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Konflikte können Peter Tilmann nicht schrecken. Er ist auf vieles vorbereitet.

Bürgermeisterwahl in Baierbrunn

Heilpraktiker will’s wissen

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Das ist seine Runde. Wenn Peter Tilmann Auslauf braucht, dann geht er an die Isar. Zum Georgenstein. Hält vielleicht Ausschau nach dem Eisvogel, der dort nistet. Und tankt dabei Kraft für den Wahlkampf. Der 48-Jährige will für die Grünen Bürgermeister werden in seiner Heimatgemeinde.

Baierbrunn – „Ich glaube“, sagt er, während man mit ihm dieser Tage im Schneetreiben runterstiefelt Richtung Fluss, „dass ich Eigenschaften mitbringe, um es besser machen zu können“. Tilmann ist Heilpraktiker von Beruf mit eigener Praxis, vor ein paar Jahren hat er nebenher auch noch Psychologie studiert. Und dabei einiges gelernt über Gruppendynamik und Teambuilding, Fächer wie Sozial- oder Gemeindepsychologie, sagt er, würden ziemlich genau beschreiben, wie Kommunalpolitik funktioniert. Er hat in der digitalen Forensik gearbeitet, seit einiger Zeit leitet er auch noch Gruppen für Suchtkranke bei Condrobs. Während man durch den Teil des Waldes am Hochufer stapft, sagt er: „Ich bin Kummer gewöhnt.“ Konflikte können ihn jedenfalls nicht schrecken.

Peter Tilmann ist ein ruhiger Mensch, man merkt, dass er regelmäßig meditiert und auch Tai Chi macht. Für seine Antworten nimmt er sich Zeit, er denkt nach, ehe er redet. Er ist in Pullach aufgewachsen, nach der Schule, die er nach der elften abgebrochen hat, hat er eine Ausbildung als Steinmetz und Steinbildhauer gemacht. Während die Kollegen auch am Wochenende noch mit dem Stein gearbeitet haben, merkte er schnell: „Mir fehlt das Feuer zum Handwerk.“ Also machte er nach der Lehre nicht weiter, allerdings im Zivildienst war er erst mal noch als Steinmetz tätig. Dann zog er auch schon nach Baierbrunn, in die damals vielleicht einzige WG am Ort. Sie waren zu sechst, „wir haben alles gemeinsam entschieden“.

Tilmann ist verheiratet, die beiden Söhne sind langsam erwachsen. Immer mal wieder hat er in der Isartalgemeinde Ämter übernommen und sich engagiert, eine ganze Weile fungierte er als Vorstand beim „Bunten Regen“, der Elterninitiative, in die auch seine Kinder gegangen sind. „Da hab ich mich manchmal mit der damaligen Bürgermeisterin Kammermeier unterhalten. Mir hat sie zwar im Gespräch widersprochen, aber ich habe dann gemerkt, dass sie meine Aussagen doch weiter verwendet hat.“ Seit vier Jahren beschäftigt er sich intensiv mit der Energiewende und ist auch Mitglied geworden bei der „Bürgerkraft Isartal“, vor zehn Jahren ging er zu den Grünen. Er sagt, er habe auch durch das Studium, als er regelmäßig die Wochenenden durchlernen musste, gemerkt, wie zäh er sein kann. „Ich kann schnell Sachen aufnehmen und mich einarbeiten.“

Inzwischen ist man unten angekommen, besieht sich aus der Ferne kurz das Wasserkraftwerk der Bayernwerke und geht dann weiter in die andere Richtung, zum Georgenstein. Tilmann sieht eine Wasseramsel, er weist einen hin auf Bäume, die vom Biber halb durchgenagt sind. Er liest, erzählt er, vor allem Fachliteratur, Bücher über Psychologie, er mag Musik (Jazz, auch Rock), und wenn er Erholung braucht, geht er Wandern. Zu Condrobs in Pasing radelt er, immer, ebenso wie in seine Praxis in München. Er sagt, er habe ein Selbstbewusstsein aufgebaut in den vergangenen Jahren, mit dem würde er sich gern im öffentlichen Leben einbringen. Anfangs habe er sich schwergetan mit der Entscheidung für die Kandidatur. „Jetzt bin ich aktiv und mittendrin.“

Die letzten Wochenenden hat er damit verbracht, Hausbesuche zu machen, an Türen zu klingeln, um sich fremden Leuten vorzustellen. Seine Anliegen? „Ich will faktenorientierte Politik machen“, was heißt: ja klar, eine Schule im Blick haben, aber die muss auch finanzierbar sein. „Es geht nicht, eine Gemeinde für 20 Jahre handlungsunfähig zu machen, weil alles Geld ausgegeben worden ist.“ Weiter wären ihm wichtig: ein Ortsentwicklungsplan („daran hängt schon viel“), der Naturschutz, ein Energiekonzept, die Wiederbelebung des Ortskerns vor allem durch Geschäfte. Am Ende lächelt er und sagt: „Ich habe kein Problem mit schwierigen Situationen.“

Porträts

Vor der Bürgermeisterwahl in Baierbrunn am 11. März stellen wir alle drei Kandidaten vor. In den nächsten Tagen folgen die Berichte über Felix Maiwald (CSU) und Wolfgang Jirschik (ÜWG).

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