Bürgerfragestunde

Große Bedenken wegen Notunterkunft

Baierbrunn - Die Baierbrunner sind wenig begeistert von den Überlegungen des Landratsamts, in ihrer Gemeinde eine Notunterkunft für Flüchtlinge einzurichten.

Rund 60 Baierbrunner kamen deshalb zur Bürgerfragestunde vor der Gemeinderatssitzung ins Rathaus. Und waren sich einig: „Die Turnhalle am Ort ist als Ausweichquartier überhaupt nicht geeignet“, „das geht gar nicht“, „ich bin strikt dagegen“, lauteten die Wortmeldungen. Ein Mann meinte sogar, wenn es dazu kommen sollte, dass dort Schutzsuchende einziehen, werde er sein Kind auf eine Privatschule wechseln lassen. „Wenn unter 60 Leuten ein schwarzes Schaf ist, kriegt man das auch nicht mit einem Sicherheitsdienst geregelt.“ 

Die Mehrheit der Besucher mochte sich ebenso wenig anfreunden mit der Vorstellung, das Sport- und Bürgerzentrum für ein paar Wochen zur Verfügung zu stellen. Die Befürchtung: Ist dort erst mal ein Notlager eingerichtet, werde das schnell zur Dauereinrichtung. Trachtenvorstand Richard Händl: „Wir können unser Vereinsheim dann nicht mehr benutzen.“ Derweil ist es ohnehin, wie Bürgermeisterin Barbara Angermaier (BIG) klarmachte, eher unwahrscheinlich, dass der Landkreis, um den momentanen Engpass an Quartieren zu überbrücken, ausgerechnet auf die Turnhalle in Baierbrunn zugreift. Weil diese eher klein und nicht abzutrennen sei von der Grundschule. Und weil Landrat Christoph Göbel generell Turnhallen nicht mehr belegen wolle. „Ich glaube nicht“, meinte die Rathauschefin, „dass es dazu kommt“. Generell wehre auch sie sich gegen die Turnhalle. 

Das Sport- und Bürgerzentrum zu öffnen für Flüchtlinge: Das sei für sie schon eher vorstellbar. Klar wurde während der Bürgerfragestunde, dass auch die Baierbrunner es schwer erträglich finden, nicht zu wissen, wie viele Flüchtlinge denn überhaupt noch ankommen werden in Bayern, im Landkreis, in Baierbrunn. „Nächste Woche“, meinte Angermaier, „können es 400 sein oder 70“. Mit 70 solle dann auf jeden Fall Schluss sein, forderte ein Besucher mit Bezug auf die dauerhaft in der Gemeinde Einzuquartierenden. Man müsse „dagegen halten“, damit es nicht noch mehr werden. 

Eine Baierbrunnerin berichtete, dass sie bereits Briefe geschrieben habe an verschiedene Politiker, etwa an den Landrat. Auch die Bürgermeister im Landkreis haben sich jetzt schriftlich an den Bundespräsidenten gewandt. Und diesem mitgeteilt, dass die Grenzen dessen, was zu schaffen ist vor Ort, bald erreicht sind. An welchen Standorten in der Gemeinde denn jetzt die Gebäude in Holzständerbauweise errichtet werden für jene Flüchtlinge, die in Baierbrunn bleiben sollen – das hätten die Besucher freilich auch noch gern gewusst. Die Grundstücke stehen aber, laut Angermaier noch nicht fest, sie „werden derzeit geprüft“. Aber: „Ich verspreche Ihnen, dass wir es erträglich machen“, was heißt: Es wird jedenfalls mehrere Standorte geben. Das letzte Wort hatte dann Ines Poppenhäger vom Helferkreis, die sagte: „Wir werden uns, wie alle anderen Gemeinden auch, mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Jeder von uns kann seinen Teil dazu beitragen, dass die Integration der Zugezogenen gelingt.“ Dafür bekam sie Applaus.Andea Kästle

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