„Zuhause versuchen wir, auf Produkte, die es nicht unverpackt gibt, zu verzichten.“ Katharina Schön.
+
„Zuhause versuchen wir, auf Produkte, die es nicht unverpackt gibt, zu verzichten.“ Katharina Schön.

Mit Müsli, Reis und Trockenfrüchten

Katharina Schön ist mit ihrem „Unverpackt-Truck“ in Baierbrunn

  • vonAndrea Kästle
    schließen

Die Premiere für Katharina Schön ist geglückt. Der erste Verkaufstag aus dem Unverpackt-Mobil in Baierbrunn fiel zusammen mit den ersten Tagen, an denen sie mit ihrem Truck überhaupt unterwegs ist.

Baierbrunn – Baierbrunn gegenüber dem Maibaum: Das ist eigentlich nicht der Platz, wo sich normalerweise Menschentrauben bilden. Trotzdem haben sich hier am Dienstag einige Leute getroffen, die dann nacheinander einem olivgrün angemalten Auto zustrebten. Und dann kauften sie dort ein, beim „Unverpackt-Truck“ von Katharina Schön, der künftig einmal in der Woche die kleine Gemeinde anfahren wird. Eineinhalb Stunden lang kann, wer will, sich dann dort eindecken mit Getreide, Nüssen, mit Nudeln und Reis – wobei eben alles eigens für den jeweiligen Kunden abgefüllt wird. Am besten ist natürlich, man bringt die Gefäße dafür selbst mit. Die Sachen sind alle bio.

Bei der Premiere: beste Stimmung am Platz. Die ersten Neugierigen hatten sich schon um 13 Uhr vor der Raiffeisenbank eingefunden, als dann eine halbe Stunde der olivgrün angemalte, entsprechend umgerüstete Mercedes Sprinter um die Ecke bog beim Gasthof zur Post: großes Hallo. Katharina Schön stieg aus, klappte eine Seitentür ihres Trucks hoch zum Laden-Dach, stellte sich hinter ihre Kasse – und los ging’s.

„Wunderbar“ sei dieses Angebot, freute sich Katja Klotz, die gleich auch als allererste im mobilen Unverpackt-Laden einkaufte. Sie versuche, wo sie könne, meinte die Mutter, die mit Mann und zwei Kindern gekommen war, Verpackung zu vermeiden. Sie wasche sich schon lange die Haare mit einer Haarseife, und abgespült werde bei ihr mit gestrickten Spüllappen. Eine andere Frau im gestreiften T-Shirt meinte, sie werde sich jetzt gleich eindecken mit Nüssen, Nudeln, Reis, „mal schauen, was es gibt“. Kurz drauf kam ÜWG-Gemeinderat Alexander Lechner an mit einem Glas Quinoa-Beeren-Müsli. Er strahlte.

Dabei fiel der erste Verkaufstag aus dem Unverpackt-Mobil in Baierbrunn zusammen mit den ersten Tagen, an denen Katharina Schön mit ihrem fahrbaren Unternehmen überhaupt unterwegs ist. Am Freitag zuvor hatte sie ihr Unternehmen erst begonnen. Nach Starnberg und Geretsried war die kleinste Gemeinde im Landkreis München ihre dritte Station. Künftig wird sie auch bei den Wochenmärkten in Pullach und im Fasangarten vertreten sein.

Umweltverträgliches Einkaufen liege ihr, erzählte sie dann am Abend am Telefon, sehr am Herzen: „Wir versuchen zuhause, keinerlei Verpackungsmüll zu verursachen.“ Mit Mann und zwei Kindern war sie vor Corona nach Südamerika auf Reisen gewesen, mit einem Camper. Das Abenteuer mussten sie dann wegen der Pandemie abbrechen. Gleichzeitig erfuhr die BWL-erin, dass ihr Arbeitgeber, ein Unternehmen im Sport- und Modebereich, Insolvenz angemeldet hatte. „In der Nacht, als klar war, dass wir heimfahren, hab ich die ganze Zeit überlegt, was ich jetzt machen soll. Irgendwann kam mir die Idee mit dem Truck.“ Die Vorstellung, weiterhin unterwegs sein zu können, wenn auch in weniger exotischer Umgebung, habe ihr gefallen.

250 bis 280 Artikel habe sie im Sortiment, von etwa 30 Lieferanten bezieht sie Lunchboxen aus Edelstahl, Deckel für Coffee-to-go-Becher aus Baumsaft, Passiertücher aus Biobaumwolle, dann alle möglichen Seifen, Süßigkeiten wie Erdnüsse, mit Vollmilch überzogen, außerdem verschiedenste Sorten Müsli, Getreide, Nüsse. Die Preise hätten, sagt sie, Bioladen-Niveau. Obst und Gemüse gibt es bei ihr nicht, wie eine ältere Dame in Baierbrunn leicht enttäuscht feststellte. Eingekauft hat sie dann aber trotzdem.

Die Erfahrungen der ersten Tage habe ihre Erwartungen bei weitem übertroffen, meinte die 40-jährige Wolfratshauserin und klang hochzufrieden. Eigentlich will sie in Baierbrunn nur jeweils eineinhalb Stunden ihren mobilen Laden offenhaben, jeweils dienstags von 13.30 bis 15 Uhr. Aber gleich am ersten Tag dort musste sie überziehen, es waren einfach zu viele Kunden gekommen. „Das war sehr erfreulich.“

Gesorgt dafür, dass auch Baierbrunn auf ihrer Route liegt, hat übrigens der vor kurzem gegründete Dorfverein. Auch Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) freut sich über das Projekt: „Das find’ ich eine super Idee.“ Weil damit die Baierbrunner endlich wieder eine Einkaufsmöglichkeit vor der Haustür haben – es gibt in dem idyllischen Dorf ja sonst nur noch den Aldi.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare