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Mit ihrer neuen Harfe: Jasmin Binde aus Baierbrunn tritt beim Bundesentscheid von Jugend musiziert an.

Jugend musiziert

Knapp 50 Saiten bestimmen ihr Leben

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Jasmin Binde (17) aus Pullach nimmt am Bundeswettbewerb Jugend musiziert teil. Nebenbei geht sie klettern und reiten.

Baierbrunn – Lustige Stelle des Gesprächs. Jasmin Binde sagt: „Ich setze mir Prioritäten.“ Sie ist Schülerin, sie macht viel Musik. Dass sie sich Prioritäten setzt, heißt nicht nur, dass sie viel übt. Sondern es heißt vor allem, dass sie von den sieben Instrumenten, die sie spielt, sich im Moment vor allem auf die Flöte und die Harfe konzentriert. Und zusätzlich auf ihren Gesang. Vor kurzem hat sie die Landesausscheidung von „Jugend musiziert“ in der Solowertung Harfe gewonnen. Am 3. Juni tritt sie an auf Bundesebene gegen Gleichaltrige. Sie ist 17, nächstes Jahr macht sie in Pullach Abitur.

Im Sommerkleid sitzt sie einem dieser Tage gegenüber auf der Terrasse bei sich daheim in Baierbrunn. Die Mutter hat Lübecker Marzipan auf den Tisch gestellt, die Tochter sagt: „Lübeck ist super, das ist mein Lieblingsort.“ Sie würde gern dort auf die Musikhochschule gehen. Andererseits bliebe sie fürs Studium (natürlich: Musik) auch gern in München: „Ich hab noch soviel andere Sachen hier“. Sie klettert und sie reitet nämlich auch noch.

Der Zeitbegriff ist ja, man weiß es, durchaus relativ. Bei Jasmin Binde bekommt man allerdings, wenn man ihr so zuhört, das Gefühl, ihre Tage würden irgendwie über heimliche Zusatz-Stunden verfügen. Neben der Schule, die ja ein Jahr vor dem Abitur durchaus auch einigen Raum einnehmen dürfte, spielt sie in drei Orchestern. Die alle ihre Arbeitsphasen haben. Eines der Ensembles probt auch durch, das ganze Jahr über. Allein an der Harfe sitzt sie zwei Stunden am Tag. Gleichzeitig interessiert sie sich momentan für die Biographien von Komponisten. Und wenn am Otfried-Preußler-Gymnasium ein musikalischer Rahmen gebraucht wird für irgendeine Veranstaltung – dann ist Jasmin Binde meist dabei.

Es ist dann schon fast beruhigend, dass sie irgendwann an diesem Nachmittag auch sagt: Also dafür, sich außerhalb von musikalischen Verabredungen noch zu treffen mit Freundinnen, die sie ohnehin in der Schule sieht, habe sie einfach keine Kapazitäten mehr frei. „Wann soll das noch gehen?“, fragt sie und schaut einen an mit ihren hellen Augen. Eben.

Im Wohnzimmer stehen ihre zwei Harfen, eine kleinere Salvi mit 40 Saiten und die neue von Lyon & Healy, die sie erst vor kurzem bekommen hat, mit 47 Saiten, sieben Pedalen. Die jeweils dreistufig zu bedienen sind. Auch die Mutter spielt Instrumente, aber seit dem Urgroßvater, von dem Jasmin wohl ihr Talent geerbt hat, hat niemand in der Familie soviel Musik gemacht wie sie. Dabei war der Urgroßvater eigentlich Polizist. Nach Feierabend gab er Geigenunterricht, und seine Geige, die, wie Jasmin sagt, immer „herumlag“, war es auch, die in ihr dann, als sie fünf war, den Wunsch aufkommen ließ, dieses Instrument zu erlernen. Mit sechs fing sie mit der Harfe an, dann kamen nach und nach Querflöte, Klavier, Gitarre und vor einem Jahr Orgel hinzu.

Auf der Terrasse sagt sie irgendwann, über die Musik könne sie „sehr viel ausdrücken, das ist irgendwie ein Zufluchtsort für mich“. Musik sei „die Sprache der Seele“, die Geschichten, die Komponisten erzählen mit ihren Melodien, würden sie berühren. Vorbilder habe sie keine, allerdings mag sie sehr eine Flötenprofessorin aus Lübeck, „wegen ihres freundlichen Auftretens“.

Jetzt muss sie weg, sie hat noch Orchesterprobe in Pasing. Welches Instrument am schwersten zu spielen ist? Im Prinzip, sagt sie und lacht einen an, „ist jedes Instrument schwierig, auch der Gesang ist nicht ohne“.

Beim Bundeswettbewerb in Paderborn wird sie wieder spielen, was sie schon in der Regionalausscheidung und auf Landesebene aufgeführt hat: Werke von Salzedo, Viotti, Felix Godefroid und Jacques Ibert. Sie sagt: „Ich bin mit meinem Programm so weit gekommen. Ich muss nicht aufgeregt sein.“

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