Informationsveranstaltung des Landkreises

Wie man Flüchtlinge in Arbeit bringt

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Oberhaching - Viele Unternehmen, die Flüchtling einstellen, machten gute Erfahrungen. Andere dagegen würden gerne Flüchtlinge beschäftigen, wissen aber nicht, wie das geht.

Als die ersten Unternehmer den Oberhachinger Bürgersaal verlassen, findet Claudia Köhler eine ruhige Minute, um die Visitenkarten durchzuzählen, die sie bekommen hat. Es sind insgesamt sieben. Köhler vermittelt ehrenamtlich Jobs an Flüchtlinge. In einem Jahr hat sie 56 Menschen in Arbeit gebracht. Nach dem Informationsabend im Oberhachinger Bürgersaal, könnten weitere hinzukommen. Die Firma Hachinger Bau aus Unterhaching zum Beispiel braucht Bauarbeiter. Ein anderer Firmenvertreter sucht einen Softwareentwickler. Auch Automechaniker sind gefragt. Der Nachmittag hat sich gelohnt, nicht nur für Köhler, sondern vor allem für Unternehmer, die Arbeitskräfte suchen und für Flüchtlinge, die arbeiten wollen. 

Rund 130 Firmenvertreter, Kommunalpolitiker, ehrenamtliche Jobvermittler und Mitarbeiter der Ausländerbehörde, des Jobcenters oder der Industrie- und Handelskammer sind nach Oberhaching gekommen. Es geht darum, sich auszutauschen zum Thema Flüchtlinge und Arbeit. Während die einen viele Fragen haben, haben die anderen die Antworten. 

Max Klasen: „Viele wollen Flüchtlinge einstellen, wissen aber nicht wie“

„Viele wollen, wissen aber nicht wie“: Max Klasen vom Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“

Max Klasen ist aus Berlin angereist. Er arbeitet beim Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. Bundesweit 700 Firmen machen mit bei dem Projekt, welches das Wirtschaftsministerium fördert. Klasen und seine Kollegen sorgen dafür, dass Unternehmen, die bereits Flüchtlinge angestellt haben, mit anderen Unternehmen zusammen kommen. „Viele wollen Flüchtlinge einstellen, wissen aber nicht wie“, sagt er. 

Unternehmen aus der Gastro-, Bau- oder Logistik-Branche tun sich zunehmend schwer Azubis zu finden. Mit rund 41 000 unbesetzten Lehrstellen wurde laut Bundesagentur für Arbeit vergangenes Jahr der höchste Stand seit 1996 verzeichnet. Hubert Schöffmann, Bildungspolitischer Sprecher der bayerischen Industrie- und Handelskammer, sagt: „Viele deutsche Jugendliche sind sehr wählerisch geworden.“ Wenn er sehe, wie „happy junge Flüchtlinge sind, wenn sie eine Ausbildung bekommen, könnten sich deutsche Jugendliche davon etwas abschneiden.“ 

Jeanette Dernier von Pflanzen Kölle: "Das ist erfrischend für die ganze Belegschaft"

Wie man Flüchtlinge einstellt, weiß Jeanette Dernier ganz genau. Die Personalleiterin der Gärtnerei Pflanzen Kölle hat zehn Asylbewerbern einen Arbeitsvertrag gegeben. Sie empfiehlt, allen anderen Unternehmen, Flüchtlinge zu beschäftigen. „Das ist erfrischend für die ganze Belegschaft“, sagt sie. Uwe Rau, der Unterhachinger Filialleiter erklärt, die Flüchtlinge lernen extrem, weil sie arbeiten wollen. Das merke man auch daran, dass alle immer viel zu früh in der Arbeit erscheinen. Auch Theresa Adlmaier vom Brauereigasthof Aying, wo zwei Flüchtlinge arbeiten, hat „nur gute Erfahrungen“ gemacht, wie sie sagt. 

Freilich gibt es auch Probleme. Wer einen Flüchtling anstellen möchte, muss sich zuerst durch einen Behördendschungel kämpfen. Dem Münchner Merkur sind zudem mehrere Fälle bekannt wie der eines kleinen Import-Export-Unternehmens aus Aschheim. Ein senegalischer Flüchtling hat dort im September 2015 seine Ausbildung zum Fachlageristen begonnen. Sein Sprachniveau liegt bei B1. Doch da der Senegal zum sicheren Herkunftsland erklärt wurde, soll der Azubi nun abgeschoben werden. Seine Arbeitserlaubnis erlischt im September 2016. „Das ist natürlich das Schlimmste, was passieren kann“, sagt Schöffmann. Sowohl das Unternehmen als auch der Flüchtling bräuchten „Planungs- und Rechtssicherheit“. Er verweist auf das geplante Bundes-Integrationsgesetz, das Flüchtlinge in Ausbildung besser vor Abschiebung schützen könnte.

rat

Rubriklistenbild: © dpa

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