"Bavaturka"? Wie bitte?

Unterhaching - Unterbiberger Hofmusik setzt sich für Integration ein

Unterhaching - Die „Unterbiberger Hofmusik“ lebt Integration. Mit ihrem Programm „Bavaturka“ hat die Gruppe um Franz Himpsl die 150 Zuhörer im Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching begeistert.

Franz Himpsl lernt türkische Sätze nur auswendig, sprechen kann er die Sprache nicht. Deswegen wird er von seinen Söhnen auch als „Möchtegern-Türke“ bezeichnet. Bei Auftritten in der Türkei stellen die Leute Himpsl dann auch oft Fragen in ihrer Landessprache. Seine Beteuerungen, er könne wirklich kein Türkisch sprechen, glaube ihm dann aber keiner. Seine Aussprache sei zu gut dafür. „Die fragen einfach weiter“, erzählt er belustigt.

Auch beim Konzert der Unterbiberger Hofmusik im Lise-Meitner-Gymnasium stellte er seine Kenntnisse unter Beweis. Er begrüßte und verabschiedete die Gäste auf Türkisch, auch verschiedene Sprichwörter zitierte er. Die Lieder leitete er häufig in türkischer Sprache ein.

Seine Ankündigung „Wir sind nur die Vorband“ sollte an diesem Abend wahr werden. Rund 100 Schüler und Lehrer sind mit auf die Bühne gekommen, um die verschiedenen Lieder lautstark zu begleiten. Das Konzert war aber nicht die einzige interkulturelle Maßnahme an diesem Abend.

Im Vorfeld des Konzerts gab es zahlreiche Angebote rund um die deutsche und türkische Kultur. Um auf Unterschiede, aber vor allem auf Gemeinsamkeiten aufmerksam zu machen, haben Vertreter beider Länder diverse Workshops angeboten.

Beim bayerischen Tanzkurs gab es für die ungeübten Tänzer, ob jung oder alt, Einiges zu lernen. Tanja Seiderer (25) und Stefan Bardt (32) vom Trachtenverein Unterhaching hielten die Tänzer auf Trab. Mit Anweisungen wie diesen: „Auseinander, zusammen. Und der Junge klatscht in die Hände. Und nochmal.“ Das Pendant zum bayerischen Tanz lieferte die türkische Gruppe „Yurdum“. Die acht Tänzer des neu gegründeten Ensembles gaben mit ihrem Auftritt einen ersten Eindruck vom orientalischen Tanz.

Auch das Essen stammte aus beiden Kulturen. Die Leute standen Schlange. Es gab deutsche Gerichte wie zum Beispiel Kartoffelsalat und Leberkäse. Aus der türkischen Küche stammten Gebäckstücke und verschiedene Kaffeesorten.

Die ganze Veranstaltung sei „eine gute Sache, aber zu wenig“, meint Oguzhan Ökten (45), Islamlehrer der Grundschule Taufkirchen. Er war als Sachverständiger für den Workshop „Was wissen wir über den Islam?“ vor Ort. „Zum Glück stellen die Leute Fragen“, erzählt er zufrieden. Viel Misstrauen entstehe aus Unwissen über die Religion und Kultur. „Besser wäre aber der Islamunterricht, den es momentan nur an Grundschulen gibt.“

Auch Gesang stand auch auf dem Tagesplan. Die Stimmtherapeutin Ruth Seebauer begann ihren Jodel-Unterricht zunächst mit Lockerungsübungen. Anschließend beanspruchten verschiedene Jodeltexte die Stimmen der Besucher kräftig.

Genug Kraft in der Stimme hatten Schüler und Lehrer beim Konzert trotzdem noch. Sie animierten auch die Zuschauer, ihre Stimmen zu erheben. Mit Textschildern halfen sie bei den türkischen Liedern über die sprachlichen Barrieren hinweg. Mitsingen statt nur zuschauen war hier angesagt.

Passend zum Motto des ganzen Abends: „Reden kann man viel, aber man muss was machen“.

Tassilo Schneidt

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