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Reizthema S7: Die S-Bahn-Linie fährt über weite Strecken eingleisig, das verhindert einen besseren Takt.

Podiumsdiskussion der Initiative S7OstPlus

S7-Ausbau: Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ soll die S-Bahn retten - Anwohner-Widerstand aus Angst vor Lärm

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Endlich eine bessere S-Bahn-Anbindung für Aying und die anderen Orte an der S 7: Wie das funktionieren könnte - und was das mit dem Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ zu tun hat, diskutierte ein Podium in Aying. Doch nicht alle sind begeistert von einem zweigleisigen S7-Ausbau.

Update vom 23. Mai: 

Emotional debattierten Politiker und Verkehrsplaner bei der Podiumsdiskussion zum S7-Ausbau in Aying. Während der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Büchler guter Dinge war, mit dem nötigen Kleingeld viel erreichen zu können, glaubte die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) nicht, dass in den nächsten Jahren viel passiert. Eine düstere Vision für viele S7-Pendler. 

Doch ein paar Anliegern wäre der Stillstand wohl recht, auch das wurde in Aying klar. Denn mit einem zweigleisigen Ausbau kommt auch eines daher: Lärm. Erst von der Baustelle, dann von den vorbeifahrenden Zügen. Dieses Thema komme bei den Gesprächen viel zu kurz, befand ein Bürger aus Peiß. „Ich muss betonen, was es für die Anwohner bedeutet“, sagte er, „die können nicht mehr schlafen.“ Er sei gegen ein zweites Gleis, die Pläne hätten „sehr suspekte Ansätze“. Ob man sich darüber keine Gedanken gemacht habe, wollte er wissen. 

Lärmschutz als Grundlage für Widerstand gegen einen zweigleisigen Ausbau, das kam bei den über 100 Anwesenden gar nicht gut an. „Wir haben uns eben vorher Gedanken gemacht“, raunte eine Frau in der Menge. Gedanken mit dem Ergebnis, dass vor allem eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur her muss. 

Ayings Bürgermeister Johann Eichler (PWH) stimmte zu. „Wir brauchen Maßnahmen, sonst ersaufen wir im Verkehr.“ Gleichwohl sei es klar, dass „die Anwohner nicht hinten runterfallen dürfen“. 

Landrat Christoph Göbel (CSU) versuchte zu beruhigen. Der Ausbau sei oft eine Chance. „Ein solcher Ausbau muss mit Lärmschutz einhergehen“, sagte er. Das könne am Ende bedeuten, dass es in der Umgebung leiser sei als zuvor. Dafür seien bei reinem Personenverkehr keine riesigen Lärmschutzwände nötig, erklärte der unabhängige Verkehrsplaner Thomas Kantke: „Es braucht keine fünf Meter hohe Berliner Mauer.“ Schallschluckende Glasscheiben an den Bahnsteigen könnten schon genügen. 

Dennoch scheint sich in Aying ein erster Widerstand gegen den S7-Ausbau zu formieren. Diesen müssen die Planer beachten. Eine lange Lärmschutzdebatte kann mit Blick auf ein zweites Gleis nicht in ihrem Sinne sein.


Artikel vom 22. Mai:

Aying/Landkreis – Eine Stunde und 13 Minuten brauchte die Lokalbahn vom Ostbahnhof nach Aying bei ihrer Eröffnung am 4. Juni 1904. „Was hat sich seitdem verändert?“, fragte Ayings Bürgermeister Johann Eichler bei der von der Initiative S7OstPlus organisierten Podiumsdiskussion im Bürgerhaus. Damit sprach er den weit über 100 Anwesenden aus der Seele, denn der südöstliche Landkreis fühlt ich abgehängt. Geht alles nach Plan, dauert die Fahrt heute zwar nur noch 30 Minuten. Doch die S-Bahn kommt oft zu spät oder gar nicht, dazu kommen lange Wartezeiten.


