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Hans Springer (l.) und Matthias Adam betreiben in Aying das erste Krautgartenprojekt - und erwarten heuer eine üppige Ernte.

Ayinger Krautgarten

Gärtnern mit Anspruch

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Lehrgeld haben die jungen Krautgarten-Organisatoren Matthias Adam (28) und Hans Springer (35) aus Aying schon gezahlt: Anfang April wollten sie die ersten Parzellen bepflanzen, doch dann haben die Eisheiligen nochmal zugeschlagen.

Aying – Ende April fiel heuer noch einmal Schnee. Ans Pflanzen im ersten Ayinger Krautgarten war also nicht zu denken. „Dafür hatten die Gärtner kurz darauf ein echtes Erfolgserlebnis“, sagt Adam. „Denn alles, was ab Mitte Mai gepflanzt wurde, ist hervorragend gewachsen.“ Aktuell warten dicke Zucchini darauf, geerntet zu werden. Daneben wachsen Reihen herrlichen Kopfsalats. Rundherum blüht die violette Phacelia und lockt Bienen und Hummeln in Hülle und Fülle an. Ein kleines, friedliches Paradies, am Ortsrand von Aying.

Selbst ernten: Erste Gelbe Rüben und grüne Bohnen sind schon reif. Doch die beiden Experten wollen dem Gemüse noch etwas Zeit geben. 

Im Frühjahr haben die Spezeln Matthias Adam und Hans Springer erstmals die je 30 Quadratmeter großen Zellen im Ayinger Krautgarten zur Pacht angeboten (wir berichteten). Zehn Hobbygärtner haben seither zugeschlagen. „Einzelpersonen oder Familien mit Kindern“, erzählen sie. Fast alle „Krautgärtner“ sind Anfänger, doch auch das passt gut ins Konzept.

Denn Adam und Springer verpachten nicht einfach nur Flächen, sondern stehen den Gartlern auch mit Rat und Tat zur Seite. Ein Thema ist das Düngen. Soll gedüngt werden? Darf gedüngt werden? Und wie schädlich sind Spritzmittel beim Pflanzenanbau?

„Die Debatte darüber wird unverhältnismäßig emotional geführt“, findet Adam, der am Hof seiner Schwiegereltern in Niederbayern mitarbeitet. Deshalb sei es so wichtig, einmal selbst Hand anzulegen und im Praxistest zu lernen. Im Ayinger Krautgarten beispielsweise hatte sich zeitweilig der Kartoffelkäfer eingenistet. Ihn haben Adam und Springer bekämpft. Ansonsten wäre ein Großteil der Ernte dahin gewesen. „Wenn man das mal bei seinen eigenen Pflanzen erlebt hat, versteht man besser, warum ein Landwirt bestimmte Dinge tut“, ist Adam überzeugt.

Viele verstehen den Begriff „naturbelassen“ falsch, ergänzt Springer, der aus einer alteingesessenen Landwirtschaftsfamilie in Aying stammt. Er findet: „Wenn man wirklich gar nicht eingreifen würde, dann müsste man streng genommen auch das Gießen verbieten.“ 700 Liter Niederschlag falle in der Periode, in der die Parzellen bepflanzt werden, rechnet Springer vor. Da könne man doch auch leicht sagen: Das reicht aus.

Alles beschriftet: Die Hobbygärtner in Aying legen Wert auf Ordnung.

Doch auch hier entscheidet der Einzelfall. In der extremen Trockenperiode Ende Juni mit vielen Tagen über 30 Grad haben die Krautgarten-Organisatoren ein Wasserfass in den Garten gestellt, damit die Pächter gießen konnten. Mittlerweile fällt wieder mehr Niederschlag, das Fass ist deshalb wieder weg.

Einmal im Monat verschickt Adam einen Newsletter mit Tipps und Tricks beim Gartenbau, und freilich helfen sich die „Krautgartler“ aus Aying auch selbst. „Vorne hat vor kurzem jemand ein Schild aufgehängt: Wir sind zwei Wochen im Urlaub. Kann bitte jemand unseren Garten mit gießen?“, erzählt Adam. Dass die Teilnehmer so fleißig sind und alles wächst und gedeiht, macht ihn froh. „Jeder, der etwas angebaut hat, kann heuer auch was ernten.“

Das Ziel der Freunde für die nächste Pflanzperiode: Noch mehr Hobbygärtner für den Krautgarten begeistern. Denn auch im beschaulichen Aying hat längst nicht jeder einen eigenen Gemüsegarten. „Die Grundstückspreise sind auch bei uns so in die Höhe geschossen“, sagt Springer. „Bis man da 30 Quadratmeter Gemüsegarten auf eigenem Grund abgezahlt hat, könnte man wahrscheinlich 100 Jahre bei uns eine Parzelle pachten.“

Mitmacher gesucht

Noch bis Ende Oktober dauert die Saison. Hobbygärtner, die sich spontan für eine Parzelle (Jahrespacht: 70 Euro) entscheiden, können also noch einsteigen – und im Herbst Salat oder Kürbisse ernten. Interessierte schreiben eine E-Mail an kletifuby@web.de oder melden sich bei Matthias Adam unter mobil 0162/2 04 66 94.

Sophia Heyland

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