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Ousmane beim Selbsternte-Projekt mit Hedwig Rost vom Helferkreis und Stefan Erbacher aus Baierbrunn.

Flüchtlinge gehen in den Senegal zurück, Hilfe aus Baierbrunn

Neuanfang mit Hühnerstall

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Ousmanes und Babacars Asylanträge wurden abgelehnt. Sie verlassen Baierbrunn und gehen zurück in den Senegal - mit einem Plan.  

Baierbrunn/Pullach –  Der eine Rückkehrer ist bereits wieder daheim bei seiner Familie, er hat dort eine Hühnerzucht auf die Beine gestellt. Der andere will jetzt die Landwirtschaft des Vaters, die brachliegt, seit das Pferd der Familie gestorben ist, wieder in Schwung bringen.

Babacar ist 34, ein junger Mann, der einen auf Fotos freundlich anlächelt. Er war bei den rund 100 vorwiegend jungen Leuten dabei, die im Sommer 2015 praktisch vom einen Tag auf den anderen der Gemeinde Pullach vor die Tür gesetzt worden waren vom Landratsamt. Und die dann behelfsmäßig in der Turnhalle der Hauptschule einquartiert worden sind. Später wurde er verlegt in die Traglufthalle nach Unterhaching. Von dort kam er nach Baierbrunn. Die ganze Zeit hatte zu ihm Hedwig Rost, die bekannte Künstlerin aus Pullach, die mit ihrem Mann Jörg Baesecke die „Kleinste Bühne der Welt“ betreibt, Kontakt – sie unterrichtete ihn in Deutsch. Babacar bekam schließlich seinen Ablehnungsbescheid. Daraufhin beschloss er, es zu probieren mit der Selbstständigkeit in der Nähe von Dakar, wo er herkommt. Hedwig Rost sammelte für ihn Geld im Freundeskreis: „Es ist dann doch einiges zusammengekommen, soviel jedenfalls, dass er sich das Nötigste zulegen konnte.“

Ousmane will auch in der Landwirtschaft arbeiten. Sein Vater, meint er bei einem Treffen in Baierbrunn, bei dem ein Freund von ihm übersetzt, besitze ausreichend Land, um darauf Erdnüsse, Mais und Hirse anzubauen. Der 38-jährige, eher zurückhaltende Mann sagt, das größte Probleme dabei sei die Trockenheit. In der Region Kaolack, in der sein Heimatdorf liegt, regnet es nur drei Monate im Jahr. Die Leute bräuchten eigentlich Bewässerungssysteme, Brunnen – all das fehlt. Er will jetzt trotzdem noch einmal sein Glück versuchen.

Babacar mit seinen Hühnchen, die inzwischen schon recht groß gewachsen sind. Bis zum Ende des Ramadan sollen sie schlachtreif sein.

Drei Schwestern habe er und vier Brüder, erzählt Ousmane. Er selbst hat Ackerbau gelernt. Zusätzlich ermutigt, doch die brachliegenden Felder in Kaolack zu bewirtschaften, habe ihn das Selbsternteprojekt, das in Baierbrunn Stefan Erbacher, der Leiter des Helferkreises, und seine Frau Karin Smith aufgezogen haben. Hobbygärtner aus der Gemeinde bewirtschaften dort zusammen mit Geflüchteten 24 Parzellen in einer Baulücke, die die Erbachers günstig pachten konnten. Letztes Jahr wurden dort einige Riesen-Zucchini geerntet, Ousmane hat in seinem Beet auch Salat, Radieschen und Karotten gezogen, mit großem Spaß. So etwas auch im Senegal aufzuziehen, schwebt ihm jetzt unter anderem ebenfalls vor.

Für Geflüchtete, die freiwillige zurückkehren in ihr Heimatland und nicht, was auch viele machen, untertauchen, zahlt die Organisation „Coming Home“ den Rückflug. Zusätzlich werden Betroffene, die konkrete Pläne vorlegen können für einen Neuanfang in dem Land, aus dem sie einst geflohen sind, auch finanziell unterstützt. Aber Babacar hat für sein Vorhaben keine Mittel aus den Fördertöpfen bekommen – und auch das Projekt von Ousmane erschien den Verantwortlichen nicht zuschussfähig.

Eigentlich bräuchte er, um perfekt ausgestattet zu sein als Ackerbauer, rund 20 000 Euro, hat Ousmane sich ausgerechnet. Wobei ja der Witz ist, dass die landwirtschaftlichen Geräte, die allesamt aus Europa nach Afrika exportiert werden, dort teurer sind als bei uns. Mit 5000 Euro sei ihm, meint der Mann, aber auch schon gedient. Wichtig sei unter anderem eine Wasserpumpe.

Wie viel mit einem Minimum an finanzieller Unterstützung möglich ist – das zeigt das Beispiel seines Freundes Babacar. Dieser versorgt Hedwig Rost regelmäßig mit Fotos und Filmen aus seinem Hühnerstall. Den hatte die Familie schon, früher haben der Vater und ein Bruder wohl auch bereits Hühner gehalten. Babacar zieht dort jetzt 600 Küken groß, mit einfachen Mitteln. Strom gibt es nicht auf dem Gelände, Wasser ebenso wenig. Aber die Kleinen, wie Hedwig Rost von Film zu Film verfolgen kann, wachsen und gedeihen.

Bis zum Ende des Ramadan, hofft Babacar, sollen sie schlachtreif sein – was freilich ohne Wachstumshormone nicht möglich wäre. „Also, Biohühner sind das nicht“, meint an diesem Vormittag die Künstlerin aus Pullach. Sie reist übrigens im Juli in den Senegal. Babacar, der ihr in all der Zeit hier, in der sie ihn unterrichtet hat, ein Freund wurde, hat sie mehrfach eingeladen. Wenn sie ankommt, dürften die meisten Hühnchen schon verkauft sein.

Spenden willkommen

Auch die Gemeinde Baierbrunn will Ousmane in seinen mutigen Plänen unterstützen. Bei seiner letzten Sitzung hat das Kommunalplenum beschlossen, dem Geflüchteten aus dem Senegal 500 Euro zukommen zu lassen. Weitere Spenden sind hochwillkommen und gehen aufs Konto der Evangelischen Kirche Ebenhausen bei der Kreissparkasse München-Starnberg-Ebersberg. IBAN: DE 95 7025 0150 0550 5553 04, BIC: BYLADEM1KMS, Verwendung: Baierbrunn-Hilft Senegal.

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