Stefan Kastner, Wirt des Waldgasthofs Buchenhain, hat die Ausnahmesituation genutzt, um seinen Biergarten umzuorganisieren.
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Locker und entspannt: Stefan Kastner, Wirt des Waldgasthofs Buchenhain, hat die Ausnahmesituation genutzt, um seinen Biergarten umzuorganisieren.

400 Faschen versteigert

Wirt opfert Whiskey-Sammlung wegen Pandemie

  • vonAndrea Kästle
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Die Corona-Pandemie hat Stefan Kastner, Wirt des Waldgasthofes in Buchenhain, 400 Flaschen Whiskey gekostet. Ansonsten hat er die Ausnahmesituation aber gut gemeistert.

Baierbrunn – Letztens war Stefan Kastner wieder beim Hofbräu-Stammtisch in München. Hat von Kollegen gehört, dass es sich unter den momentanen Auflagen für sie einfach nicht lohnt, ihr Lokal aufzusperren. Da wurde ihm wieder mal klar, was für ein Segen es ist, dass ihm sein Waldgasthof in Buchenhain gehört, dass dort ein Riesengarten verfügbar ist und er nur ein Objekt betreibt.

Aber natürlich hat auch er durch Corona „Federn lassen müssen“. Um nicht auf einen Kredit angewiesen zu sein, hat er seine 400 Flaschen umfassende Whiskey-Sammlung versteigert. „Das Ganze ist eine massive Geschichte.“

Aber wenigstens hat er erstmal überlebt. Hat den Lockdown genützt, um den Biergarten neu zu organisieren, um Mahlzeiten auch zum Abholen anzubieten, sich Gedanken zu machen über Dinge, die sonst einfach in der Alltagshektik hinten runtergefallen sind. „Wir haben permanent versucht, das Beste draus zu machen.“

Kastner ist ein entspannter Typ, der sein weinrotes Halstuch auch als Mundschutz nutzt. Dass er in den Familienbetrieb, den der Urgroßvater um 1906 als „Sommerschankwirtschaft“ aufgemacht hat, mal einsteigen werde – davon war zunächst nicht auszugehen gewesen. Er hat ja noch zwei Geschwister. Und ging dann erstmal ausgiebig auf Reisen. Am Strand von Nizza lief ihm seine Frau, die hübsche Holländerin Rina den Drijver, über den Weg, später besuchten beide die renommierte école hôtelière in Lausanne. Um hinterher dann noch eine Weile gemeinsam durch die Welt zu gondeln. Kastner fing schließlich einen schwunghaften Handel mit Uhren an.

So hätte es weitergehen können, wäre nicht daheim der Waldgasthof ins Trudeln geraten. Und zwar, so dass 2011 dann eben doch Kastner und seine Frau das Anwesen mit den 42 Fremdenzimmern in unvergleichlicher Lage zwischen S-Bahn und Waldrand übernommen haben. Anfangs, sagt er, sei er nicht einmal in der Lage gewesen, Gehälter pünktlich zu zahlen. „Das hab ich aber auch kommuniziert.“

Die Gaststätte hat viele Nebenzimmer, alle haben viele Fenster – auch ein Vorteil in Zeiten von Covid 19. Die Küche ist gutbürgerlich-gehoben, man versteht sich als Lokal für jedermann. Familien halten hier ebenso ihre Familienfeiern ab wie Stammtische ihre Stammtischrunden pflegen. Und regelmäßig laden Kastner und seine Frau, mit der er sich, wie er sagt, bestens ergänzt – „meine Schwächen sind ihre Stärken“ – zu besonderen Events. Mal zum Oldtimer-Treffen, mal zur Antiquitäten-Messe, mal zum traditionellen Waldfest.

Ziemlich schnell, sagt Stefan Kastner und lehnt sich im Biergarten zurück, während um ihn herum Mitarbeiter die Kastanien auslichten, habe er nach dem Lockdown Essen zum Mitnehmen angeboten. So konnte er wenigstens zwei von sieben Köchen weiter beschäftigen. Wenn es zeitlich ging, hat er die Bestellungen selbst ausgefahren, mit einem seiner zwei Volvos aus den 60er-Jahren, die er sonst auch an Hotelgäste verleiht. „Das waren nette Begegnungen.“ Und während sie im Biergarten eine Grillstation und ein eigenes Kassenhäuschen bauten, den Biergarten insgesamt erweiterten auf die gesamte Grünfläche (weshalb Fußballplatz und Hüpfburg weichen mussten), bekam er auch viel Solidarität zu spüren. Die Gemeinde kaufte bei ihm Gutscheine, auch eine Friseurin am Ort. Es gab Stammkunden, die bestellten, drei-, viermal die Woche ein Essen „to go“. „Für die machen wir jetzt mal ein Fass auf.“

Bereits am Vatertag lief das Geschäft wieder ganz gut an – draußen waren die meisten Tische voll, wenn auch oft nur von zwei Besuchern besetzt. „Die Leute sind noch immer zögerlich, reinzugehen.“

Schweinsbraten oder Ente zum Mitnehmen wird es in Buchenhain mindestens noch bis Weihnachten geben. Auch, dass die Gäste am Biergarten-Eingang begrüßt werden, mache unter Umständen Sinn über Corona hinaus, sagt Kastner. „Aber“, fragt er und schaut einen an, „was soll ein kleiner Italiener in der Stadt machen, der drinnen 20 Tische hatte und von denen er jetzt nur noch zehn nutzen darf?“

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