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Kern der Gemeinde: Felix Maiwald hat sein Lieblingsmotiv schnell ausgesucht. Der Maibaum steht für das Zentrum Baierbrunns.

Bürgermeisterwahl in Baierbrunn

Er will im Rathaus den Ton angeben

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Es hat minus 4,5 Grad. Felix Maiwald zieht Handschuhe an, er zeigt über das Wirthsfeld Richtung B 11. Hier soll die Grundschule hinkommen. Beziehungsweise: das „neue Ortszentrum“, das dem CSU-Kandidaten fürs Bürgermeisteramt vorschwebt.

Baierbrunn – Der Musiker, das merkt man schnell, wenn man sich mit ihm unterhält, macht schon seit einer Weile Wahlkampf – wenn auch vielleicht nur im Geiste. Die Antworten, die er parat hat auf einige Fragen, sind wohlüberlegt, zugespitzt, vorformuliert. Immer mal wieder im Gespräch bekommt man von ihm ein „Ich sag immer...“ zu hören – und dann führt er zum Beispiel aus, dass es gar nicht schlimm ist, dass er keine Erfahrung hat in der Kommunalpolitik und jetzt trotzdem Gemeindeoberhaupt werden will. Wowereit, bis 2014 Rathauschef von Berlin, habe mal gesagt, man müsse keine besonderen Qualifikationen aufweisen für den Job. Hauptsache, man „brennt“ dafür. „Ich bin nicht verwickelt in alte Geschichten, ich bin nicht fremdgesteuert, ich habe keine finanziellen Interessen.“

Geboren und aufgewachsen ist Felix Maiwald in Buchenhain, wo schon die Eltern wohnten, die Großeltern, die Urgroßeltern, er bezeichnet sich als „Ureinwohner“. Auf seiner Webseite nennt er sich „Felix Maiwald von Buchenhain“, wobei „von Buchenhain“ ein Geonym ist, ein aus einer geographischen Bezeichnung abgeleitetes Pseudonym, für ihn auch ein Alleinstellungsmerkmal im Musikbetrieb. Er ist ja Kontrabassist, hat auf der Musikhochschule in München studiert, ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Bayerischen Symphonieorchesters, besitzt ein eigenes Plattenlabel, die Baierbrunner Kammerkonzerte sind seine Erfindung. Er sagt: „Die Arbeit, eine Verwaltung zu führen, kann man vergleichen damit, als geschäftsführender Vorstand eines Orchesters tätig zu sein.“ Sein Ensemble besteht aus 80 Musikern aus zwölf Ländern. Worauf es ankomme, sei: „mit den Menschen, mit denen man zu tun hat, so respektvoll umzugehen, dass sie einen unterstützen und nicht gegen einen arbeiten.“

Man ist mit ihm – nach einem Tee in dem kleinen Bäckercafé an der B 11 – vom alten Ortskern, also dem Maibaum vor der alten Dorfkirche, der Kälte zum Trotz rübergelaufen Bahnhof, zum Postwaggon, zum Sport- und Bildungszentrum. Mit gesenktem Kopf, der Wind beißt einem ins Gesicht. Überall, wo man vorbeikommt, hat er schon seine Hausbesuche gemacht, bei rund 1000 Leuten hat er geklingelt und sich vorgestellt. Sein Vater ist bei der ÜWG, er war 1995 schon JU-Ortsvorsitzender, er findet, man muss die großen Volksparteien dort stärken, wo ihnen die Mitglieder reihenweise wegbrechen: an der Basis.

Irgendwann steht man mit ihm dort, wo es auch in der Gemeinde im Moment nicht weitergeht. Beim Spielplatz hinterm Kinderhaus „Denk mit!“, das übergangsweise erweitert worden ist durch Container. Ein Bauzaun steht hier herum, dahinter Spiel- und Klettergeräte. Felix Maiwald zeigt zum Horizont, er sagt: „Hier liegen 6000 Quadratmeter, die der Gemeinde gehören.“ Sein Ortszentrum, wenn man so will. Die Zweifachturnhalle, ebenfalls gewünscht, würde er gern Rechterhand hinter dem Sport- und Bürgerzentrum platzieren. Vor die Spielfläche der Kinder käme dann die neue Grundschule. In die er gern, da ist er der einzige der drei Kandidaten in der kleinen Gemeinde, einen „Bürgersaal“ integrieren würde. Weil der Pfarrsaal nicht ausreiche, die Bühnentechnik dort sei veraltet. Ihren Kunstrasenplatz würde er den Fußballern auch gern errichten.

Man hat den Rückweg angetreten – aber will jetzt doch wissen: Wie das alles bezahlt werden soll? „Crowdfunding, Fundraising...“ sagt Maiwald in die Kälte hinein. Er glaube auch nicht, dass die Schule wirklich die 20  Millionen Euro, die für den Neubau immer veranschlagt werden, kosten wird. Das gehe billiger. Er sagt, dass er „Fleiß und Disziplin“ in der Musik gelernt habe. Manchmal sprechen ihn die Leute auf sein recht junges Alter an, er wird heuer erst 40. Dann sagt er immer, Mozart und Mendelssohn seien mit U 40 gestorben, also sie waren, als sie starben, jünger als er. Will heißen: Man soll nichts aufschieben im Leben.

Porträts

Vor der Bürgermeisterwahl in Baierbrunn am 11. März stellen wir alle drei Kandidaten vor. In den nächsten Tagen folgen die Berichte über Felix Maiwald (CSU) und Wolfgang Jirschik (ÜWG).

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