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Gibt auf: Bürgermeisterin Barbara Angermaier (BIG) räumt den Chefsessel im Baierbrunner Rathaus. 

Baierbrunner sind überrascht

Bürgermeisterin Angermaier schmeißt hin

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Paukenschlag in Baierbrunn: Bürgermeisterin Barbara Angermaier hat am Montag das Handtuch geworfen. Probleme gab es schon länger im Rathaus.

Baierbrunn – Schon im Herbst war sie eine Weile ausgefallen, offenbar wegen eines kleinen Burnouts. Jetzt ist der Baierbrunner Bürgermeisterin der Job wohl endgültig zuviel geworden: Gestern hat Barbara Angermaier (BIG) aufgegeben.

In der Früh war sie noch im Rathaus – um den erstaunten Kollegen mitzuteilen, sie höre auf. An die Gemeinderäte hatte sie schon am Freitag einen entsprechenden Brief geschickt, gestern legte sie noch eine Mail nach. In der warb sie um Verständnis für ihren Schritt, der ihr „nicht leicht gefallen“ sei, „da ich das Amt sehr gerne ausgeübt habe“. Im Brief bat sie um Entlassung zum 30. November. Theoretisch, meinte ihr Stellvertreter Wolfgang Jirschik (ÜWG,) könne sie damit sofort aufhören. Telefonisch erreichbar war sie gestern für keinen Beteiligten.

Entsprechend hatte Jirschik, der demnächst 68 Jahre alt wird, einen turbulenten Montag. Immer wieder war er im Rathaus, um mit der Verwaltung die nächsten Tage zu besprechen. Heute ist schließlich Gemeinderatssitzung, am Donnerstag die Bürgerversammlung, die schon einmal verschoben wurde und jetzt auf jeden Fall stattfinden soll. „Da müssen wir durch.“ Überrascht von Angermaiers plötzlichem Abgang waren sie alle, Jirschik wie die Vertreter der anderen Fraktionen – bis auf Angermaiers Fraktion BIG, die sich bislang nicht äußern will. Robert Gerb, der einzige Grüne im Gremium, meinte: „Das hätte keiner so erwartet.“

Führungsriege im Rathaus geht

Dass sich die vierfache Mutter, die vor vier Jahren als einzige Kandidatin für den Job ins Rennen gegangen war, aber außer einer Legislaturperiode als Gemeinderätin keine politische Erfahrung mitbrachte, nicht leicht tat an der Spitze der Verwaltung, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Spätestens seit im Sommer 2016 die komplette Führungsriege im Rathaus wechselte , war ihr Führungsstil immer wieder Thema.

Angefangen hatte alles damit, dass der geschäftsleitende Beamte Markus Stark um Versetzung gebeten hatte. Dann ging der beliebte Bauamtsleiter Richard Schmidt nach Straßlach-Dingharting, Kämmerin Diana Lischka folgte ihm nach. Anfang 2017 schließlich der Neuanfang mit drei „Neuen“. Alle hatten gehofft, der Neubeginn würde ein wenig Ruhe einkehren lassen im beschaulichen Baierbrunn.

Diese Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Festzustellen war während der Sitzungen immer eine merkwürdige Anspannung. Angermaier sprach nie frei, hatte zumeist ihre Beiträge schriftlich vorformuliert. Fragen beantwortete in der Regel ihre Geschäftsleiterin Nina Schierlinger. Was die perfektionistische Bürgermeisterin selbst dachte, erfuhr man oft nicht. Erst recht nicht beim Thema der Themen in Baierbrunn, der zu kleinen Grundschule. Ob die neu gebaut werden oder am jetzigen Standort erweitert werden soll: Das beschäftigt das Gremium seit Mai 2014 praktisch nonstop.

Kaum noch Diskussionen im Gemeinderat

Leidenschaftliche Diskussionen hat man im Baierbrunner Gemeinderat derweil schon lang nicht mehr gehört. Die Erörterung von unter Umständen strittigen Punkten, wie die Zukunft der Grundschule, wurde vorsichtshalber ausgelagert in Arbeitskreise. Was einer der Gründe dafür gewesen sein dürfte, dass schon im Juni 2015 die engagierte SPD-Gemeinderätin Michaela Lichtblau genervt ihr Mandat nieder legte. Neuerdings gilt im Gremium die seltsame Regelung, dass Anträge nicht einfach beraten werden. Vielmehr wurde erstmal darüber abgestimmt, ob der entsprechende Antrag überhaupt zur Beratung kommen soll. Robert Gerb ist es passiert, dass eine seiner Ideen gar nicht erst zur Vorlage kam.

Neuwahlen innerhalb von drei Monaten

Wie es jetzt weitergeht? Spätestens drei Monate nach Angermaiers Entlassung muss Baierbrunn neu wählen. Vorher muss allerdings noch geklärt werden, ob das neue Gemeindeoberhaupt den Job wieder wie bisher ehrenamtlich ausüben soll oder ob man sich einen hauptamtlichen Rathauschef leisten will. Davon hängt durchaus manches ab. Ein ehrenamtlicher Bürgermeister darf älter sein als 67 (und könnte also auch Jirschik heißen) und bliebe nur bis zu den nächsten Kommunalwahlen 2020 im Amt. Ein hauptamtlicher müsste jünger sein und würde gleich für sechs Jahre gewählt.

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