Tapfer lässt dieser kleine Bub einen Abstrich nehmen. Der Starnberger Arzt Florian Gundel hatte unbürokratisch einen Reihentest am Sportzentrum möglich gemacht.
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Tapfer lässt dieser kleine Bub einen Abstrich nehmen. Der Starnberger Arzt Florian Gundel hatte unbürokratisch einen Reihentest am Sportzentrum möglich gemacht.

Spontaner Reihentest – Hunderte Kinder in Quarantäne

Nach Hochzeit ist Baierbrunn Hotspot: Schlange stehen für den Abstrich

  • vonAndrea Kästle
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Seit sich in Baierbrunn Mitglieder zweier Familien bei einer Hochzeit mit dem Coronavirus infiziert haben, befindet sich die Gemeinde in Teilen im Ausnahmezustand. Rund 100 Kinder konnten sich auf dem Areal des Sport- und Bildungszentrums testen lassen.

Baierbrunn – Inzwischen ist die Zahl der Infizierten in der kleinen Isartalkommune auf 18 gestiegen, alle Fälle sind anscheinend aus den beiden Familien. Mindestens ein Betroffener musste zur Behandlung ins Krankenhaus, sagte Bürgermeister Patrick Ott (ÜWG) auf Nachfrage.

Zwei Klassen in der Grundschule, drei Gruppen der Kindertagesstätte und eine Hortgruppe wurden in Quarantäne geschickt. Alle Mädchen und Buben müssen sich noch ein zweites Mal testen lassen. Auch die Mittagsbetreuung im Ort hat ihren Betrieb runtergefahren. Die für gestern Abend angesetzte Gemeinderatssitzung: ebenfalls verschoben. Wenigstens konnte der Rathauschef wieder arbeiten, er hatte sich nach einem Kontakt mit einem mittlerweile positiv Getesteten vorsorglich in eine Einliegerwohnung bei sich zuhause zurückgezogen. Otts Test ist negativ ausgefallen. Im Rathaus wird bis auf weiteres in zwei Schichten gearbeitet, wie auch während des Lockdowns.

Gelassene Stimmung bei Reihentest

Derweil war die Initiative für eine unbürokratische Reihentestung unter freiem Himmel am Donnerstag von einem Starnberger Arzt ausgegangen, Florian Gundel. Er hat früher in Baierbrunn gewohnt und noch immer Kontakte zum örtlichen Sportverein.

Die Stimmung vor Ort war relativ gelassen. Während Gundel befürchtete, ihm könnten die 150 Teströhrchen, die er dabei hatte, ausgehen, war von Panik bei den Eltern, die mit dem Nachwuchs Schlange standen, nichts zu merken. Eher ärgerten sich die Väter und Mütter darüber, jetzt wieder mindestens eine Woche zuhause sitzen zu dürfen. „Ich hatte grade wieder damit angefangen, zwei Tage in der Woche ins Büro zu gehen“, meinte gestern eine Frau bei der Reihentestung und schaute leicht genervt.

„Es gibt erst mal keine Zeit nach Corona, es gibt nur eine Zeit mit Corona.“

Hinter ihr schimpfte ein Mann auf das mangelhafte Krisenmanagement des Kultusministeriums, „das läuft nicht optimal“, meinte er. Es sei doch „klar wie Kloßbrühe“ gewesen, dass mit den Kindern nach Ende der Sommerferien auch das Virus in die Klassenzimmer zurückkehrt. Die Verantwortlichen hätten sich nicht genügend Alternativen zum herkömmlichen Unterricht überlegt. „Es gibt erst mal keine Zeit nach Corona, es gibt nur eine Zeit mit Corona.“

Die Hochzeit, die das beschauliche Baierbrunn zum Corona-Hot-Spot gemacht hat, hätte eigentlich sogar vor Ort stattfinden sollen. Wenn es nach dem Brautpaar und den Angehörigen gegangen wäre. Die Familien hatten schon bei der Gemeinde angefragt, ob sie nicht das Sport- und Bürgerzentrum mieten könnten. Für in etwa 100 Leute drinnen und weitere 200 Gäste draußen. Was Ott dann aber nicht genehmigt hat: „Das schien mir nicht zu verantworten.“

In zwei Baierbrunner Großfamilien grassiert das Coronavirus nach einer Hochzeitsfeier. Das hat gravierende Folgen für den Rest des Ortes und darüber hinaus.

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