Dabei könnte dieses Problem schon gelöst sein: Seit 1973 gibt es Pläne, die S7 zumindest von Giesing bis Höhenkirchen-Siegertsbrunn zweigleisig auszubauen. Dieses Vorhaben wurde 1984 erneuert, um dann für Jahrzehnte in der Schublade zu verschwinden. Erst auf Druck der Gemeinden und des Landkreises wurde der Ausbau wieder in die Pläne aufgenommen. Passiert ist seitdem: nichts.

Hoffnung auf „Bavaria One“

Ein Hoffnungsschimmer: Bayerns Raumfahrtzentrum „Bavaria One“ und die dafür geplanten Fakultäten der TU München in Taufkirchen/Ottobrunn. „Bavaria One ist eine riesige Chance, hat einen überregionalen Einzugsbereich“, sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) auf der Podiumsdiskussion. Bis der Universitätsbetrieb starte, sei es nur eine Frage der Zeit. „Wenn da tausende Studierende hinwollen, ist das ein Auslöser. Das macht Druck.“ Verkehrsplaner Thomas Kantke begrüßte den politischen Schub, der Grünen Landtagsabgeordnete Markus Büchler sieht Bavaria One als guten Ansatzpunkt, auf den S7-Ausbau zu drängen.

Lesen Sie auch: Kaum Geld für Söders Raumfahrtprogramm - Ministerpräsident erntet Häme

Problemfaktor Auflagen

Weniger Hoffnung hat die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche (SPD): „Ich sehe keinen Weg dahin, dass irgendetwas umgesetzt wird.“ Der Stillstand liege nicht an der Politik – „Sogar der Söder bewegt sich“ –, sondern: „Wir haben einstimmige Beschlüsse des Landkreises und bekommen nichts umgesetzt.“ Denn dem Planungsstart stünden immer mehr und neue Auflagen im Weg.

Das Ergebnis sieht man in Aying am Bahnübergang Forststraße. Der wird erneuert – aber nur eingleisig. Weil im aktuellen Plan kein zweites Gleis vorgesehen ist. „Wie kann es sein, dass jeder weiß, was man braucht, es aber nicht baut?“, fragte Eichler.

Gebaut werden könnte allerdings eine Spange nach Bad Aibling und Rosenheim. In seinem Gutachten „S-Bahn 2030“, das Kantke für die Staatsregierung erarbeitet hat, ist diese Verbindung bereits enthalten. Eine Strecke führt von Kreuzstraße Richtung Rosenheim, eine von Großhelfendorf. Kantke kann sich eine Regionalbahn mit Halt in allen Orten vorstellen und einen Regionalexpress mit Halt in Rosenheim, Bad Aibling, Aying und Ottobrunn. Kostenpunkt: Rund 600 Millionen Euro.

Bahn soll mehr Geld in die Hand nehmen

Doch damit dieses mögliche Angebot auch genutzt wird, müssten die Preise verringert werden, findet Richard Richter, Bürgermeister des Markts Bruckmühl. Die angrenzenden Landkreise müssten also in den MVV aufgenommen werden. Gespräche hierfür laufen bereits. Wobei Geld das entscheidende Thema ist, findet Markus Büchler: Wenn die Bahn genau so viel in die Außenäste investieren würde wie in die Stammstrecke (drei Milliarden Euro), „dann können wir wieder entspannt mit der Bahn pendeln“.

Entspannt pendeln lässt es sich nur, wenn die Bahn auch in einem entsprechenden Takt fährt. Landtagspräsidentin Ilse Aigner hatte Aying, in ihrer damaligen Funktion als Verkehrsministerin, für den Fahrplanwechsel 2019 einen dauerhaften 20-Minuten-Takt versprochen. Daraus wurde mittlerweile 2021. Die Hoffnung ruhen auf Aigners Versprechen.

Damit zeitnah mehr Menschen umsteigen, müssen die aktuellen Probleme angegangen werden. Was nützt ein zweites Gleis, wenn die Bahn nach der ersten Schneeflocke nicht mehr fährt? „Wir müssen gemeinsam stärkeren Druck machen“, sagte Annette Ganssmüller-Maluche. Um diesen Druck auszuüben, sammelte die Initiative S7OstPlus während der Veranstaltungen dafür Unterschriften. 114 Anwesende habej unterschrieben, das Podium mit inbegriffen.

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