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Anita Bischoff (M.) und ihre Mitarbeiter Ziga Naglic und Angie Hering mit Porträts von Pfarrer Carl-Friedrich Burkert.

Ausstellung 

Der Traum vom "Hof Seraphim" 

Baierbrunn - Anita Bischoff stellt bei der Vernissage ihr Projekt für Menschen mit Behinderung vor und präsentiert eindrucksvolle Porträts

„Baierbrunner Gesichter und Chiemsee Impressionen“ heißt die neue Ausstellung im Baierbrunner Rathaus. Bei der Vernissage standen aber weniger die Arbeiten der beteiligten Künstler im Fokus, sondern es ging mehr um das neue Projekt, das die Fotografin Anita Bischoff mittlerweile verfolgt – und das mit Kunst gar nichts zu tun hat. Die gebürtige Baierbrunnerin, die inzwischen im Chiemgau wohnt, will dort eine „ganzheitliche Lebensgemeinschaft“ aufbauen für Menschen mit Behinderung. Und sieben Wohn- und Arbeitsplätze schaffen. Dafür braucht sie allerdings erst noch einen Hof.

Sie sei selbst sehr gläubig, sagte Bischoff, und sie sei dankbar auch für Kleinigkeiten. „Wenn die Leute mehr zu schätzen wüssten, was sie ohnehin haben, wäre die Welt ein Paradies.“ Weshalb es nicht spurlos an ihr vorüberging, als sie vor etwa zwei Jahren per Zufall den Maler Willi Hoppe kennenlernte. Der sitzt im Rollstuhl. Und seine Freundin ist Spastikerin. Eine Freundschaft zwischen den beiden und Anita Bischoff ist entstanden, sie lernte auch andere Menschen mit Behinderung kennen. Fand, die seien „irgendwie ehrlicher und direkter, die sind, wie sie sind“. Inzwischen beschäftigt sie auf dem alten Wagnerhof, den sie und ihr Mann 2010 gekauft haben, drei Praktikanten mit Handicap. Von denen waren zwei mitgekommen nach Baierbrunn, eine von ihnen, eine zarte junge Frau, Angie Hering, sang sogar auch ein Lied.

Und während sich unten die Besucher den selbstgemachten Schafskäse vom Hof schmecken ließen oder im Bildband mit den Kuba-Aufnahmen von Bischoff blätterten, berichtete oben die Fotografin davon, dass sie inzwischen melken könne. Dass Schafe leichter dazu zu bewegen seien, ihre Milch herzugeben. Dass man, wenn man einmal melken kann, immer melken kann. „Das ist wie beim Fahrradfahren, das verlernen Sie nicht.“ Als sie im März des vergangenen Jahres zum ersten Mal Käse gemacht haben, „haben wir alle gestrahlt“. 

Bischoff beantwortete geduldig alle Fragen der Baierbrunner. Die wissen wollten, ob sie auch Brot backen auf dem Hof, die staunten darüber, dass man seinem Leben mit Ende 40 noch mal eine ganz neue Richtung gibt. 20 Schafe, sechs Geißen, 20 Hühner werden momentan auf dem Wagnerhof gehalten, 2000 Quadratmeter Grund stehen dort zur Verfügung. Um ihren Traum vom anderen Leben mit Menschen, die anders sind, zu verwirklichen, bräuchte die sympathische 48-jährige Mutter zweier Töchter doch erheblich mehr Platz. Allein ein Schaf, rechnete sie vor, würde eine Weidefläche von einem Hektar beanspruchen. Hofladen, Hofcafé: All das würde sie gern noch aufziehen. Schon jetzt findet auf ihrem Gut regelmäßig eine Kunsttherapie statt. Und wer will, kann kommen und zuschauen, wie dort Käse gemacht wird. Um Unterstützung zu bekommen und auch Spenden sammeln zu können, hat Bischoff einen Verein gegründet, der „Hof Seraphim“ (www.hof-seraphim.de) heißt und bislang 20 Mitglieder zählt. Der Erlös aus dem Verkauf von Bildern und Postkarten fließt ebenso in das Projekt. Damit bald nicht mehr, wie es jetzt oft noch ist, „Freud und Leid nah beieinander liegen“. Sondern die Freude überwiegt. Die Fotos der Ausstellung „Baierbrunner Gesichter“ zeigen Persönlichkeiten aus dem Ort und wurden aufgenommen vor zehn, elf Jahren. Einige der Protagonisten sind schon gestorben wie Bruno Storp, der Seniorchef der Firma Drom, der Schulrektor Ernst Thalmeier, die Künstlerin Elisabeth Fürsich. Und auch Pepia Maier, eine Baierbrunnerin, die nie geheiratet hatte und immer drauf bestand, doch bitte mit „Fräulein“ angeredet zu werden, lebt nicht mehr. Anita Bischoff hat sie beim Stahuber fotografiert – dem Kramerladen im Ort, der inzwischen zugemacht hat. Ebenso hat sie portraitiert: die beliebte Apothekerin Martha Dürr, die spanischem Landadel entstammt, sowie Pfarrer Carl-Friedrich Burkert und Bauer Jakob Rottmeier inmitten seiner Schafe. Die Impressionen vom Chiemsee, die ebenfalls Teil der Ausstellung sind, stammen derweil von Mathias Stampfl, einem Künstlerkollegen von Bischoff, der mit 20 Jahren einen schlimmen Unfall erlitt, lang im Koma lag und nur noch eingeschränkt arbeitsfähig ist. Seine Aufnahmen sind sehr bunt, zum Teil verfremdet. Und sehr schön.

Die Ausstellung läuft bis Mitte März im Rathaus Baierbrunn. Bei der Finissage am Mittwoch, 16. März, liest ab 18 Uhr die Schauspielerin Aglaia Szyszkowitz einen Text von Hildegard von Bingen. Andrea Kästle

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