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Ein Wiedersehen: Pfarrer Johann Hilz (l.) bei seinem Priesterjubiläum 1963 mit seinem Nachfolger in Aying, Pfarrer Peter Gold.

50. Todestag

Pfarrer Hilz führte Aying durch düstere NS-Zeit

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NS-Regime, Weltkrieg und Angst um Soldaten: Pfarrer Johann Hilz spendete den Ayingern Trost in düsteren Zeiten. Heute vor 50 Jahren ist er gestorben. Aber eines bleibt unvergessen.

Aying – 50 Jahre ist es heute her, dass Johann Hilz starb. Er war zwischen 1936 und 1958 Pfarrer von Aying. Und trug Sorge für die Pfarrei Sankt Andreas – mit der Filiale Sankt Nikolaus in Peiß – während einer schweren Zeit: unter dem Nazi-Regime und während des Zweiten Weltkriegs.

Ältere Ayinger erinnern sich an den gestrengen Pfarrherrn, der das Pfarrhaus mit seiner Schwester bewohnte und dessen Name am Grabstein des Priestergrabs verewigt ist. Begraben wurde er jedoch in seiner Heimatgemeinde Mauern (Kreis Freising), wo er am 8. Juni 1888 geboren wurde. Ehemalige Ministranten sprechen von einer Persönlichkeit. „Er war eine Respektsperson“, sagt Georg Vodermair. Der 79-Jährige war, wie Benno Loderer (81), Ministrant bei Hilz. Dass es auch mal eine Watschn gegeben hat, stört beide nicht. „Die haben wir dann schon auch gebraucht“, sagt Loderer.

Eine volle Kirche bei Hilz‘ Einführung in Aying im Januar 1937.

Im Rückblick auf die vielen Geistlichen, an die sich der heutige Ayinger Mesner erinnern kann, sagt er: „Er war einer der besten Pfarrer, die wir hatten.“ Aying war Hilz’ erste und einzige Pfarrei, die er leitete. Und das in einer der schwersten Zeiten. „Ich kann mich noch gut an die Messfeiern für die Gefallenen während des Kriegs erinnern. Das hat unseren Pfarrer auch zugesetzt.“ Die Angehörigen mussten getröstet werden. Nach dem Kriegsende hat Hilz nie die Hoffnung verloren, dass alle Vermissten noch nach Hause zurückkehren. Für sie gab es ein eigenes, recht langes Gebet.

Wie alle Geistlichen in dieser Zeit, hatte auch Pfarrer Hilz einen Bericht verfasst, wie Aying das Kriegsende erlebt hat. Darin schreibt er von dem Angriff eines Tieffliegers am 29. April 1945 auf Peiß, bei dem neun Menschen starben. Und er berichtete von der Zerstörung der Munition im Depot Hohenbrunn. Die Detonationen erschütterten das Ayinger Gotteshaus; auf der Nordseite blieb fast keine Scheibe heil.

Festumzug bei der Einführung von Hilz (Mitte) im Januar 1937.

Ortschronist Bernhard Katzmair senior (69) erzählt, dass Pfarrer Hilz 1950 in der Ayinger Pfarrkirche zwei Seitenaltäre entfernen ließ, die der Muttergottes und dem heiligen Leonhard geweiht waren. An ihre Stelle kamen die Statuen der Maria Immaculata und des Heiligen Josef, die noch heute dort stehen. Er selbst hatte bei Pfarrer Hilz seine Kommunion gefeiert.

1959 wechselte Hilz von Aying nach Landshut ins Kollegiatskapitel zu den Heiligen Martinus und Kastulus. Dort wirkte er bis zu seinem Lebensende. „Ungeachtet seines Alters“, wie eine Landshuter Zeitung anlässlich Hilz’ Goldenen Priesterjubiläums 1963 berichtete, „versieht er die seelsorgerischen Aufgaben und den Dienst im Kapitel in der Demut und mit der Würde des von Gott berufenen guten Hirten.“ In Landshut ist Johann Hilz am 17. April 1968 verstorben. Seine Spuren in Aying sind geblieben.

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