„Wir haben aus unseren Fehlern gelernt.“ Robert Mohr, Leiter der Werkssicherheit bei United Initiators (Mitte), beim Info-Abend. Links die neue Werkleiterin Iris Nagl.
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„Wir haben aus unseren Fehlern gelernt.“ Robert Mohr, Leiter der Werkssicherheit bei United Initiators (Mitte), beim Info-Abend. Links die neue Werkleiterin Iris Nagl.

Große Bedenken bei Ausbauplänen von United Initiators

Chemiekonzern in Pullach: „Big Wings“ ist vielen unheimlich

  • VonAndrea Kästle
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Bei der Infoveranstaltung von United Initiators in Baierbrunn formulierten die Besucher ihre Bedenken den Um- und Ausbauplänen des Chemieriesen, die seit 2019 im Isartal zunehmend für Aufregung sorgen.

Baierbrunn – 20 Zuhörer waren gekommen, fast die Hälfte von ihnen aus Pullach. Die Firma war beinah mit ebenso vielen Mitarbeitern und Verantwortlichen präsent. Von der Bürgerinitiative „Haselmaus“, die ein Bürgerbegehren gegen „Big Wings“, wie die Neuordnung der Logistik mit den damit verbundenen Baumaßnahmen firmenintern genannt wird, angestrengt hat und die nötigen Unterschriften auch sammeln konnte, war niemand da. Das Angebot von Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) an die Beteiligten, vor dem Zelt, in dem die Veranstaltung stattfand, einen Infotisch aufbauen zu dürfen, hatte Christian Boeck, Sprecher der Initiative und Baierbrunner, abgelehnt.

Zu nahe am Wohnort

Knapp zwei Stunden dauerte der Abend, an dem die Besucher unter anderem auch in Kleingruppen viele Fragen stellen konnten, der aber auch ein Podiumsgespräch mit Geschäftsführer Andreas Rutsch, der neuen Werkleiterin Iris Nagl und Jürgen Weiß von der Pullacher Bauverwaltung vorsah. Gegen Ende meinte eine Frau zu den United Initiators-Vertretern: „Wenn Sie ihre Produkte in einem stillgelegten Kohlegrube herstellen, dann ist das kein Problem. Aber nicht an einem Wohnort.“

Keine Baurechtsmehrung

Dass der neue Bebauungsplan, den der Pullacher Gemeinderat ja gerade deshalb aufzustellen beschlossen hat, um der Firma, die seit 110 Jahren in Höllriegelskreuth ansässig ist, Auflagen machen zu können, keine Baurechtsmehrung bedeutet: Eine der Infos, die der Konzern und die Gemeinde Pullach inzwischen gebetsmühlenartig wiederholen, die auch an dem Abend freilich im vorwiegend leeren Zelt vermittelt wurde. Auch die Produktion hat mit dem laufenden Genehmigungsverfahren, das sich noch einige Zeit ziehen wird, nichts zu tun. Momentan werden im Süden von Pullach, direkt an Baierbrunn angrenzend, 32 000 Tonnen organische Peroxide und 28 000 Tonnen Persulfate im Jahr hergestellt. Vor zehn Jahren waren es noch 20 000 Tonnen weniger, die Menge wird stetig steigen – um etwa 2,5 Prozent im Jahr. „Ich will ehrlich sein“, meinte Nagl, „wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, und natürlich wollen wir wachsen“.

Gefahrguttransporte reduzieren

Derweil steht hinter „Big Wings“ das Bestreben, die zahlreichen Gefahrgut-Transporte zu reduzieren, die momentan deshalb nötig sind, weil in Pullach nicht vorrätig gehalten werden kann, was dort produziert wird. Die Chemikalien werden in Mannheim und Hamburg zwischengelagert, was künftig vermieden werden soll. Momentan fahren 50 Lkw die Firma am Tag an, künftig sollen es trotz moderatem Firmenwachstum ein bis zwei weniger sein. „Wir wollen auch Rohstoffe vermehrt über die Bahn beziehen“, kündigte Nagl an.

Vollautomatische Löschanlagen

Aus den Fragen, die die Besucher stellten, war herauszuhören, dass der Chemieriese vor der Haustüre ihnen einfach unheimlich ist. Vor allem Nagl und ihr Kollege Robert Mohr, Leiter der Werkssicherheit, wurden gleich zu Beginn des Abends immer wieder auf die Sicherheit auf dem Firmengelände angesprochen. Nagl: „Die Sicherheitsstandards verbessern sich ständig, da gibt es in Deutschland keinen Stillstand.“ Mohr sagte, die Gebäude auf dem Firmenareal verfügten inzwischen über vollautomatische Löschanlagen, „wir haben aus Fehlern gelernt“. Beim Chemiekonzern, einer von drei Weltmarktführern im Bereich der organischen und organischen Peroxide, hat es in der Vergangenheit bekanntlich mehrfach gebrannt, auch Explosionen hat es gegeben.

Mehrseitiger Farbprospekt

Pünktlich zur Veranstaltung in Baierbrunn hat die Firma einen mehrseitigen Farbprospekt auflegen lassen, in dem alles genau nachzulesen ist: wie der Konzern entstanden ist, was er macht, wie viel er macht.

Die nächste Infoveranstaltung ist am 28. Juli in Pullach, 19 Uhr. In Baierbrunn hatte die Gemeinde die Veranstaltung nicht beworben. Rathauschef Patrick Ott (ÜWG) war zwar dann da, sagte aber nichts. „Das ist Sache der Firma.“

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