Dem Brauchtum verpflichtet: Richardl Händl in Aktion als Trachtenvorstand, in dem Fall beim Gaufest vor drei Jahren (auf dem Bild mit einer Trachtlerin vom Patenverein).
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Dem Brauchtum verpflichtet: Richardl Händl in Aktion als Trachtenvorstand, in dem Fall beim Gaufest vor drei Jahren (auf dem Bild mit einer Trachtlerin vom Patenverein).

Richard Händl hilft als Ehrenamtlicher mit

Bairisch im Impfzentrum - Der Dialekt wirkt beruhigend

  • vonAndrea Kästle
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Ehrenamtlich hat sich der Baierbrunner Richardl Händl im Impfzentrum Oberhaching engagiert. Für die Menschen vor der mpfung habe es sich als beruhigend herausgestellt, wenn er Bairisch spricht.

Baierbrunn – Ende letzten Jahres ist Richard Händl, Abteilungsleiter bei einer Firma für Flugsimulatoren, in Ruhestand gegangen. Aber er ist einfach nicht der Typ, der daheim sitzt und Däumchen dreht und darauf wartet, dass die Zeit vergeht. Deshalb hat er sich auch gleich, als er noch berufstätig war, für ein Ehrenamt im Zusammenhang mit den anstehenden Impfungen beworben bei den Johannitern. Das füllt er jetzt seit drei Monaten aus – und hat inzwischen lustigerweise eine Festanstellung angeboten bekommen.

Und zwar, weil er – neben anderen Qualitäten freilich – eine ganz besondere Fähigkeit mit in die neue Beschäftigung gebracht hat: Er ist, geboren in Neufahrn bei Egling, des Bayerischen mächtig und spricht immer Mundart. Damit habe er im Impfzentrum in Oberhaching, wo er eingesetzt ist, ungeahnte Erfolge erzielt, erzählt er und lacht: „Es hat sich rausgestellt, dass die Leute sich unheimlich beruhigen lassen, wenn ich mit ihnen Bairisch rede.“

Viele, die kommen zum Impftermin, seien doch sehr nervös und hätten Angst. Die Diskussion um den Impfstoff von Astrazeneca machte das Ganze nicht unbedingt besser – auch wenn in Oberhaching vor allem die Vakzine von Biontech und Moderna zum Einsatz kommen. Es sieht fast so aus, als ob die Betroffenen, die sich immunisieren lassen können, sich sicherer und geborgener fühlen, wenn ihnen freundlich gesagt wird: „Jetzt setzen’s eana erstmal da hi“ und nicht: „Nehmen Sie bitte hier Platz!“

Richard Händl ist in Baierbrunn, wo er seit 35 Jahren wohnt, freilich kein Unbekannter. Lang war er bei der Feuerwehr aktiv als Gruppenführer, und seit sechs Jahren steht er den Georgenstoana vor, dem örtlichen Trachtenverein, der in der kleinen Gemeinde hoch angesehen ist. Weil die Burschen und Madln zum einen alle fünf, sechs Jahre, den Maibaum aufstellen. Aber auch, weil die Trachtler eben ziemlich aktiv sind. Es gibt eine Kinderplattl-Gruppe, und es sind ebenfalls die Trachtenvereinsmitglieder, die alle Jahre wieder die Sternsinger im Ort herumgehen lassen. Erst 2018 haben Händl und die Seinen das Gaufest organisiert, das die ganze Gemeinde, so sah es aus, zum Feiern zusammengebracht hat.

Freilich haben auch die genau 102 Jahre alten Georgenstoana im letzten Jahr nicht viel ausrichten können, auch ihr Terminkalender wurde durch Corona zusammengestrichen. Er habe, meint dieser Tage Richard Händl, ein wenig Angst vor allem um den Nachwuchs, die Motivation der Kinder, an den Plattlerproben teilzunehmen, speise sich natürlich aus der Aussicht auf öffentliche Auftritte. Aber genau die sind ja momentan nicht drin. „Ich hoffe, dass das, was wir über Jahre aufgebaut haben, jetzt nicht zerstört worden ist.“

40 Stunden im Monat ist er für die Johanniter im Dienst, zusätzlich fährt er Bekannte, die darauf angewiesen sind, zum Arzt oder hilft bei Besorgungen. Das Angebot, sich fest anstellen zu lassen im Impfzentrum, hat der 66-Jährige ausgeschlagen. „Ich will meine Rente flexibel gestalten.“

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