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Alle nennen ihn nur Hans: Johann Kastenmüller (l.) mit Bürgermeister Dietmar Gruchmann.

Verdienstmedaille für Hans Kastenmüller

Mit bäuerlicher Listigkeit zur Stadtwürde

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Garching – „Sehr überrascht“ sei er gewesen, als er erfahren hat, dass die Stadt Garching ausgerechnet ihm eine Verdienstmedaille verleihen will, sagt Johann Kastenmüller. „Damit hätte ich nie gerechnet.“ Wobei der bescheidene 71-Jährige wahrscheinlich als einziger überrascht war.

Denn nur wenige Persönlichkeiten haben das gesellschaftliche Leben in Garching so geprägt wie Johann Kastenmüller. Oder wie Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD) es in seiner Laudatio beschrieben hat: „Er pflegt die Traditionen Garchings und hält sie für nachfolgende Generationen wach.“ 

Nebenbei bemerkt, wäre Garching ohne den Geehrten womöglich noch eine Gemeinde – doch dazu später.

Zunächst zur Lebensgeschichte von Johann Kastenmüller, den alle nur Hans nennen, 1944 in Garching geboren, Sohn eines angesehenen Landwirts im Ort. Der Vater zieht 1958 mit seinem Bauernhof von der Freisinger Landstraße in den Schrannerweg, wo Johann schon in jungen Jahren mit anpackt. Sechs Jahre später stirbt der Vater. Fortan kümmern sich Sohn und Mutter um den Hof. „Ich habe immer gesagt, dass ich zweimal verheiratet bin“, sagt Kastenmüller. „Erstens mit meiner Frau und zweitens mit der Landwirtschaft.“

Trotz der vielen Arbeit nimmt der Landwirt regen Anteil am gesellschaftlichen Leben im Ort: Gut vier Jahrzehnte lang ist er aktives Mitglied der Feuerwehr, viele Jahre davon Fahnenträger. Dazu kommt der Heimatverein, bei dem Kastenmüller als junger Bub Gründungsmitglied ist und später 27 Jahre im Vorstand sitzt.

Genau so einen Ur-Garchinger benötigt im Jahr 1989 der damalige Bürgermeister Helmut Karl. Er will in der BR-Sendung „Jetzt red i“ das Thema Stadterhebung auf den Tisch bringen und fädelt dazu eine geniale Inszenierung ein.

In den Hauptrollen: Zum einen der Informatik-Professor Heinz-Gerd Hegering als Neu-Garchinger, der die Wissenschaft im Ort repräsentiert; zum anderen der alteingesessene Johann Kastenmüller, Heimatvereinsvorsitzender, der für die bäuerliche Tradition steht.

„Helmut Karl ist am Nachmittag zu mir gekommen und hat gesagt, dass ich am Abend ins Bürgerhaus kommen soll“, erinnert sich Kastenmüller. „Er bräuchte einen alt eingesessenen Garchinger, der Bayrisch spricht und vorschlägt, dass Garching zur Stadt erhoben wird.“ Johann Kastenmüller erfüllt den Auftrag – und wie!

Abends spricht er vor laufenden Kameras jene Worte, die inzwischen ein Stück Garchinger Geschichte sind: „Mia müsst’n oans mach’n: An Antrag stell’n, dass mia erhob’n werd’n füa a Stodt.“ 

Mit dieser Forderung und mit Heinz-Gerd Hegerings anschließendem Plädoyer beginnt eine Debatte, die letztlich dazu führt, dass Garching im Jahr 1990 zur Stadt erhoben wird. 

„Ohne ‘Jetzt red i’ und die beiden Akteure hätte Garching keine Chance gehabt, Stadt zu werden“, heißt es dazu im Stadtratsbeschluss. „Da Garching in diesem Jahr 25 Jahre Stadtjubiläum feiert, wäre es ein geeigneter Moment, Johann Kastenmüller die Silbermedaille zu verleihen.“

Genau das hat Bürgermeister Gruchmann getan und dabei einen Satz gesagt, der den Geehrten am besten charakterisiert: „Als alteingesessener Garchinger fließt quasi das Blut seiner Stadt in ihm, und beide geben dem jeweils anderen Nahrung und Lebenskraft."

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