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Der Widder wird vom Hirten mit dem roten Wollkopf auch losgeschickt, den Fremden umzustoßen. Macht er aber dann nicht.

Figurentheater

Der Nachtwächter ist ein Wollmännchen

Baierbrunn - Eine Geschichte, die „vor ungefähr 2000 Jahren gespielt hat“, bekamen Baierbrunner Kinder und ihre Eltern erzählt. Auf Einladung des Kulturvereins zeigte in St. Peter und Paul die Löffelstil-Company aus Pullach ihr entzückendes Figurentheater „Heilige Nacht“.

Gemeint ist freilich nicht die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma. Sondern die von Selma Lagerlöf, der schwedischen Autorin und ersten Frau, die ausgezeichnet worden ist mit dem Literatur-Nobelpreis. Und die letztlich darum geht, was es heißt, mit dem Herzen zu sehen. Und nicht nur mit den Augen. Die Figuren: allesamt aus Wolle gefertigt und mit Nähzubehör. Da war dann etwa der Stab des Hirten eine Häkelnadel, die Hörner des Ochsen im Stall: eine halbe Wäscheklammer. Und der Stern über Bethlehem, der auch auf der kleinen Puppenbühne, bespielt von Löffelstil-Gründer und Theater-Allrounder Holger Ptacek, aufging, war gefertigt aus einer sternförmigen Garnrolle und einem Stück Faden.

 Die Zuschauer: waren hingerissen. „Sehr einfach, sehr schön“, meinten die Eltern. Während sich nach der Aufführung ihre Kinder um den Figurenspieler drängten und sich die simple Klopapierrolle zeigen ließen, die dem guten Josef seinen Woll-Bauch stabilisiert. Vor neun Jahren hat Ptacek, der in Pullach auch für die SPD im Gemeinderat sitzt, sein Figurentheater mit dem netten Namen gegründet, dessen Mini-Helden alle gefertigt werden aus Alltagsgegenständen, „wie sie sich in jedem Haushalt finden“. Auf technische Hilfsmittel wird komplett verzichtet, die Hauptrolle soll jeweils die Phantasie spielen. An der mangelte es am Samstag nicht im Zuschauerraum, was sich schon bei einer kurzen theoretischen Einführung vor Vorstellungsbeginn zeigte. Bei der wurde im Schnelldurchgang noch einmal memoriert, was erlaubt ist im Theater, was nicht. „Hunde mitbringen“, wussten die Kinder, ist nicht so erwünscht, ebenso „laut lachen“. Klatschen soll man, erfuhren sie, aber nur dann, wenn es einem auch gefallen hat.

 Die „Heilige Nacht“ ist im Prinzip eine Abwandlung der Weihnachtsgeschichte, nur dass der arme Josef diesmal keine Herberge sucht, sondern auf der Suche ist nach einem glühenden Holzscheit – um im Stall, wo Maria den gemeinsamen Sohn schon bekommen hat, das Feuer wieder zu entfachen. Zweimal wird er abgewiesen in der Stadt, schließlich vom Nachtwächter – bei Ptacek einem gewichtigen Wollmännchen, dem der Bauch zusammengehalten wird von einem Maßband – hinauskomplimentiert vor die Stadtmauern. Dort trifft er auf einen Hirten, der ihn loshaben will, der seinen Hund auf ihn hetzt und seinen Widder, schließlich seinen Stock nach ihm wirft. Aber komisch: Der Hund beißt nicht zu, der Widder kuschelt sich an den Fremden, der Stock fliegt zum Schäfer zurück. Am Ende erlaubt der dem geheimnisvollen Ankömmling, sich ein Stück glühender Kohle mitzunehmen, schleicht ihm hinterher: „Und was meint ihr, hat er durch die Ritzen des Stalls gesehen?“ Genau. Die Heilige Familie. Aber weil er inzwischen mit dem Herzen gucken konnte, fiel ihm die Engelschar auf, die über dem wackligen Stall schwebte. Sehr sehr schön. Und künstlerisch besonders wertvoll. Man darf davon ausgehen, dass einige der Zuschauer zuhause dann den Wollkorb der Mama geplündert haben. Um auf die Schnelle noch eine Krippe hinzubekommen. Andrea Kästle

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