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Sein Lieblingsplatz war das Gemeindearchiv: Alfred Hutterer ist im Alter von 71 Jahren gestorben. 

Nachruf

Alfred Hutterer gestorben: Trauer um „das Gedächtnis von Baierbrunn“

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Seine Leidenschaft war die Geschichte seiner Heimatgemeinde Baierbrunn. Jetzt ist Alfred Hutterer im Alter von 71 Jahre gestorben. 

Baierbrunn - Im Gemeinderat bei den Diskussionen hat er sich in letzter Zeit eher selten zu Wort gemeldet. Aber immer drehte er sich während der Sitzung mal um zu den Zuhörern, nickte dem einen oder anderen zu. Jetzt ist Alfred Hutterer nach längerer Krankheit im Alter von 71 Jahren gestorben.

Hutterer saß seit 1996 für die ÜWG im Kommunalplenum, war eine Legislaturperiode lang auch Zweiter Bürgermeister. Er führte über 20 Jahre lang das Gemeindearchiv und hat eine umfangreiche Chronik über die Geschichte vor der Haustür veröffentlicht. Im Dezember wäre er 72 Jahre alt geworden. „Er war das Gedächtnis von Baierbrunn“, sagt Rathauschef Wolfgang Jirschik über seinen Fraktionskollegen, mit dem er auch befreundet gewesen ist.

Das Entschlüsseln von alten Dokumenten war für ihn wie Rätselraten

Dabei war der gebürtige Baierbrunner keiner, dem es um schnelle Erkenntnisse ging; Hutterer scheute nicht die Arbeit, die das Studium und Entziffern von Archivalien ja bedeutet. Das Entschlüsseln von alten Dokumenten, sagte er mal, sei für ihn wie Rätselraten in einem Krimi, „man ist immer auf der Suche nach dem Einbrecher, der Leiche“. Bis man dann irgendwann mal Scherbe an Scherbe fügen könne und „das Gefäß beieinander hat“. Das freue einen dann.

Entsprechend verbrachte er auch acht lange Jahre damit, an seiner Chronik zu feilen – die dann fast gleichzeitig herauskam mit einem Geschichtsbuch, das Wort & Bild über die Gemeinde in Auftrag gegeben hatte. Hutterers Werk heißt „Am Brunnen der Baiern“, zwei weitere Veröffentlichungen ließ er darauf noch folgen. Die eine war ein Bildband mit alten Aufnahmen aus Baierbrunn, die andere eine kleine Broschüre, die den alten Dorffriedhof behandelte, der ihm besonders am Herzen lag. Sie brachte er erst im vergangenen Jahr im Eigenverlag heraus.

Auch aktiv die Gegenwart mitgestaltet

Aber der gelernte Industriemeister und technische Zeichner, der erst bei Linde, später beim Landesamt für Denkmalpflege beschäftigt war, hat sich nicht nur mit der Vergangenheit seines Heimatortes befasst, er gestaltete auch aktiv die Gegenwart vor der Haustür mit. Schon in den 70er Jahren hatte er mit ein paar Mitstreitern erreicht, dass der alte Friedhof gegenüber vom Maibaum eben nicht, wie damals geplant, stillgelegt wird. Seither kümmerte er sich mit der etwas sperrig benannten „Pflegegruppe Alter Dorffriedhof“ darum, dass die mittlerweile denkmalgeschützten Grabsteine nicht verwitterten. 1999 hob er dann den Heimatverein Baierbrunn aus der Taufe, und auch der Ortsgruppe des Bund Naturschutz stand er viele Jahre vor.

Und wenn wieder irgendwo gebaut wurde in der Gemeinde und es tauchten beim Ausheben der Baugrube irgendwelche Scherben auf – dann war Alfred Hutterer sofort vor Ort. Mit seinen diversen Fundstücken aus der Vergangenheit der kleinen Gemeinde wurde dann auch eine Vitrine im Rathaus bestückt.

Träger der Ehren- und Bürgermedaille

„Er war“, sagt Wolfgang Jirschik, „sehr zurückhaltend und bescheiden, aber sehr bestimmt, wenn es um Heimatschutz gegangen ist“. Für seine zahlreichen Verdienste wurde Alfred Hutterer mit beiden Medaillen geehrt, die die kleine Gemeinde zu vergeben hat, mit der Ehren- wie der Bürgermedaille. Und auch wenn er sich in den letzten Jahren aus der Öffentlichkeit ein wenig zurückgezogen hat – eine Führung über „seinen“ Dorffriedhof für Interessierte passte immer in seinen Kalender. Am gestrigen Montag wurde er beerdigt. Dass der Leichenschmaus in der Klostergaststätte stattfand, war sein Wunsch gewesen. 

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