Drei Tage waren 40 bis 60 Trachtler damit beschäftigt, das 2200 Quadratmeter große Festzelt in Baierbrunn aufzustellen. Unter fachkundiger Anleitung. „Wenn wir das eine externe Firma machen hätten lassen“, sagt Vorstand Richard Händl, „hätte uns das 35000 Euro gekostet.“
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Drei Tage waren 40 bis 60 Trachtler damit beschäftigt, das 2200 Quadratmeter große Festzelt in Baierbrunn aufzustellen. Unter fachkundiger Anleitung. „Wenn wir das eine externe Firma machen hätten lassen“, sagt Vorstand Richard Händl, „hätte uns das 35000 Euro gekostet.“
Kleine Tänzer, großer Auftritt: Proben für den Gauheimatabend am Freitag.
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Kleine Tänzer, großer Auftritt: Proben für den Gauheimatabend am Freitag.

Voller Erwartung

2500 Trachtler beim Loisachgaufest in Baierbrunn

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Ganz Baierbrunn ist gerüstet und geschmückt für das Loisachgaufest vom 21. bis 24. Juni. Und voller Vorfreude.

Baierbrunn– Die Hecken im Ortszentrum sind schön zurechtgestutzt, Zäune wurden, wo sie ausgebessert gehörten, gerichtet. An der Feuerwehr erklärt jetzt eine kleine Tafel, dass früher hier mal ein Café stand. Und: Gegenüber steht ein Riesen-Zelt. Baierbrunn hat sich feingemacht für das Gaufest, das heute Abend beginnt und am Sonntag seinen Höhepunkt erlebt. 

Auch wenn es der Heimatverein war, der die Tafel an der Feuerwehr befestigt hat, auch wenn es der Heimatverein sein wird, der noch an all jene Baierbrunner, an deren Häusern der Festumzug am Sonntag vorbeikommt, weißblaue Schleifchen und Fähnchen verteilen wird: Die Hauptarbeit im Vorfeld des Riesen-Spektakels, das jedenfalls zwischendurch gut 2500 Trachtler aus dem Oberland in die zweitkleinste Gemeinde im Landkreis spülen wird, haben freilich die Gastgeber gehabt. Die Georgenstoana. Seit einem Jahr hat sich deren Festausschuss einmal pro Woche getroffen, in den vergangenen Tagen waren die Mitglieder quasi rund um die Uhr beschäftigt, letzte Vorbereitungen zu treffen. Drei Tage brauchten sie allein, um das Zelt aufzubauen. Dann mussten noch die Tänze geprobt werden, die sie zeigen werden am Heimatabend am Freitag. Der Steckertanz, der Achterlauf, der Generationentanz.

Ein Jahr lang Vorbereitungen 

Kein Wunder also, dass Vereinsvorstand Richard Händl, insgesamt ein eher entspannter Mensch, am Ende jetzt dann doch vorsichtshalber Urlaub genommen hat, um überhaupt alles auf die Reihe zu kriegen. Aber soviel Trubel auch immer um ihn herum gewesen ist – den Überblick hat er doch nicht verloren. Als man ihn am Wochenende im Zelt getroffen hat, wo die Beteiligten sich zur Tanzprobe verabredet hatten, konnten ihn die Kinder, die immer wieder Fangermandl spielten um ihn herum, nicht aus dem Konzept bringen. Er erklärte einem, wer beim Festumzug was trägt, dass bei den Männern in Baierbrunn die Lederhosen gelb gestickt sind, dass die verheirateten Frauen ihren Schalk anziehen werden, die Unverheirateten die normale Festtagstracht. Dann zeigte er einem den Adlerflaum, der auf seinem Hut prangt.

Das Fest schweißt Baierbrunn zusammen

Derweil, meint er, sei nicht nur sein Verein, sondern das ganze Dorf durch das bevorstehende Vier-Tages-Event doch sichtlich zusammengewachsen. „Das soziale Miteinander funktioniert bestens“, sagte er, sein Befund: „Der Ort ist optisch gut hergerichtet.“ Dann zeigte ihm eine Frau das Schild fürs „Festbüro“, das soeben fertiggestellt und noch gar nicht getrocknet war. Die Mädchen richteten sich gegenseitig die kunstvollen Frisuren. Aufregung allerorten. Während Jugendvertreter Patrick Kaisler zufrieden vermerkte, dass eben die Tradition in letzter Zeit „schon sehr in die Höhe geschossen“ ist. Es gab nicht mal Probleme, als die Trachtler freilich mit angemessenem Vorlauf angemeldet hatten, dass sie die B 11 für den Festumzug für Stunden sperren lassen wollen.

Georgenstoana feiern 2019 hundertsten Geburtstag

Dabei ist ja das Lustige, dass die Georgenstoana, die bekanntlich von einem Berliner gegründet worden sind – Händl: „dazu kann man stehen, wie man will“ – nächstes Jahr dann schon wieder Grund zum Feiern haben. 2019 werden sie nämlich 100 Jahre alt. Sie waren offenbar von Anfang an ein munterer Haufen, der noch in den 20er Jahren zweimal nach Berlin ausrückte, zu Trachtenfesten. Vorsitzender war übrigens dann schon ein Einheimischer, Hans Kern nämlich. Der Berliner Gründer hieß Karl Bernhard. Eine eigene Blasmusik haben die Georgenstoana immer schon unterhalten, und die bestand auch während der NS-Zeit. Die übrigen Vereinsaktivitäten lagen zwischen 1933 und 1945 freilich darnieder, erste Wiederbelebungsversuche wurden ab 1954 unternommen. Beim Martlbauern in der Küche, erzählt Monika Stockinger, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Und wenn beim Tanzen grade kein Musikant in der Nähe war, hat halt einfach ihr Großvater Josef Ketterl ein paar Melodien gepfiffen für die Tänzer.

Verein blüht

Heute haben die Georgenstoana rund 280 Mitglieder und spätestens seit der letzten Maimusi, wie in Baierbrunn der Verein heißt, der den Maibaum aufstellt, keinerlei Nachwuchssorgen mehr. Weil damals quasi das gesamte Maibaum-Team, 40 junge Leute also, eingetreten ist in den Trachtenverein. Händl, der 1981 in die Gemeinde eingeheiratet hat und selber aus Neufahrn rechts der Isar stammt, führt jetzt seit dreieinhalb Jahren den Vorsitz. Und noch immer spielt Franz Thalhammer, der in seiner Unerschütterlichkeit eine Art lebendig gewordener Georgenstein ist, auf bei den Plattlerproben. Rund 150 Stunden hat er jetzt im Vorfeld des Gaufestes mit allen Beteiligten geübt.

Das Festprogramm

Um 18 Uhr ist am heutigen Donnerstag. 21. Juni, Anstich beim Loisachgaufest in Baierbrunn. Es spielt die Band „Tromposaund“. Tags drauf ist der „Gauheimatabend“ mit Tanzdarbietungen des Gastgeber-Vereins, des Patenvereins und von der Gaujugendgruppe zur Musik der Isartaler Blasmusik.; Einlass ab 18 Uhr, Beginn 19 Uhr, Eintritt fünf Euro. Am Samstag ist dann Fußball im Zelt, wer will, kann dort das WM-Spiel Deutschland gegen Schweden ansehen, Anstoß um 20 Uhr. Einlass ist ab 17 Uhr, Eintritt fünf Euro. Schließlich folgt der „Große Festtag“ am Sonntag mit dem Weckruf in aller Früh um sechs. Gottesdienst ist um 10, um 14 Uhr geht dann der Festzug los vom Festzelt bis zum Ortsausgang.

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