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Trotz Rollsplitt ist auf dem verschneiten S-Bahnhof in Baierbrunn Trittfestigkeit gefragt.

DB gelobt Besserung

Gefahr für Bahnfahrer: Schlitterpartie am S-Bahngleis

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Schnee, Eis und akute Rutschgefahr: Fahrgäste kritisieren den aus ihrer Sicht mangelhaften Winterdienst am Bahnhof in Baierbrunn. Dort entwickelt sich der Weg zur S-Bahn zunehmend zur Schlitterpartie.

Baierbrunn – Drei Minuten noch bis die nächste S-Bahn in Richtung München einfährt. Langsam füllt sich der Bahnsteig in Baierbrunn. Eine ältere Dame, Anfang 70, eingepackt in einen Wintermantel, geht den Bahnsteig entlang. Sie setzt einen Fuß vor den anderen, ganz langsam, ganz vorsichtig. Bloß nicht ausrutschen. „Hier hätte man wirklich räumen können – nicht nur streuen“, murmelt sie in ihren Wollschal, den sie sich weit ins Gesicht gezogen hat, und geht weiter. Weiter den Bahnsteig entlang, auf dem sich der festgetretene Schnee unter dem Rollsplitt mittlerweile in eine gefährlich rutschige Masse verwandelt hat. Hier am Baierbrunner Bahnhof wird der Weg zum Zug zur Schlitterpartie.

Kein Einzelfall, sagt Gregor Kleine. Er hat die Zustände an den vereisten S-Bahnhöfen entlang der Linie 7 genau im Blick – und ärgert sich maßlos. Täglich pendelt der 54-Jährige zwischen Wolfratshausen und seinem Arbeitsplatz in München. In seiner Heimatgemeinde ist Kleine seit 2010 Bahnhofspate. Seine Aufgabe: Mängel am Bahnhof – oder eben beim Winterdienst – aus Kundensicht erkennen und der Deutschen Bahn (DB) melden. Mittlerweile beschränkt er sich aber schon lange nicht mehr auf den Wolfratshauser Bahnhof. Denn besonders die Bahnsteige in Ebenhausen und Baierbrunn geben ihm Grund zu Sorge.

Brief an die Bahn: „Sicherheit nicht mehr gewährleistet“

„Trotz einer Woche ohne Schneefall sind die Bahnsteige noch immer komplett verschneit“, bemängelt Kleine in einer Nachricht an die Deutsche Bahn, die dem Münchner Merkur vorliegt. „Es ist überhaupt kein Winterdienst feststellbar.“ Gerade morgens seien in Baierbrunn zentimeterdicke Eisplatten zu erkennen, die bis zur Bahnsteigkante reichen. In Ebenhausen sei der komplette Sicherheitsstreifen vereist. Hinzukommt, dass der festgetretene Schnee tagsüber taue, dann nachts wieder gefriere und sich so in gefährliches Glatteis verwandele. Für die allmorgendlichen Pendler steige so das Verletzungsrisiko.

„Die Sicherheit der Fahrgäste ist nicht mehr gewährleistet“, schreibt Kleine und fordert die DB auf, die betroffenen Bahnsteige „so schnell wie möglich eisfrei“ zu machen.

DB weiß Bescheid - und will handeln

Der Bahn sind die Umstände an den Bahnsteigen durchaus bekannt. Sie ist zwar für die S-Bahnhöfe zuständig, die Schuld tragen offenbar aber andere. Denn den Winterdienst übernehmen örtliche Subunternehmen. Auf die verlasse man sich, sagt ein DB-Sprecher. Die Firmen müssten jedes mal „Vollzug“ melden, wenn sie ihren Bahnhof geräumt haben. Jedoch gebe es „ein paar schwarze Schafe“, die sich in der Service-Zentrale melden, ohne etwas getan zu haben. „Da sind wir aber dran“, beteuert der Sprecher.

Dabei ist die Arbeitsanweisung an die Firmen unmissverständlich: „Der Weg zur Bahnsteigkante muss sicher sein.“ Auf den Treppen bedeutet das: Ein Handlauf muss ohne Probleme zu erreichen sein. Am Bahnsteig muss der Sicherheitsstreifen und „ein bisschen mehr“ eis- und schneefrei sein. Eben so, dass die Fahrgäste den Zug erreichen, ohne Gefahr zu laufen, auszurutschen und sich dabei zu verletzen.

Damit es dazu erst gar nicht kommt, wolle sich die DB nun darum kümmern, so versichert der Sprecher, dass an den betroffenen Bahnsteigen der festgetrampelte Schnee und die Eisplatten zügig entfernen werden. Zumindest bis zum nächsten Schneefall dürften die Fahrgäste dann auch in Baierbrunn wieder sicheren Fußes zur S-Bahn kommen.

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