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Trauriger Rest: Übrig sind ein Stumpf und ein Eichhörnchenhaus, das einmal im Baum hing.

Wegen Laubholzbockkäfer

180 Bäume müssen in Neubiberg sterben - keiner war befallen

Neubiberg – Vergangene Woche ist der große Kran in die Josef-Kyrein-Straße gerollt – und mit ihm schwand das letzte Fünkchen Hoffnung bei Bärbel Bruch. Denn eigentlich hatte die Neubibergerin gehofft, dass die prächtige Linde in ihrem Garten von der jüngsten Fällaktion wegen des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) verschont bleibt.

Doch nun haben sich die 48-Jährige und ihre Familie geschlagen geben müssen: Wo einst die Linde stand, ist jetzt nur noch ein Baumstumpf. 

Dabei hatte die Gemeinde wie berichtet auf Drängen mehrerer Gemeinderäte die Linde in der Josef-Kyrein-Straße sowie einen weiteren Baum in der Kaiserstraße als „ortsbildprägend“ eingestuft. Damit sollte verhindert werden, dass diese Gehölze gefällt werden.

90 Jahre stand sie: Die prächtige Linde im Garten der Familie Bruch an der Josef-Kyrein-Straße in Neubiberg.

Die zuständige Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) jedoch wollte diese Einschätzung nicht teilen. Prinzipiell gebe es im EU-Durchführungsbeschluss zwar einen Passus, wonach Einzelentscheidungen „aufgrund des besonderen gesellschaftlichen, kulturellen oder ökologischen Wertes der Pflanzen“ möglich seien, teilt LfL-Sprecherin Sabine Weindl mit. Aber in den zwei Fällen in Neubiberg habe man eine Sonderstellung abgelehnt. Denn: „Nach Auffassung der LfL muss ein Gehölz neben ausreichender Größe auch ein entsprechendes Alter und gleichzeitig eine besondere kulturelle und soziologische Bedeutung haben. Ortsbildprägend ist nicht das alleinige Kriterium.“

Die zwei Linden seien mit circa 90 Jahren (Josef-Kyrein-Straße) respektive 50 Jahren (Kaiserstraße) noch „deutlich zu jung dafür“, so die LfL. Zudem habe letztere „deutlichen Pilzbefall“ aufgewiesen.

Dazu kam das finanzielle Risiko für die Baumbesitzer. Wäre die Linde stehen geblieben, hätte sie regelmäßig und gesondert kontrolliert werden müssen. Die Kosten hierfür schätzt die LfL auf rund 10 000 Euro pro Jahr. Und da das Monitoring auf vier Jahre angelegt gewesen wäre, hätten die Eigentümer mit Gesamtkosten von rund 40.000 Euro rechnen müssen. 

"Beide Besitzer wollten das finanzielle Risiko nicht eingehen“, berichtet Neubibergs Bürgermeister Günter Heyland (FW.N@U). „Deshalb haben sie der Gemeinde die Einwilligung zur Fällung geschickt.“ Insgesamt sind bei der dritten Fällaktion in Neubiberg bis Anfang Oktober rund 180 Gehölze beseitigt worden. Wiedie LfL gestern mitteilte, wurden keine ALB-Befallsmerkmale entdeckt.

 Etwa zwei Drittel davon waren Sträucher und Büsche mit einem Stammdurchmesser unter zehn Zentimetern. Diesmal sei es – verglichen mit früheren Fällungen – nicht besonders viel Material gewesen.

Patrik Stäbler



Keine ALB-Käfer gefunden

Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat gestern die Ergebnisse der dritten Fällaktion publik gemacht: Weder bei den Fällungen selber noch bei der Untersuchung der Holzproben im Freisinger Quarantänelabor konnten ALB-Befallsmerkmale gefunden werden. Die fehlenden Funde sieht die LfL als Beleg dafür, dass das Ziel der ALB-Ausrottung in Neubiberg realisierbar sei. Weitere Fällungen sind laut LfL nicht erforderlich. Die Quarantäne-Zone kann erst aufgehoben werden, wenn in den kommenden vier Jahren keine weiteren Spuren des Käfers gefunden werden. Das LfL bittet die Laubbaumbesitzer in der Quarantänezone um Unterstützung: Sie sollten ihre Bäume bis Ende Oktober nochmals auf ALB-Befallsanzeichen untersuchen und von November bis März noch zweimal, bittet die LfL.

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