf Lieferfahrt
Ein Kunde, der in Unterschleißheim auf seine bestellte Pizza wartete, wurde bitter enttäuscht. Doch noch viel schlimmer erwischte es den Pizzaboten.
Pizza-Bote (19) überschlägt sich auf Lieferfahrt
Soldaten löschen  auf A 95 brennenden Audi ab
Ein Schreck wird den 43-jährigen Audi-Fahrer durch die Glieder gefahren sein, als er auf seiner Fahrt auf der A 95 Flammen aus dem Motorraum schlagen sah. Dass ihm die …
Soldaten löschen  auf A 95 brennenden Audi ab

Kommentare