Noch stehen die Pferde von Georg Niedermair im Stall. Doch im Frühjahr will er die Tiere wieder auf die Koppel lassen – vorausgesetzt die Gegend ist wolfsfrei.
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Noch stehen die Pferde von Georg Niedermair im Stall. Doch im Frühjahr will er die Tiere wieder auf die Koppel lassen – vorausgesetzt die Gegend ist wolfsfrei.

Wolf soll ins Jagdrecht aufgenommen werden

Wölfe sind hier nicht willkommen! - Ayinger Landwirt fürchtet um seine Tiere

  • Laura Forster
    vonLaura Forster
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Der Ayinger Landwirt Georg Niedermair fürchtet um die Sicherheit seiner Pferde. Der Grund ist der Wolf. Schon längst ist das Tier auf dem Vormarsch.

Aying – Pferde, die aus ihren Nüstern Nebelhauch in die kalte Novemberluft blasen, Angusrinder, die die letzten Halme der Weide abgrasen, kilometerweite Wiesen und Wälder: Das Gut Spielberg – ein Weiler der Gemeinde Aying – strotzt nur so vor Landidylle. Doch genau die sieht Landwirt Georg Niedermair in Gefahr. Das Problem: der Wolf.

Vergangene Woche hat der 43-Jährige drei Mahnfeuer auf seinen Koppeln im Kupferbachtal entzündet. „Ich habe von der Aktion ,Lichter gegen das Vergessen’ gelesen“, sagt Niedermair. „Da hab ich sofort gesagt, da mache ich mit. Das wird uns auch bald betreffen.“ Das, damit meint Niedermair das Reißen von Tieren durch den Wolf. Deshalb fordern er und andere deutsche Bauern die Aufhebung der Schutzstellung des Wolfes. Außerdem soll das Raubtier ins Jagdrecht aufgenommen werden.

„Das wird uns auch bald betreffen.“ 

Georg Niedermair

Noch wurden im Landkreis München keine Wölfe nachgewiesen. Und wenn es nach Niedermair geht, soll es auch gar nicht erst soweit kommen. Vor allem Nachrichten aus dem Norden Deutschlands schockieren den Landwirt. In Niedersachsen kam es zu Angriffen, Schafe und Fohlen wurden dabei gerissen. Vor allem um Letztere hat der Pferdezüchter Angst.

Georg Niedermair geht an den Pferde- und Kuhställen vorbei auf einen Feldweg. Kies knirscht unter seinen Sohlen. Rechts und links erstrecken sich hektargroße Wiesen, mit einer Stromlitze eingezäunt. „Hier ist es passiert“, sagt er und deutet auf eine abfallende Stelle in der Nähe des Zauns. Eine Stute ist in einer Julinacht durch den Elektrozaun gerannt, auf dem harten Kiesboden ausgerutscht und gestürzt. Dabei hat sie sich das Bein gebrochen. Der 43-Jährige musste das Pferd einschläfern lassen. Was seine Stute und ihr Fohlen in Panik versetzt hat, weiß Niedermair nicht – aber er kann es sich denken.

Mahnfeuer sollen Niedermairs Forderung Nachdruck verleihen.

Wenn möglicherweise bald ein Wolf in der Gegend lebt, steht für den Landwirt die Haltungsform seiner Tiere auf dem Spiel. „Unsere Pferde und Kühe kommen bis auf den Winter das ganze Jahr auf die Wiesen – Tag und Nacht.“ Manchmal, wenn die Mücken und Bremsen aggressiv sind, kommen die Pferde tagsüber in den Stall und nur in der kühlen Nacht auf die Koppel. Sollte ein Wolf durch die umliegenden Wälder streifen, wäre für den Bauern der nächtliche Weidegang keine Option mehr. „Aber ich kann die Tiere ja nicht den ganzen Tag einsperren.“

Besonders Pferde seien vom Wolf gefährdet. Da sie Fluchttiere sind, geraten sie schnell in Panik. Unter seinen 35 Pferden sind sehr erfolgreiche Turnierpferde. „In den Fohlen steckt viel Hoffnung und jahrzehntelange Erfahrung“, sagt er. Ein Wolfsriss – für die Familie Niedermair ein Albtraum.

Niedermair glaubt nicht, dass ein Zaun den Wolf von den Pferden fernhalten kann

Speziellen Zäunen, die das Tier davon abhalten soll, steht Niedermair skeptisch gegenüber. Der Wolf schaffe es über einen 2,50 Meter hohen Zaun, wie das Beispiel in Freising zeigt. „Was soll das dann bringen?“, fragt der 43-Jährige. Außerdem sei eine Umzäunung der gesamten Koppel sehr kostspielig. Auch zum finanziellen Ausgleich hat der Bauer eine klare Meinung: „Wenn man sich 365 Tage im Jahr um ein Tier kümmert, da reichen keine Entschädigungszahlungen aus.“

In den nächsten Tag will Niedermair zusammen mit anderen Bauern aus Bayern einen Brief an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber schreiben. Seine Forderung ist eindeutig: Wölfe sind hier nicht willkommen!

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