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Die Krawatten in Rosa sind as Aushängeschild von Adi Stahuber und der Isartaler Blasmusik.

Adi Stahuber gestorben

Ein wahrer Volksmusik-Dirigent

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Er hat den kleinen Ort Baierbrunn, in dem er aufgewachsen ist und in dem er auch neun Jahre im Gemeinderat saß, weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht. Musik war sein Leben. Privat war er eher ein Mensch der leisen Töne, der sich nicht vordrängeln, aber beste Unterhaltung liefern wollte. Jetzt ist Adi Stahuber, der Begründer der Isartaler Blasmusik, der bayerische Lebensart und auch Gemütlichkeit hinausgetragen hat in die Welt, gestorben. Er wurde 90 Jahre alt.

Baierbrunn – „Ich habe ihn hoch geschätzt, er war aufgeschlossen und hilfsbereit“, sagt Bürgermeister Wolfgang Jirschik dieser Tage über den Baierbrunner aus Überzeugung, dem er im Juli noch zum runden Geburtstag gratuliert hatte. Stahuber war Modellschreiner von Beruf, er hatte drei Kinder. Außerdem war er bei der SPD. Seinem Sohn Adi, der nach ihm heißt, hat er schon vor zehn Jahren den Taktstock übergeben. Mit dem praktischen Effekt, dass sich an der Bezeichnung „Isartaler Blasmusik unter der Leitung von Adi Stahuber“ nichts zu ändern brauchte. „Mein Vater“, meint jetzt der Sohn, „wollte den Leuten Freude machen. Und diese Freude, die Herzenswärme – die transportierte er über die Musik“.

Und zwar sein Erwachsenenleben lang. Mit 25 Jahren hatte sich Adi Stahuber, der selbst Trompete und Zither spielte, den zehn Hobbybläsern angeschlossen, die in seiner Heimatgemeinde damals regelmäßig aufspielten. An Fronleichnam, zu Neujahr. Es ging auf seine Anregung zurück, dass sich die Beteiligten bald einen Dirigenten leisteten und auch sonst ihr Auftreten ein wenig professionalisierten. Indem sie, zum einen, am musikalischen Ausdruck feilten. Aber auch, indem sie sich einheitliche Kleidung zulegten – die Miesbacher Tracht, kombiniert mit zartrosa Seidenkrawatten. Weil doch, wie Stahuber wusste, „das Auge immer mithört“.

Wenn er in Interviews erklärt, wie es dann weiterging, sagt sein Sohn gern, dass auf diese Weise ein „solider Klangkörper“ entstanden ist. Der bald ein Aushängeschild auch fürs Münchner Tourismusamt wurde und 1960 schließlich die erste Konzertreise unternahm – nach Hornberg im Schwarzwald. Es dauerte dann nicht mehr lange, und die Blasmusiker machten sich auch in Sapporo, Namibia wie auf Malta einen Namen. Sie spielten auf zu einem Wiesn-Remake in Dubai ebenso wie sie den Soundtrack zu Andrew Lloyd Webbers Musik im Film „Die Akte Odessa“ lieferten. „Ich bin da“, meint Adi Stahuber Junior, „in Riesen-Fußstapfen getreten“.

Derweil hat sein Vater, trotz mehrerer Auslandstourneen im Jahr, nie aufgehört, nebenher zu arbeiten. Bis 1960 war er als Modellschreiner und Maschinenkonstrukteur bei Deckel tätig, dann half er seiner Frau Kathi im Kramerladen, den die Stahubers im Ort bis vor vier Jahren geführt haben. Und freilich war es Ehrensache, dass sämtliche Veranstaltungen vor der Haustür, die musikalische Untermalung brauchten, von seinem Ensemble gestaltet werden würden. Adi Stahuber, 2015 ausgezeichnet mit der Baierbrunner Bürgermedaille, war einfach irgendwie immer da – dort, wo man ihn gebraucht hat.

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