Maisernte
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Die Maisernte fiel heuer wieder besser aus.

Interview

Bauern-Obmann über die Zukunft der Landwirtschaft: „Bio ist nicht die Lösung“

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Zurzeit sehen sich viele Landwirte als Prügelknaben der Nation. Im Interview erklärt Bauern-Kreisobmann Anton Stürzer wie es um die Zukunft seines Berufsstandes steht.

Landkreis– Strengere Düngeverordnung, Volksbegehren Artenschutz und der Dürre-sommer vergangenes Jahr: Viele Landwirte fühlen sich zurzeit als Prügelknaben der Nation. Mit der Ernte sieht es heuer wieder besser aus, beobachtet Bauernverbands-Kreisobmann Anton Stürzer. Langfristig Sorgen macht er sich aber übers Klima – und den Klimaschutz.

Herr Stürzer, der Dürresommer 2018 hat sich nicht wiederholt, trotz aller Unkenrufe im Frühjahr. Ist heuer alles gut?

Alles gut ist relativ. Die Ernte ist keinesfalls so schlecht wie im vergangenen Jahr. Aber regional sind die Erträge sehr, sehr unterschiedlich. Im Westen und Norden des Landkreises ist die Saison ja mit starken Hagelunwettern losgegangen. Ein Trend, der sich über das Jahr bestätigt hat. Dazu kommt die extreme Trockenheit im April und im Juni, in dem es auch noch sehr, sehr heiß war.

Welche Feldfrüchte waren davon betroffen?

Die Sommergerste, die eine sehr kurze Vegetationsperiode hat, und der Weizen. Hitze und Trockenheit haben die Reife beschleunigt. Das bedeutet einen kleineren Ertrag wegen der geringeren Korngröße. Auf meinen eigenen Feldern fehlen gut zwanzig Prozent.

Wo lief es besser?

Beim Mais hat es zum Kolbenschieben wieder genug geregnet. Und auch beim Kraut und bei den Kartoffeln im Norden müsste es ganz gut gepasst haben, die Landwirte dort beregnen ja auch. Die Wintergerste war sehr weit, als die Hitze kam, auch beim Grünland ist die Lage in Ordnung. Wir dürfen aber den Wald nicht vergessen...

Wie steht der da?

Der Borkenkäfer-Druck ist nicht mehr so hoch wie in den vergangenen Jahren. Aber die Hitze und die Trockenheit haben ihm nicht gutgetan. Vor allem ganz viele Jungpflanzen sind nicht angewachsen und verdorrt. Das liegt vor allem am überdimensional trockenen April.

Auch politisch hat sich die Wetterlage verändert...

Anton Stürzer, Kreis-Bauernobmann.

Das kann man so sagen. Es geht den Leuten viel zu gut. Wenn mal die Wirtschaft weniger läuft, denken sie vielleicht auch an etwas anderes, als nur daran, auf die Bauern einzuhacken. Das kann es nicht sein. Mit einem Kreuzerl beim Volksbegehren und 100 Euro auf ein Klima-Konto ist es nicht getan. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen, statt immer alles auf die Landwirtschaft zu schieben.

Was halten Sie von einer weiteren Verschärfung der Düngeverordnung?

In den neuen Bundesländern und in Niedersachsen, wo die Sorge um die Grundwasserqualität berechtigt ist, finde ich die Düngeverordnung absolut in Ordnung. Da kann man ruhig noch mal genauer hinschauen. Aber bei uns in Südbayern ist das Wasser super und wird immer besser. Hier sollte es bei der aktuellen Regelung bleiben.

Forscher prognostizieren angesichts des Klimawandels auch bei uns mehr Starkwetterereignisse. Verändert das die Landwirtschaft im Landkreis?

Mit ganz großer Sicherheit. Wenn wir wenig Wasser haben beziehungsweise das Wasser so ungleich verteil ist, dann wird das ein Riesenproblem. Gerade die Schotterebene kann nicht nachhaltig Grundwasser liefern, spätestens nach 14 Tagen sind wir auf Regen angewiesen. Ansonsten verlieren wir ganze Ernten. Wie wir darauf reagieren können, danach dürfen Sie mich derzeit noch nicht fragen. Wir brauchen auf jeden Fall ein neues Versicherungskonzept für diese Wetterextreme. Am besten mit staatlicher Unterstützung. Das ist viel unbürokratischer als die aufwendigen Dürrebeihilfen.

Welchen Rat können Sie jedem einzelnen Landwirt für die Zukunft geben?

Wir müssen in guten Jahren mit unserem Geld langfristiger haushalten, statt alles direkt wieder zu investieren. Zumal Investitionen in der jetzigen Wirtschafts- und Auftragslage auch ständig teurer werden. Ausfälle können immer wieder passieren – dann sollten Bauern Geld auf der Seite haben, um liquide zu bleiben. Das muss jeder für seinen Betrieb wissen.

...und was die Anbauflächen angeht?

Der Umstieg auf Bio ist jedenfalls nicht die Lösung. Auch Bio-Getreide braucht Wasser und Nährstoffe. Wir sollten nach neuen Sorten Ausschau halten, die mit der Trockenheit und den Wetterkapriolen besser zurande kommen. Und gesündere Sorten, die weniger Pflanzenschutz brauchen. Gefragt sind da aber vornweg die Züchter.

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