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Das Gebäude des jetzigen Gasthauses „Zur Post“ soll saniert werden und das Lokal mit einem neuen Pächter erhalten bleiben. 

Gasthaus zur Post soll erhalten bleiben

Baierbrunner wollen ihre Wirtschaft nicht verlieren

  • vonAndrea Kästle
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Das Gasthaus „Zur Post“ in Baierbrunn schwächelt schon seit Jahren. Jetzt wollen die Eigentümer das denkmalgeschützte Anwesen anders nutzen. Den Hotelbetrieb aufgeben, auf dem Parkplatz ein Wohnhaus errichten. Die Wirtschaft soll bleiben – mit neuem Wirt. Der Gemeinderat zeigte sich bei der jüngsten Sitzung einverstanden mit den Plänen.

Baierbrunn – Trotz der Hitze am Dienstagabend war der Sitzungssaal im Rathaus voll wie sonst nur bei der Bürgerversammlung. Den Kommentaren der vielen Besucher war zu entnehmen, dass es auch ihnen darum geht, das Lokal in der Dorfmitte auf jeden Fall zu erhalten. In der kleinen Gemeinde, in der vor Jahren schon der letzte Kramerladen zugemacht hat, gibt es sonst keinen Treffpunkt. Die nächste Gaststätte ist der Waldgasthof Buchenhain, der bestens läuft.

„Die Gaststätte ist ein Stück Heimat, wir dürfen sie nicht aufs Spiel setzen“

Entsprechend drehte sich genau darum auch die Diskussion. Dass auf keinen Fall mit der Umgestaltung des geschichtsträchtigen Anwesens die Gaststätte von den Papieren radiert werden dürfe. Es war vor allem die Fraktion der BIG, die darauf drängte, die Bauvoranfrage des Investors, den die Eigentümer offenbar gewinnen haben können, dahingehend zu beantworten. Die Wirtschaft müsse bleiben. Hans-Peter Hecker: „Die Gaststätte ist ein Stück Heimat, wir dürfen sie nicht aufs Spiel setzen.“ Die Nutzung als Lokal sei festzuschreiben, eine Umnutzung würde man dann halt nicht genehmigen. Man müsse auch dem Investor nicht gleich alles abkaufen, so wie er sich das denke. Man könne mitgestalten.

Oliver Knab gab außerdem zu bedenken, dass es Ärger geben könnte mit den Wohnungen, die ja zum Teil dann über Gaststätte und Biergarten liegen. „Wie soll da eine friedliche Koexistenz möglich sein?“ Er dachte laut darüber nach, ob nicht doch der Saal, den es dort gibt, aufrecht erhalten werden könne.

CSU-Gemeinderat: Wer die Wirtschaft erhalten will, muss auch hingehen

Bürgermeister Wolfgang Jirschik (ÜWG) sowie die CSU und Anton Ley von der SPD konnten dem Vorhaben der Antragsteller hingegen viel abgewinnen. Die Alternative ist, hatte der Rathauschef bei der Vorstellung der Pläne gemeint, „dass das Gebäude verfällt“. Man müsse froh sein, so der Tenor, dass was passiert. Auch Ley meinte zu den anstehenden Sanierungsmaßnahmen: „Ich möcht’s nicht machen.“ Bernhard Ketterl, CSU, warf ein, wer die Wirtschaft im Dorf erhalten wolle, der müsse dort auch ab und an einkehren. „Wer von euch war an Fronleichnam in der Post?“, fragte er in die Runde.

Platz für 24 Wohnungen

Konkret vorgesehen ist, im Hauptgebäude selbst je zwei Zimmer des Hotels zusammenzufassen zu insgesamt elf kleinen Wohnungen. Ins Nebengebäude würden ebenfalls Wohnungen kommen – hier sind fünf Einheiten vorgesehen. Der Neubau auf dem Parkplatz ist moderat, dort fänden acht der insgesamt dann 24 Wohnungen Platz. Er hat drei Etagen, Erdgeschoss, erster Stock und ausgebautes Dach. Parkplätze würden in einer Tiefgarage geschaffen. Momentan wird der Parkplatz, auf dessen Fläche früher der Biergarten des Lokals war, genutzt vom Verlag Wort & Bild.

Hotel rentiert sich nicht

Der Neubau im nördlichen Teil des Areals fand im Gemeinderat durchweg Anklang. Er soll ein Satteldach bekommen, die Wandhöhe beträgt 7,25 Meter – das Ganze würde sich wohl gut einfügen in den Mix an alten und neuen Gebäuden, die die Dorfmitte des Ortes ausmachen. Die Eigentümer hatten ihre Initiative damit begründet, dass sich ein Hotel wie das „Strobl“ mit relativ kleinen Kapazitäten in der Nähe von München einfach nicht mehr rentiere. Es gäbe in der Stadt genug Unterkünfte. Die Wirtschaft wolle man ganz neu herrichten – und dann einen passenden Betreiber suchen.

Landratsamt entscheidet

Zur Sitzung war auch Architekt Andreas Schmauser gekommen, Bürgermeister Jirschik bat ihn um eine Stellungnahme. Schmauser meinte dann, ihn würde die Diskussion „irritieren“. Letztlich sei ohnehin das Landratsamt die zuständige Genehmigungsbehörde – und damit sei es fast schon unerheblich, was die Gemeinde sich wünsche oder nicht. „Sie werden nur gehört.“ Andererseits aber wolle man „nicht gegen die Gemeinde handeln“. Er versicherte aber auch noch einmal, dass alle Beteiligten fest vorhaben, „dass die Gastwirtschaft weiter betrieben wird“. Man suche einen „gescheiten Wirt“.

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