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Rund 50 Neugierige kommen bei den Architektouren in den Park von „Wort & Bild“.

14 Kunstwerke im Skulpturenpark von „Wort & Bild“ 

Nach jeder Kurve ein neuer Eindruck

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Vor zwei Jahren ist das  letzte Gebäude des Verlags „Wort & Bild“ in Baierbrunn fertiggestellt worden. Im Rahmen der „Architektouren“ konnten sich jetzt Neugierige erstmals Details erklären lassen.

Baierbrunn – Um vielleicht gleich mit dem Garten anzufangen, auf den man ja von den im Halbrund um die Bühne angeordneten Zuschauerreihen des Konzertsaals aus auch schaut: Dort mögen Blumen und Stauden fast schon wild wachsen – dem Zufall wurde aber freilich auch hier nichts überlassen. Das Ganze sei so angelegt, erklärte die zuständige Landschaftsarchitektin Adelheid Gräfin Schönborn bei ihrer Führung „von Kunst zu Kunst“, dass immer irgendwo was blüht. Und zwar bevorzugt in Weiß und Blau, Becker mochte ja Bayern sehr. Gleichzeitig hatte man schon, ehe überhaupt zu bauen angefangen wurde, die drei Eichen, die auf dem Gelände standen, versetzt – damit sie keine Sichtachsen verstellen. An Bäumen kamen neu hinzu nur ein paar Tulpenbäume, die in die Höhe wachsen und also geeignet sind, zur Raumbildung beizutragen.

Die ganze Anlage, die letztlich die Gebäude des Verlags östlich der B 11 verbindet: natürlich wunderschön. „Es ist alles stimmig“, fasste Schönborn am Ende des Rundgangs die Gestaltung des kleinen Parks zusammen. Vorgabe bei der Planung sei gewesen, dass das Ganze „nach jeder Kurve anders aussieht“. Insgesamt 14 Skulpturen fanden rund ums neue Gebäude und im Garten Platz, allein drei davon stammen von Antony Gormley, einem Londoner Kunstschaffenden.

Ein Kopf, aus Noten gefertigt

Begonnen hat die Führung bei der Arbeit „Ludwig’s Dream“ von Jaume Plensa, einer Skulptur, die einen Kopf darstellt, gefertigt aus den Noten von Beethovens letzter Klaviersonate. Die 50 Interessierten gingen dann oberhalb des Konzertsaals am Gebäude entlang, runter zur Terrasse, wo ja die „tanzende Figurengruppe“ von George Segal aus weiß patinierter Bronze einigen schon bekannt gewesen sein dürfte – man sieht sie auch von drinnen.

Dann, im Park positioniert: zwei fast lebensgroße Hirsche aus Aluminium aus dem Atelier von Paolo Grassino, die „schreitende Figur“ der inzwischen verstorbenen polnischen Künstlerin Magdalena Abakanowicz, die im Halbrelief den Unterkörper eines Menschen zeigt – und eigens für Becker angefertigt worden ist. „Wenn im Herbst alles farbig ist, kommt die Arbeit ganz wunderbar zur Geltung“, sagte Schönborn.

Parkbesuch nicht ohne Führung

Die Besucher fotografierten alles fleißig, schließlich darf niemand den Park ohne Führung betreten. Man schaute, dass man im Schatten blieb, erkundigte sich nach den Blumen, eine Frau zweigte sich ein paar Samen ab. Vorbei an zwei turmartigen Skulpturen von Tony Cragg, die „Portrait“ heißen und „It Is – It Isn’t“, kam die Gruppe schließlich wieder unter „Lever“ zum Stehen, der Figur eines Mannes, die quasi herausspringt aus der den Park umschließenden Mauer. Becker habe eigentlich für den Springer noch einen Teich anlegen lassen wollen, „wir haben dann aber gemerkt: Es wird zuviel“, berichtete Schönborn. Darüber hob sich ab vom knallblauen Himmel und blitzte in der Sonne: „Der Wolkenvermesser“ von Jan Fabre aus polierter Bronze.

Genuss eines Kurz-Konzertes

Der Irenensaal selbst? Den hatte vor dem Rundgang durch den Garten Architekt Johannes Baumstark erklärt – wobei die Besucher dann sogar noch in den Genuss eines Kurz-Konzertes kamen. Um vorzuführen, wie hervorragend die Akustik hier ist, die man regulieren kann durch Vorhänge, die hinter den Lamellenwänden verborgen sind, hatte Wort & Bild vier Mitglieder der A-cappella-Formation „Quartbreakers“ engagiert, die ein paar Kostproben aus ihrem breit gefächerten Repertoire zum Besten gaben. Darunter auch ein Jodler.

Mit dem Raum einen Traum erfüllt

Rolf Becker, erzählte Baumstark, habe sich mit diesem Raum einen Traum erfüllt, er habe aber von diesem Traum auch „klare Vorstellungen“ gehabt. Grundidee war, dass man, während man Musik hört, ins Grüne sehen kann. Die Zusammenarbeit mit dem anspruchsvollen Verleger sei „intensiv“, aber auch „anstrengend“ gewesen – und habe sich auf jeden Fall gelohnt. Man merkte dem Architekten an, wie begeistert auch er vom Ergebnis ist, von den Querrippen, die den Raum tragen, für die der Sichtbeton vor Ort angemischt und hinterher noch geschliffen worden ist, vom maximal entspiegelten Glas, das die Sicht freigibt nach draußen. Für die raumakustische Betreuung habe man ein „weltweit agierendes Ingenieurbüro“ gewinnen können. Das dann unter anderem dafür sorgte, dass die Unterseiten der Ledersitze perforiert wurden – und damit eben auch Schall absorbieren.

Alles zusammen: schlicht perfekt. Und ganz klar der schönste Konzertsaal weit und breit.

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