Bürgermeister Patrick Ott in seinem Quarantäne-Quartier, einer Einliegerwohnung.
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Bürgermeister Patrick Ott in seinem Quarantäne-Quartier, einer Einliegerwohnung. Foto: privat

Weitreichende Quarantäne in Baierbrunn

Ansteckungsherd Hochzeit: Elf Coronafälle in Großfamilien

In zwei Baierbrunner Großfamilien grassiert das Coronavirus nach einer Hochzeitsfeier. Das hat gravierende Folgen für den Rest des Ortes und darüber hinaus.

Baierbrunn – Baierbrunn verzeichnet seit dem Wochenende elf Neuinfektionen. Alle Fälle sind momentan in zwei Großfamilien aufgetreten, die generationenübergreifend zusammen wohnen. Damit hat die kleinste Gemeinde des Landkreises ein großes Coronaproblem.

In einer Familie sind definitiv zehn Infektionen sicher, wie Bürgermeister Patrick Ott gegenüber dem Münchner Merkur erklärt. Das Virus habe demzufolge ganz rasch um sich gegriffen. In der zweiten Familie ist bislang eine Infektion offiziell bekannt. Die Gemeinde geht davon aus, dass noch mehr folgen. Labore und Gesundheitsamt kämen kaum hinterher, die Zahlen in das System einzugeben. „Unser Rathaus arbeitet aber mit Hochdruck daran, alle Eltern und Kinder mit den neuesten Informationen zu versorgen und mitzunehmen“, sagt Bürgermeister Ott. Von der Quarantäne sind jetzt nicht nur die zwei, sondern weit über 100 Familien betroffen. Der Rathauschef selbst befindet sich freiwillig in Quarantäne.

Beide Familien in Quarantäne

Beide Familien wurden am Sonntag unter Quarantäne gestellt. Eines der Mehrfamilienhäuser, in denen sie wohnen, ist als Hotspot komplett unter Quarantäne. Nach mehrfachem Nachfragen haben wohl Mitglieder einer Familie zugegeben, etwa vor einer Woche an einer großen Hochzeit teilgenommen zu haben. Wo sie stattfand und wer aus dem Kreis- und Stadtgebiet dabei war, ist nicht bekannt. Aber es sei zu befürchten, dass das Virus weitere Kreise zieht.

Bürgermeister: „Es ist sau-ärgerlich“

Daher hat Bürgermeister Ott nach Kenntnisnahme sofort die Kollegen aus Schäftlarn und Pullach informiert: „Es ist einfach sau-ärgerlich, wenn das das Ergebnis einer Hochzeitsfeierlichkeit ist, wo doch ausführlich in den vergangenen Monaten vor solchen Großereignissen gewarnt wurde.“ Aus beiden Familien waren Kinder an der Grundschule in Baierbrunn, in der Mittagsbetreuung und sie gingen noch in weitere Kindertagesstätten. Am Montag hat das Gesundheitsamt zwei Grundschulklassen in Quarantäne geschickt. Dazu mehrere Lehrer, die mit den Schülern Kontakt hatten einschließlich der Direktorin. Der Schulbetrieb geht zunächst weiter. Erschwerend komme aber noch etwas hinzu. Auch Kinder, die nicht in den Klassen saßen, aber in der Mittagsbetreuung mit eingeteilt, mussten nach Hause in die Quarantäne. Damit wird der Kreis größer und ragt in weitere Schulklassen hinein.

Notprogramm für Kinder in Kitas

Außerdem sind Mitarbeiter der Mittagsbetreuung in Quarantäne. Es kann maximal ein Notprogramm für Kinder geben, deren Eltern in systemrelevanten Berufen tätig sind oder aus anderweitigen Gründen nicht in der Lage sind, kurzfristig die Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Patrick Ott: „Für die Familien eine Katastrophe.“ Dazu kommen noch drei Gruppen aus der Kindertagesstätte „Denk mit“, die bereits geschlossen wurden. Außerdem betrifft es eine Gruppe aus dem Kinderhort. Mit den Sportvereinen muss noch abgeklärt werden, ob es in den vergangenen Tagen Fußballspiele oder andere Sportveranstaltungen gab, die in dieser Hinsicht problematisch sein könnten. Die Gemeinde will die Vereine bitten, Heimspiele abzusagen.

Gemeinderatsitzung entfällt

Abgesagt wurden auch die aktuelle Gemeinderatssitzung und eine andere Veranstaltung, die im Rathaus hätte stattfinden sollen. Die Sitzung hätte eigentlich im Konferenzraum des Feuerwehrgebäudes getagt. Aber eine der Familien bewege sich hier in unmittelbarer Umgebung, weshalb der Bürgermeister für Vorsicht plädiert: „Wir können beim besten Willen nicht in dieser Nähe eine Sitzung mit Öffentlichkeit und Zuschauern abhalten.“ Zumal die Gemeinde ihre Bürger dazu auffordern will, alle öffentlichen Veranstaltungen, Partys und Feiern zu meiden. „Das Risiko ist zu groß, dass uns die Infektionen aus dem Ruder laufen.“

Bürgermeister selbst in freiwilliger Quarantäne

Hier wird im Rathaus so gehandelt wie in der kritischen Phase der ersten Welle, in einem Zwei-Schicht-Betrieb. Immer nur eine Hälfte der Mitarbeiter ist vor Ort, beide Schichten voneinander getrennt, so dass nicht mehr als die Hälfte in Quarantäne geschickt werden kann. Bürgermeister Ott ist ebenso wie seine Büroleiterin derzeit in einer freiwilligen Kurz-Quarantäne. Sie warten auf das Ergebnis eines Tests.

Warum die Vorsicht? Es gab am 23. September einen Termin im Rathaus mit dem Bürgermeister, ein Mitglied der Familien war im Büro zugegen. „Wir wollten vorbildlich handeln und sind daher jetzt zu Hause.“ Es ist allerdings sehr lange her, weshalb Ott zeitnah mit einer Entwarnung rechnet. Inzwischen hat er Quartier in einer Einliegerwohnung bezogen, um seine Familie auf keinen Fall anzustecken.

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