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Ausweichroute: Auf der B 471 mitten durch die Orte schlängelt sich der Schwerlastverkehr wie hier in Haar, um die Staus auf der A 99 zu umfahren.

Eine Regelung in Österreich dient als Vorbild

Wegen Lkw, die Stau umfahren: Gemeinden fordern Fahrverbot für Schwerlastverkehr auf B471

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Die Dauerbaustelle auf der A99 drängt den Verkehr auf die B471. Vier Anrainer-Gemeinden reicht‘s. Sie fordern ein Fahrverbot für Lkw auf der Bundesstraße.

Landkreis – Den B 471-Anrainern stinkt’s. Wortwörtlich und im übertragenen Sinne. Immer mehr Lkw nutzen die Bundesstraße offenbar als Schleichweg zwischen den Ausfahrten Hohenbrunn und Aschheim, um die täglichen Staus auf der A 99 zu meiden. Für die B 471 bedeutet das: mehr Schadstoffe und Lärm. Die Gemeinden Putzbrunn, Haar, Feldkirchen und Aschheim wollen den Schwerlastverkehr deshalb von der Bundesstraße verbannen – nach österreichischem Vorbild. Einen entsprechenden Antrag haben sie bereits an Landrat Christoph Göbel geschickt.

Dass die Lkw durch ihre Gemeinden scheppern, bemängeln die Anrainer-Bürgermeister schon länger. Verändert hat sich nichts. Und das wird es in absehbarer Zukunft wohl auch nicht. „Wenn es nur ein, zwei Jahre gewesen wären, hätten wir gesagt: Okay, gut“, sagt Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier. Aber: Der vierspurige Ausbau der A 99 zieht sich wohl noch bis in die 2030er Jahre. Solange dürfte es auch Staus und Lkw-Überholverbote geben – und Brummi-Fahrer, die die B 471 als Schleichweg benutzen.

B471: „Wir sind in der EU, hier gilt gleiches Recht für alle“

Dem wollen die Gemeinden nun entgegentreten, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Deshalb haben sie bei Landrat Göbel beantragt, den Schwerlastverkehr von der B 471 zu verbannen. „Das gilt natürlich nicht für den Lieferverkehr in den Kommunen“, sagt Klostermeier. Ihr Vorbild: Österreich. In der Alpenrepublik dürfen Lkw nur noch von der Autobahn abfahren, wenn sich ihr Ziel in der Nähe befindet. „Wir sind in der EU, hier gilt gleiches Recht für alle“, sagt Klostermeier, „wenn es in Österreich rechtens ist, dann auch in Deutschland.“ Deshalb rechnen sich die Gemeinden durchaus gute Chancen auf einen erfolgreichen Antrag aus. „Aber wir wissen, dass wir auf übergeordnete Organe angewiesen sind.“

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Zustimmen muss dem nämlich die Untere Verkehrsbehörde im Landratsamt. Der Antrag wird bereits geprüft, teilte eine Sprecherin mit. Da die B 471 aber offiziell als Umleitung der A 99 ausgeschildert ist, bedürfe es der Zustimmung der Regierung von Oberbayern. Aktuelle Zahlen zum Schwerlastverkehr liegen nicht vor. Bei einer Messung in der Glonner Straße in Putzbrunn betrug der Anteil 2015 knapp über fünf Prozent. Laut Polizei gibt es entlang der Strecke keine Auffälligkeiten. Dennoch hoffen die Anrainer auf eine kurzfristige Lösung. Denn: „Die Abgas- und Lärmbelastung hat mittlerweile ein Ausmaß angenommen, das nicht mehr hinnehmbar ist“, begründen die Gemeinden ihren Vorstoß im Antrag an Landrat Göbel.

B471: Lärm, Gestank und verformte Straßen

Walter Pusch, stellvertretender Bauamtsleiter in Putzbrunn, konkretisiert: „Die Schäden in Putzbrunn sind eklatant. An der Ampel am Rathaus bremsen und beschleunigen die Lkw ständig. Die Wellen im Asphalt sind mittlerweile sechs Zentimeter höher als der Gehweg.“ Und Pusch ist auch direkt vom Schwerlastverkehr betroffen. Sein Büro liegt nur fünf Meter von der der Ortsdurchfahrt, der B 471, entfernt. Wenn die Lkw-Kolonnen vorbeidonnern oder wieder bis zur Ausfahrt Hohenbrunn stehen, könne er sich bei offenem Fenster nicht mehr unterhalten.

Übrigens: Die seit Jahren geforderte Autobahnparallele würde genau den betroffenen Abschnitt der B 471 entlasten. Doch wie hier der aktuelle Stand ist, weiß selbst Edwin Klostermeier nicht – obwohl er im zuständigen Kreisausschuss für Infrastruktur und Mobilität sitzt. Allzu weit dürften die Planungen also nicht sein.

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