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Vor den Trümmern des Unfalls stehen die Anwohner Joseph Fellermeier, Florian Bosse und Josephine Fellermeier. 

Raser demoliert Gartenzaun

Gefährliches Leben an der Unfallkurve

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Trotz Tempolimit, trotz Kindergarten: Viele Autofahrer biegen an der Ecke Forststraße/Am-Ludwigs-Geräumt in Baierbrunn viel zu schnell ab und riskieren so einen Unfall. Das prangern die Anwohner schon seit einiger Zeit an. Nun gipfelte das Ganze in einem unrühmlichen Höhepunkt: Ein Raser hat ihnen den Gartenzaun und das Müllhäuschen demoliert.

Baierbrunn – Freitagabend, kurz vor zehn, in Buchenhain, einem Ortsteil von Baierbrunn: Josephine Fellermeier sitzt mit ihrem Mann Joseph im Wohnzimmer. Der Fernseher läuft. Plötzlich jault draußen vor der Terrassentür, auf der anderen Seite der Hecke ein Motor auf. Ein Auto beschleunigt von der B11 aus die Straße Am-Ludwigs-Geräumt hoch, biegt rechts in die Forststraße ein. Nichts Ungewöhnliches. „Da fährt wieder einer wie ein Blöder um die Kurve“, schießt es der Rentnerin durch den Kopf. An diesem Abend folgt auf das übliche Motorengejaule jedoch ein lauter Knall. Metall trifft auf Metal. Holz splittert.

Ein bislang unbekannter Autofahrer hat beim Abbiegen die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, die Zaun-Häuschen-Kombo auf dem Grundstück mit der Hausnummer 2 umgefahren und sich anschließend aus dem Staub gemacht. Er war wohl deutlich zu schnell unterwegs.

Die Wenigsten halten sich ans Tempolimit

Für die Bewohner des Hauses ist das nichts Neues. Sie bemängeln seit Längerem, dass Autofahrer die Anhöhe nur allzu gerne hochjagen – und viel zu schnell um die Kurve preschen. Trotz Tempolimit. Normalerweise sind hier nur 30 Stundenkilometer erlaubt. Daran hielten sich aber nur die Wenigsten, behaupten die Anwohner. Bislang kam noch niemand, auch kein Gartenzaun, zu Schaden. Zwar haben in den vergangenen drei Jahren vier Lkw beim Wenden den Zaun beschädigt, ein Auto landete jedoch erstmals an jenem Freitag darin.

Noch Tage danach steht Josephine Fellermeier kopfschüttelnd in ihrem Garten. Vor ihr: ein Haufen verbeultes Metall, zersplittertes Holz und zerbrochener Beton, der nur noch entfernt an ein Müllhäuschen erinnert. „Das ist doch echt der Wahnsinn“, sagt Fellermeier. „Der hat alles abrasiert, bis auf’s Fundament.“

Die Anwohner sind es leid, dass die Straßen vor ihrer Haustür zur Rennstrecke umfunktioniert werden. „Gerade Jugendliche testen öfter mal, wie schnell sie hier um die Kurve kommen“, sagt Florian Bosse. Er wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern im ersten Stock, Ehepaar Fellermeier im Erdgeschoss. Die Raser seien „ein leidiges Thema“, sagt Bosse und deutet als Beweis auf Kratzspuren am Bordstein. Hier seien schon zig Autos mit den Felgen entlang geschrammt. „Wir können froh sein, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist“, sagt Bosse. Denn direkt gegenüber des Mehrfamilienhauses ist vor einem Jahr ein Waldorfkindergarten eingezogen. Morgens und nachmittags steigen Eltern mit ihren Kindern auf der Straße aus – direkt hinter der unübersichtlichen Kurve.

Florian Bosse ist nach eigener Aussage schon mehrfach bei der Gemeindeverwaltung vorstellig geworden. Nach der Müllhäuschen-Karambolage – er schätzt den Schaden auf etwa 8000 Euro – kam sogar Wolfgang Jirschik, der Zweite Bürgermeister der Gemeinde, vorbei. Er konstatiert: „Wir wissen Bescheid. Leider ist das Tempo hier offenbar nicht immer angepasst.“

Die Gemeinde, die ebenfalls Anzeige wegen Sachbeschädigung gestellt hat, weil der Raser auch einen gemeindlichen Stromverteiler umgefahren hat, denke daher darüber nach einen Verkehrsspiegel zur besseren Einsicht der Kreuzung und das Tempo-Schild weiter oben aufzustellen.

Polizei ist dem Fahrer auf der Spur

Bis sich an der Ecke Forststraße/Am-Ludwigs-Geräumt etwas getan hat, setzen die Fellermeiers und Bosses auf die mittlerweile bewährte Methode. Wenn sie ihren Garten verlassen, so erzählen sie, hören ganz genau hin, ob nicht doch gleich ein Auto um die Kurve geschossen kommt und sie vom Gehweg räumt.

Einen Lichtblick gibt es immerhin: Wie die Polizei mitteilt, ist sie dem Raser auf der Spur. Fahrzeugteile, die an der Unfallstelle im Gebüsch gefunden wurden, deuten demnach auf ein ganz bestimmtes BMW-Modell hin, das nur wenige Halter im Ort zugelassen haben.

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