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Mit Rucksack unterwegs: Wolfgang Jirschik beim Abmarsch von der Kirche. 

Bürgermeisterwahl in Baierbrunn

Jirschik hat schon praktische Erfahrung

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Wolfgang Jirschik hat seinen Konkurrenten bei der Bürgermeisterwahl in Baierbrunn eines voraus: Praktische Erfahrung als Gemeindevorstand.

Baierbrunn – Seit drei Monaten ist Wolfgang Jirschik von der ÜWG jetzt im Amt als Interims-Bürgermeister von Baierbrunn. Als man dieser Tage mit ihm einen Spaziergang unternimmt, meint er: „Ich mach es gern.“

Dabei ist es bei weitem mehr als ein netter Nebenjob, was er gerade leistet. Jirschik, der 68 ist und 2014 nicht für den höchsten Job im Rathaus kandidiert hatte, weil er eigentlich seinen Ruhestand genießen wollte, hat wieder eine 40-Stunden-Woche, wie er sagt. Aber: „Ich geh gern mit Menschen um“, und Verwaltungstätigkeiten würden ihm auch Spaß machen.

Man hat sich mit ihm an der neuen Kirche getroffen, und eigentlich will man jetzt gleich loslegen damit, ihm Fragen zu stellen. So viel Zeit ist ja auch wieder nicht. Aber, so schnell geht das nicht. Weil nämlich Jirschik einem jetzt erst mal erklärt, dass die Kirche auf dem höchsten Punkt von Baierbrunn steht (637 Meter), dass man sich jetzt dem „Mühlgraben“ nähert, weil durch die Gemeinde früher nach heftigem Regen ein Bach plätscherte, der dann auch eine Mühle antrieb. Noch, sagt Jirschik, befände man sich auf Boden, der der Altmoränenlandschaft zuzurechnen ist. Aber Buchenhain liegt schon auf der Schotterebene. Er war, man merkt es, Lehrer von Beruf.

Wolfgang Jirschik ist in Pullach geboren, 1963 zogen die Eltern nach Buchenhain. Er hätte gern Glaziologie studiert, hat sich aber abschrecken lassen von den nicht vorhandenen Jobaussichten. Und dann doch das Vernünftige gemacht. 17 Jahre hat er in der Realschule unterrichtet, dann wechselte er ans Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, wo er 20 Jahre „am Gängelband des Ministeriums“ unter anderem dafür zuständig war, Lehrern jeweils die Neuerungen im Lehrplan „schmackhaft zu machen“.

Man hat jetzt schon das Einheimischenmodell von Buchenhain hinter sich gelassen, kommt an einem freien Grundstück vorbei, das der Gemeinde gehört und auf dem Jirschik gern eine Blumenwiese wachsen lassen würde. Für die Vögel und Bienen. Schräg gegenüber die Baulücke, in die bald kommunale Wohnungen kommen sollen, „ich würde das gern 2019 angehen, wenn ich gewählt werde“.

Jirschik ist einer, der sich gut ausdrückt, der gern redet, der aber auch konkret die Fragen beantwortet. Er hat erst gedacht, er verzichtet komplett auf einen Wahlkampf, weil man ihn ja ohnehin kennt in Baierbrunn. Und weil er in den letzten drei Monaten auch viel öffentlich in Erscheinung getreten ist, „um zu repräsentieren“, was dazugehöre, aber nicht das Wichtigste sei. Am Ende hat er doch noch Plakate von sich aufstellen lassen, 20 Stück. „Ein bissl was muss man doch machen.“

Seit 1971 ist er bei der ÜWG, mit berufsbedingten Unterbrechungen gehört er seit 13 Jahren dem Kommunalgremium an. Wo er sich regelmäßig zu Wort gemeldet hat, immer sachlich blieb. Er ist ein unaufgeregter Mensch, der beim Wandern in den Bergen Erholung findet und für den Bund Naturschutz aktiv ist. Er hat zwei Söhne und drei Enkel. Beschäftigt sich gern mit Ortsgeschichte und würde gern wieder Spaziergänge durch die Gemeinde anbieten.

Inzwischen ist man vorbeigekommen an der Lehmgrube, von der früher der Lehm in einer Seilbahn zur Ziegelei in Baierbrunn geschaukelt wurde. Die Schotterebene liegt schon wieder hinter einem. Man trifft jetzt auf den Stufen, die von der Kirche runterführen, ein älteres Paar. Beide grüßen Jirschik, der Mann sagt zu ihm: „Ich werd Sie in zwei Wochen wählen“, Jirschik gibt vorsichtig zurück: „Es ist Ihre Entscheidung.“

Dann schaut er einen an und sagt: „Ein Hobby hab ich Ihnen noch verschwiegen. Was glauben Sie, was das ist?“ Man hat natürlich keine Ahnung. Dann erzählt er von der Modelleisenbahn, die daheim auf dem Speicher, wenn er das will, ihre Runden dreht. Jetzt weiß man auch, warum er gern davon spricht, dass er Projekte aufs Gleis setzen will.

Porträts

Vor der Bürgermeisterwahl in Baierbrunn am 11. März haben wir nun alle drei Kandidaten vorgestellt. Mit Wolfgang Jirschik endet die Reihe.

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