Nach einigen Anlaufschwierigkeiten siedeln sich im Kleingewerbegebiet an der Beta-Straße die ersten Firmen an: SF Sportcars, die Schreinerei Axenbeck, der Eventmanager Tagkonzept.

An der Beta-Straße

Bauland zum Schnäppchenpreis in Unterföhring

Unterföhring - Lange tat sich nichts an der Beta-Straße. Jetzt werden Fundamente gelegt, Hallen errichtet, Logos angeschraubt. Drei Unterföhringer Unternehmer haben schon ihren Standort verlagert, ein vierter steht in den Startlöchern, und für weitere gibt es noch Platz im „Kleingewerbegebiet". Südlich der Großkonzerne formiert sich der Mittelstand.

Fritsch war mit seinem Autohaus SF-Sportcars der Erste. 2013 wagte er „eine Rieseninvestition“, der junge Unternehmer in weißem Hemd und Jeans sitzt auf einem Designerstuhl an einem 110 Jahre alten Holztisch. Moderne und alte Werte, das verkörpern auch die ausgestellten Oldtimer im Show-Room: ein Porsche, ein Mercedes-Coupé, ein Mini. An der Empfangstheke telefonieren seine Mitarbeiter. „SF“: Stephan Fritsch, das war 2002 eine „One-Man-Show“ in Schwabing.

Damals studierte der gelernte Kfz-Mechaniker Wirtschaftsingenieurwesen und handelte mit gebrauchten Autos. 2006 zog seine Firma mit drei Mitarbeitern nach Unterföhring und wuchs weiter. Fritsch mietete Hallen in der Gaußstraße und in Aschheim an. Service-Werkstatt, Räder- und Reifenzentrum, Neu- und Gebrauchtwagen-Handel. Dann kam ein Fuhrpark-Management dazu - all das war auf 490 Quadratmetern an der Föhringer Allee nicht mehr unterzubringen. „Aus Rücksicht auf die Anwohner konnten wir auch nach 18 Uhr nicht mehr rumschrauben.“ Außerdem lief der Mietvertrag aus. Das Grundstück gehört mittlerweile der Gemeinde, die an der Föhringer Allee nun die neue Unterföhringer Ortsmitte plant.

Startschwierigkeiten

2005 stellte der Gemeinderat den Bebauungsplan auf mit der Absicht, Betriebe, die sich erweitern wollen, am Ort zu halten und aus der Ortsmitte heraus ins Gewerbegebiet zu verlagern. Dafür bot die Kommune einen günstigen Grundstückspreis in prominenter Lage: 330 Euro pro Quadratmeter, in Sichtweite zur Allianz und zu ProSieben/SAT1, bei einem Unterföhringer Marktwert von mindestens 550 Euro, zudem wird eine Wirtschaftsförderung von bis zu 200 000 Euro gewährt. Die Satzung war fertig, doch der Ansturm auf die 15 500 Quadratmeter Baufläche an der Beta-Straße blieb aus. „Die Nachfrage war nicht da, das hat uns überrascht“, erzählt Dritter Bürgermeister Johann Zehetmair (PWU). „Das unternehmerische Risiko erschien vielen zu groß, das war der Hintergrund dafür, dass sich viele zurückhielten.“

Weil laut EU-Recht einheimische Firmen bei der Vergabe von Parzellen im Kleingewerbegebiet nicht bevorzugt werden dürfen, wurde 2009 die Satzung für die Vergaberichtlinien geändert. Heute kann sich jeder EU-Bürger bewerben. „Wir versuchen aber, Unterföhringer Firmen zu favorisieren, im Rahmen des EU-Rechts“, erläutert Bauamtsleiter Lothar Kapfenberber. 2000 Quadratmeter darf eine Firma maximal kaufen. Es gilt eine Bindung von zehn Jahren, um Spekulationsgeschäften vorzubeugen. Falls ein Betrieb die erworbene Fläche doch vor dieser Frist veräußern muss, kauft die Gemeinde das Grundstück zurück.

Als sich 2011 Stephan Fritsch im Gemeinderat vorstellte, sagte der damalige Bürgermeister Franz Schwarz zu ihm: „Fritsch, du bist unser Pionier.“ Er bewarb sich mit zwei Firmen für zwei Parzellen, je 2000 Quadratmeter groß. Und investierte drei Millionen Euro. Für den damals 34-Jährigen bedeutete dieser Schritt zur eigenen Gewerbeimmobilie einen enormen Wachstumsschub. Fritsch wirkt selbst noch beeindruckt von der rasanten Entwicklung. Im Februar diesen Jahres ist er mit zwölf Mitarbeitern in den Neubau eingezogen: „Jetzt sind wir in der Phase, wo wir uns wieder beruhigen und alle Bereiche ordnen“, sagt er.

Viele Auflagen

Aufgrund der exponierten Lage am Ortseingang und der Nachbarschaft zu den Großkonzernen achtet die Gemeinde sehr streng auf das Erscheinungsbild des neuen Kleingewerbegebietes. Viele Auflagen waren zu berücksichtigen: Flachdach, Farbe, Attika, auch die Größe der Logos ist genau festgelegt. „Die Satzung ist so dick wie die Hälfte der Bibel“, Fritsch hat sich durchgekämpft: „Der Bau ist dadurch zwar teurer geworden, aber es hat sich gelohnt. Das Geld ist perfekt investiert.“ Und dank des vertraglich gegebenen Gebietsschutzes ist er vor unmittelbarer Konkurrenz sicher, es darf sich kein zweites Autohaus im Kleingewerbegebiet ansiedeln.

Dem Startgeber SF-Sportcars folgte die Schreinerei Manfred Axenbeck. Axenbeck kaufte 2000 Quadratmeter und wird im September mit seinem Betrieb aus der Alten Münchner Straße in die Beta-Straße ziehen. „Er war schon lange ein Kandidat“, erzählt Zehetmair, habe aber erstmal abgewartet. Als Dritter investiert Michael Spitzweg, er baut gerade die Halle für seine Veranstaltungsfirma Tagkonzept. „Die haben alle lieber erstmal abgewartet, ob bei mir beim Bauen eine Fliegerbombe gefunden wird oder ob ich vielleicht auf Grundwasser stoße“, scherzt Fritsch und lacht verschmitzt.

Für den heute 37-jährigen Stephan Fritsch ist alles gut gegangen. „Ich würde heute wieder hier investieren,“ sagt er. Die Gemeinde sei ein zuverlässiger Partner. Und die neue Lage an der Kreisstraße M 3 hat weitere Kunden angelockt. „Wir haben plötzlich Laufkundschaft, Leute kommen rein und sagen: Mein Auto hat einen Platten oder einen Kratzer oder es braucht eine Inspektion. Darauf mussten wir uns erst einstellen.“ Einige Tausend Quadratmeter sind noch frei an der Beta-Straße. - Platz genug für zwei bis drei weitere Firmen, die ein Risiko wagen und eine Chance ergreifen.

Eher für Mittelstand

Stefan Schnabel, der Vorsitzende des Unterföhringer Gewerbevereins, sieht die Entwicklung positiv. Allerdings sei dieses „Kleingewerbegebiet“ eher ein Angebot für mittelständische Firmen, findet er. „Für kleine Handwerksbetriebe sind die Grundstücke viel zu groß.“ Für sie sei eine günstige Pacht in einem Handwerkerhof interessanter.

icb

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