„Wir wollen dafür sorgen, dass bei uns nicht nur Einrichtungen geschlossen werden, sondern dass auch mal wieder was aufmacht“: die Aktiven aus dem Dorfverein Baierbrunn vor den Räumen des Bauunternehmens Kern, in denen sie gern ein Bistro eröffnen würden. Das Foto zeigt (v.l.) Meinolf Ramsel, Petra Bokowski, Stefan Erbacher, Karin Smith, Stephanie Lichtenberg und Tanja Misiak.
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„Wir wollen dafür sorgen, dass bei uns nicht nur Einrichtungen geschlossen werden, sondern dass auch mal wieder was aufmacht“: die Aktiven aus dem Dorfverein Baierbrunn vor den Räumen des Bauunternehmens Kern, in denen sie gern ein Bistro eröffnen würden. Das Foto zeigt (v.l.) Meinolf Ramsel, Petra Bokowski, Stefan Erbacher, Karin Smith, Stephanie Lichtenberg und Tanja Misiak.

Neu gegründeter Dorfverein will in Baierbrunns Ortsmitte ein Bistro eröffnen

Vier Wertesäulen für die Wiederbelebung

  • vonAndrea Kästle
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Schlafstadt-Atmosphäre in der Ortsmitte von Baierbrunn? Damit soll jetzt Schluss sein: Ein neu gegründeter Dorfverein arbeitet aber der Wiederbelebung.

Baierbrunn – Baierbrunn ist in den vergangenen Jahren mehr oder weniger entschlafen. Der Gasthof „Zur Post“ sperrte zu, der Kramer Stahuber hatte schon Jahre zuvor die Regale ausgeräumt und dichtgemacht. Aber jetzt regt sich wieder etwas, ein Dorfverein hat sich gegründet, mit nur einem einzigen Ziel: „Wir wollen wieder Leben ins Zentrum kriegen“, sagt Stefan Erbacher, Gründungs- wie Vorstandsmitglied.

Es ist wirklich ein Jammer. Es gibt außer dem Bäcker und dem kleinen Obstladen, in dem sich auch die Post befindet, kein Geschäft mehr in der kleinsten Gemeinde des Landkreises. Einkaufen kann man dort nur im großen Stil, beim Aldi nämlich, der freilich im Gewerbegebiet liegt, ab vom Schuss. Wer sich treffen will mit anderen, kann ins Café gehen, das zum Bäcker gehört, für längere Gespräche ist das aber nicht so geeignet. Eher für den schnellen Kaffee mit einem süßen Teil dazu.

Das alles soll jetzt besser werden. Um das Zentrum zu beleben, wollen die Initiatoren des Dorfvereins vor allem eines tun: ein Bistro aufmachen. Und zwar in den Räumen der Bauunternehmung Kern, die zentral liegt, ihr Geschäft an der Stelle irgendwann im Herbst aufgeben wird. Kern hat am nördlichen Ortsausgang ausnahmsweise mal für sich selbst gebaut. Lustigerweise war in den jetzigen Räumen früher schon mal ein Lebensmittelgeschäft, und das Gebäude gehört noch immer dem Sohn des damaligen Inhabers, Ralph Hirn.

Crowdfunding für die Finanzierung

Allerdings, bis das Ganze soweit ist, wird noch ein bisschen Wasser die nahe gelegene Isar hinunterfließen. Bis dahin will der Dorfverein nicht untätig sein und ganz im Gegenteil die Zeit nutzen, um Geld zu verdienen, das man freilich braucht, um das Bistro einrichten und auch die Miete zahlen zu können. Deshalb werden die Baierbrunner diesen Sommer schon in ihrer Gemeinde immer wieder über einen Eiswagen stolpern, der vom Verein betrieben wird. Dort wird Bio-Eis verkauft, zu den üblichen Preisen, alles geht ohne Abzüge in die Bistro-Kasse. Gleichzeitig soll ein Crowdfunding gestartet werden bei der Raiffeisenkasse, die ihrerseits wiederum zugesagt hat, alle gespendeten Beträge bis zu 20 Euro zu verdoppeln.

„Wir wollen Menschen aus unterschiedlichen Richtungen zusammenbringen“, sagte dieser Tage bei einem Fototermin Stephanie Lichtenberger, die zweite Vereinsvorsitzende. Es sei rund um den Verein, dem rund 25 Baierbrunner, wie sie angekündigt haben, gern beitreten würden, „unglaublich viel Kraft spürbar“. Man habe es geschafft, freute sich derweil Tanja Misiak, ein Gründungsmitglied ohne Funktion, „über die Straßen hinweg einen partizipativen Prozess in Gang zu bringen. Wir sind sehr inklusiv unterwegs.“ Alles sei über Monate hinweg bestens vorbereitet worden, die Gründungsversammlung war dann am 8. April. Online, versteht sich.

In der Satzung habe man vier Wertesäulen festgeschrieben, auf denen alle Aktivitäten aufbauen sollen. Bürgerschaftliches Engagement, Gemeinschaft, Kunst/Kultur und Klima- wie Umweltschutz. „Wir sind“, versicherten die Beteiligten, „offen für die Ideen aller Bürger.“ Bürger aus anderen Gemeinden sind auf die Aktivität der Engagierten längst aufmerksam geworden, demnächst wird eine Stuttgarterin sich vom Verein erklären lassen, wie der sich organisiert.

Bürgermeister lobt die Aktivitäten

„Das ist eine ganz tolle Sache“, sagt Bürgermeister Patrick Ott zu den Aktivitäten des Dorfvereins. Es sei erfreulich, dass sich in Baierbrunn was bewege. Man werde die Anstrengungen der Beteiligten unterstützen, soweit nur irgendwie möglich.

Wie es jetzt weitergeht? Mit Eisverkauf und weiteren Treffen, bei denen Ideen fürs Bistro ausgetauscht werden. Eine Konkurrenz zum Café wolle man auf keinen Fall sein, eher eine Nische besetzen. Könnte auch sein, dass übers Café Obst und Gemüse aus der solidarischen Landwirtschaft verkauft werden, könnte sein, dass das Ganze als Genossenschaft funktionieren wird, die sämtliche Gewinne reinvestiert. Und so ermöglicht, dass auch Veranstaltungen wie Lesungen stattfinden können, mit denen man gemeinhin ein Defizit macht. Eine Kaffeemaschine hat der Verein schon geschenkt bekommen, die muss nur noch repariert werden.

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