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Verspiegelte Decke, LED-Lichtleisten, strahlendes Gelb: So hätte sich die Gemeinde Haar den Bahnhofstunnel vorgestellt und dafür eine Million gezahlt.

Debatte im Bauausschuss

Bahn blockt Tunnel-Vision in Haar rigoros ab

Haar - Lichtdurchflutet, hellgelbe Wände, Glasscheiben, LED-Lichtleisten, spiegelnde Decke: So wollte die Gemeinde Haar die S-Bahnunterführung umgestalten, auf Basis der Entwürfe von Künstlerin Gabriele von Ende-Pichler. Die Kosten von einer Million Euro wollte die Gemeinde selbst tragen. „Doch die Bahn hat alles abgelehnt, unsere Idee ist komplett gescheitert“, sagt Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) enttäuscht. Aber die Haarer geben nicht auf.

Im Juni 2012 hatte der Gemeinderat beschlossen, die 41 Meter lange S-Bahn-Unterführung neu zu gestalten. Obwohl die Unterführung erst vor fünf Jahren saniert und von der Bahn abgedichtet wurde, ist der Durchgang schäbig, düster, feucht, verschmutzt, der Boden windschief, die Hälfte der Lampen defekt – alles wenig einladend.

„Ein Bahnhof und damit auch der Durchgang von den Gleisen ist die Visitenkarte einer Stadt. Das erste, was jemand von Haar sieht. Das aktuelle Bild ist beschämend“, schimpfte Alexander Zill (SPD) bei der Debatte im Bauausschuss. 

Bahn beharrt auf festen Materialvorgaben

Architekt Gert Goergens erläuterte die Gründe für die Ablehnung: „Die Bahn hat einen Katalog mit festen Vorgaben bezüglich Materialien, Farben, Gestaltungen. Wir haben mit den Lichtleisten, Edelstahlsockeln, der verspiegelten Decke oder den Glaswänden da nicht reingepasst.“

Der Boden windschief, viele Lampen defekt: Die schäbige Realität im 41 Meter langen Tunnel.

Die Gemeinde versuchte, den Entwurf noch zu retten: Das Kunstwerk auf Fliesen übertragen. Abgelehnt! Auf Mosaiksteinchen, wie im Bahnhof von Neapel. Nur Kopfschütteln bei der Bahn! Ziegelriemchen-Varianten mit verschiedenen Oberflächen. Nein! „Wir können jetzt die von der Bahn erlaubten weißen Spaltplatten aufbringen – oder verputzen und anmalen. Beides kann man mit Speziallack versiegeln, so dass Graffiti einfach abwaschbar sind“, sagte Goergens. „Ein leuchtender Tunnel mit LED-Leisten könnte so schön sein.“

Durchgang nach wie vor nicht dicht

Gerlinde Stießberger (CSU) gab zu bedenken, dass der Durchgang nach wie vor nicht dicht sei. „Wir wollen doch nichts bemalen, das schnell wieder schmuddelig aussieht?“ Bürgermeisterin Müller entgegnete, dass ab August ein Großteil der Unterführung neu gemacht werde. „Danach wird es dicht sein, hat uns Architekt Breitenbücher versichert.“

Einig waren sich die Räte, dass sie sich von der geplanten Glaskunst verabschieden müssen. „Was machen wir stattdessen? Weiße Fliesen wie in einem Schlachthof wird es auf alle Fälle nicht geben“, betonte Müller.

Ärger über die Bahn

Cherin Sakkal (SPD) ärgerte sich über die Bahn. „Die tun nichts, zahlen nicht und verbieten uns eine Ästhetik für unseren Bahnhof!“ Dietrich Keymer (CSU) mahnte zur Besonnenheit. „Schließlich hat die Bahn unseren Vorschlägen nie offiziell zugestimmt. Daher befürworten wir die Lösung mit einer Bemalung.“ Dem schloss sich der Ausschuss an. Bürgermeisterin Müller will die Grundlagen eines Wettbewerbs ausarbeiten lassen. „Ich denke an fünf bis sieben Künstler, jeder bekommt eine Festsumme, muss sich an die Bahn-Materialien halten. Den Siegerentwurf setzen wir dann mit einer Beschichtung um.“ Bert Brosch

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